ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher hat ORF-III-Co-Geschäftsführer Peter Schöber mit sofortiger Wirkung abberufen und beurlaubt. Eine Prüfung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe durch die ORF-Compliance-Stelle und externe Fachleute ist abgeschlossen; das Ergebnis laut ORF: Schöber habe in vielfacher Hinsicht Verhaltensweisen gezeigt, die mit einer Führungsfunktion im ORF nicht vereinbar seien. Es laufen nun Gespräche über die Auflösung seines Dienstverhältnisses. Die Geschäftsführung von ORF III liegt interimistisch bei Kathrin Zierhut-Kunz, die Programmverantwortung bei Lou Lorenz-Dittlbacher.
Die Vorwürfe reichen laut Berichten bis November 2024 zurück (Mobbing, verbale Entgleisungen, redaktionelle Interventionen), ein erster interner Check ließ Schöber im Jänner 2025 zunächst teilweise entmachtet im Amt. Hinzu kommen Berichte, ORF III habe von Unternehmen wie der ÖBB finanzierte Imagefilme unausgewiesen als Dokumentationen ausgestrahlt. Die Grüne Mediensprecherin Sigrid Maurer begrüßte die Abberufung als überfällig und forderte zugleich Rücktritte im Stiftungsrat.
Offen bleiben die genauen Details der Compliance-Prüfung, die aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht veröffentlicht wurden, eine Stellungnahme Schöbers selbst sowie der weitere Verlauf seines Dienstverhältnisses. Der Stiftungsrat will sich bei seiner nächsten Sitzung genauer berichten lassen.
Was passiert ist
ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher hat den ORF-III-Co-Geschäftsführer Peter Schöber mit sofortiger Wirkung abberufen und beurlaubt. Wie aus einem Statement des ORF sowie einer E-Mail Thurnhers an den Stiftungsrat und die Belegschaft von ORF III hervorgeht, ist eine Prüfung der gegen Schöber erhobenen Vorwürfe durch die ORF-Compliance-Stelle sowie externe Expertinnen und Experten abgeschlossen. Das Ergebnis: In vielfacher Hinsicht seien Verhaltensweisen gezeigt worden, die mit der Funktion einer Führungskraft im ORF nicht vereinbar seien. Der ORF hat deshalb Gespräche über die Auflösung von Schöbers Dienstverhältnis aufgenommen. Details der Compliance-Untersuchung selbst kommentiert der Sender aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht.
Die ORF-III-Geschäftsführung liegt bis auf weiteres interimistisch allein bei Kathrin Zierhut-Kunz, die Programmverantwortung bei Lou Lorenz-Dittlbacher. Schöber wurde laut Berichten zudem angewiesen, von einer Kontaktaufnahme mit der Belegschaft abzusehen; Thurnher bat die Stiftungsräte um Meldung, sollte sich Schöber bei ihnen melden.
Vorgeschichte der Vorwürfe
Die Vorwürfe gegen Schöber sind älter als die aktuelle Entscheidung. Bereits im November 2024 war laut Medienberichten von verbalen Entgleisungen, Mobbing und redaktionellen Interventionen die Rede, dutzende Mitarbeitende sollen sich beschwert haben. Im Jänner 2025 hatte der ORF nach einer ersten internen Prüfung mitgeteilt, dass Schöber im Amt bleibe, wurde aber teilweise entmachtet. Im Zuge der Affäre um Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann kam die Causa Schöber heuer erneut auf die Tagesordnung, und die Stiftungsräte erhielten erstmals Einblick in den Prüfbericht – einen Einblick, den Schöber laut Berichten zuvor erfolglos gerichtlich zu verhindern versucht hatte.
Zusätzliches Gewicht bekam der Fall durch Recherchen, denen zufolge ORF III unter Schöbers Verantwortung von Unternehmen wie der ÖBB finanzierte Imagefilme ausgestrahlt haben soll, ohne die Geldgeber als solche zu kennzeichnen. In der Kritik stand Schöber zudem wegen seines Jahresgehalts von 312.000 Euro, mit dem er zu den Spitzenverdienern des ORF zählte.
Politische Reaktion
Die Grüne Mediensprecherin und stellvertretende Klubobfrau Sigrid Maurer begrüßte die Abberufung als „längst überfällig“ und sprach von einem „wichtigen Schritt, damit der ORF als öffentlich-rechtliches Medium seine Glaubwürdigkeit zurückgewinnen kann“. Zugleich forderte sie die Stiftungsräte Heinz Lederer, Gregor Schütze und Peter Westenthaler auf, ihrerseits Konsequenzen zu ziehen und zurückzutreten. Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer kündigte an, sich bei der kommenden Sitzung am Dienstag von der ORF-Führung genau berichten zu lassen, welche Vorwürfe letztlich den Ausschlag für die Freistellung gegeben haben.
Was unklar bleibt
Der ORF hat die konkreten Inhalte der Compliance-Untersuchung aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht veröffentlicht, weshalb offenbleibt, welche einzelnen Vorfälle letztlich ausschlaggebend waren. In den vorliegenden Quellen findet sich keine eigene Stellungnahme Peter Schöbers zu den Vorwürfen oder zu seiner Abberufung. Auch der genaue weitere Verlauf – ob es zu einer einvernehmlichen Trennung kommt und wie die laufenden Gespräche über sein Dienstverhältnis ausgehen – ist offen. Die Imagefilm-Vorwürfe stützen sich bislang im Wesentlichen auf eine Rechercheserie und sind nicht durch eine zweite, unabhängige Detailprüfung bestätigt.
Einordnung
Die Abberufung reiht sich in eine Serie von Führungskrisen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein, zu der zuletzt auch die Affäre um Ex-Generaldirektor Roland Weißmann zählte. Thurnher hatte bei ihrer Wahl im April angekündigt, den ORF bis zum Ende ihrer Amtszeit Ende dieses Jahres von „Altlasten“ befreien zu wollen; die Abberufung Schöbers wird in diesem Zusammenhang von mehreren Medien als Umsetzung dieser Ankündigung eingeordnet. Wie weit die von Maurer geforderten personellen Konsequenzen im Stiftungsrat tatsächlich gezogen werden, ist derzeit offen.
