Die OMV wird seit 1. September 2026 von Emma Delaney geführt. Die 53-jährige Irin ist die erste Frau an der Spitze des teilstaatlichen Konzerns und folgt auf Alfred Stern, der das Unternehmen rund fünf Jahre leitete. Laut OMV läuft ihr Vertrag über drei Jahre mit Option auf Verlängerung um weitere zwei Jahre. Delaney war zuvor mehr als 30 Jahre bei BP tätig, zuletzt als Leiterin eines Geschäftsbereichs mit über 50.000 Beschäftigten in rund 50 Ländern, und bringt laut Medienberichten zudem Erfahrung im LNG-Geschäft sowie Deutschkenntnisse mit.
Stern hatte die OMV zuletzt stark auf das Chemiegeschäft ausgerichtet, unter anderem durch die Zusammenführung von Borealis mit dem Chemiekonzern Borouge zum neuen Konzern Borouge International Ende März 2026. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten trafen das Unternehmen bereits konkret, als im April 2026 ein iranischer Angriff Borouge-Anlagen in den Emiraten beschädigte.
Analysten erwarten, dass Delaneys zentrale Aufgabe darin liegt, Wachstumsfelder jenseits der Chemie zu erschließen. Offen bleiben ihre konkreten strategischen Pläne, die Reaktion des Kapitalmarkts sowie ein eigenes ausführliches Statement Delaneys, das über die bisherigen Presseaussendungen hinausgeht.
Was passiert ist
Die OMV wird seit 1. September 2026 von Emma Delaney geführt. Die 53-jährige Irin ist damit die erste Frau an der Spitze des teilstaatlichen Öl-, Gas- und Chemiekonzerns und derzeit die einzige Frau, die laut ORF-Berichterstattung einen ATX-Konzern als Vorstandsvorsitzende leitet. Sie folgt auf Alfred Stern, der das Unternehmen rund fünf Jahre lang geleitet hatte. Die OMV hatte Delaneys Bestellung bereits im April 2026 offiziell bekanntgegeben, wirksam wurde sie mit dem Amtsantritt am 1. September. Laut Unternehmensangaben läuft ihr Vertrag über drei Jahre und kann in beiderseitigem Einvernehmen um weitere zwei Jahre verlängert werden.
Werdegang und erste Aufgaben
Delaney bringt jahrzehntelange Branchenerfahrung mit: Mehr als 30 Jahre war sie beim britischen Ölkonzern BP tätig, zuletzt als Leiterin eines Geschäftsbereichs mit über 50.000 Beschäftigten in rund 50 Ländern, der unter anderem das Tankstellennetz, das Schmierstoffgeschäft und die Ladeinfrastruktur für Elektroautos umfasste. Laut ORF verfügt sie zudem über Erfahrung im Up- und Downstream- sowie im LNG-Geschäft und spricht mehrere Sprachen, darunter fließend Deutsch. Dass Finanzchef Reinhard Florey im Amt bleibt, werten Beobachter als Signal für Kontinuität. Von Analysten der RBC Europe wird laut ORF erwartet, dass Delaneys zentrale Aufgabe darin bestehen wird, Wachstumsfelder jenseits der Chemiesparte zu erschließen, nachdem sich Investoren zunehmend für die Langlebigkeit der Ressourcen interessieren.
Vorgeschichte: Die Amtszeit von Alfred Stern
Stern hatte die OMV im September 2021 übernommen und in den Folgejahren einen strategischen Umbau weg vom klassischen Öl- und Gasgeschäft hin zu Chemie und Kreislaufwirtschaft vorangetrieben. Als größten Erfolg seiner Amtszeit nannte er laut ORF die Zusammenführung der OMV-Tochter Borealis mit dem Chemiekonzern Borouge aus Abu Dhabi sowie die Übernahme der kanadischen Nova Chemicals. Die Gründung des neuen Konzerns Borouge International mit dem arabischen Kernaktionär ADNOC wurde demnach Ende März 2026 abgeschlossen und schuf einen der weltweit größten Polyolefin-Produzenten. Geopolitische Risiken blieben dabei spürbar: Im April 2026 beschädigte laut ORF-Bericht ein iranischer Angriff in den Vereinigten Arabischen Emiraten auch Borouge-Anlagen, was das Unternehmen zu einer vorübergehenden Drosselung der Produktion zwang. Unter Stern schüttete die OMV zudem, begünstigt durch hohe Energiepreise, hohe Dividenden aus.
Was unklar bleibt
Aus den vorliegenden Quellen geht nicht hervor, welche konkreten strategischen Schwerpunkte Delaney in ihren ersten Amtsmonaten setzen wird, etwa im Verhältnis von Gasförderung zu Chemiegeschäft. Auch zur Reaktion des Kapitalmarkts oder der OMV-Aktie auf den Führungswechsel liegen keine Angaben vor. Ein ausführliches eigenes Statement Delaneys zu ihren Plänen ist in den gesichteten Quellen nicht im Wortlaut dokumentiert. Wie stark geopolitische Risiken im Nahen Osten ihre erste Amtszeit tatsächlich prägen werden, lässt sich derzeit nur als Erwartung von Analysten wiedergeben, nicht als gesicherte Tatsache.
Einordnung
Der Führungswechsel fällt in eine Phase, in der Analysten die OMV laut ORF in einer strategischen Neufindung sehen: Nach dem starken Fokus auf das Chemiegeschäft unter Stern rücke die Gasförderung wieder stärker in den Blick. Dass mit Delaney erstmals eine Frau an der Spitze des größten börsennotierten österreichischen Unternehmens steht, ist zugleich ein Signal für die Vorstandsbesetzung im ATX insgesamt, wo weibliche Vorstandsvorsitzende laut ORF-Berichterstattung weiterhin die Ausnahme sind. Wie tragfähig der eingeschlagene Kurs zwischen Chemie, Gas und geopolitischen Risiken ist, wird sich erst im Verlauf ihrer Amtszeit zeigen.


