Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Astrophysikers Juan Diego Soler vom Institut für Astronomie der Universität Wien hat die bislang schärfste Karte des neutralen atomaren Wasserstoffs im Orionnebel erstellt. Dafür kombinierten die Forschenden Daten der Radioteleskope VLA (USA) und FAST (China), die schwache Radiostrahlung von Wasserstoffgas bei 21 Zentimetern Wellenlänge einfangen. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal Astronomy & Astrophysics, wie die Universität Wien und mehrere österreichische Medien übereinstimmend berichten.
Die neuen Daten zeigen riesige expandierende Gashüllen, bislang unbekannte Hohlräume und schmale Gasströme im Nebel – ein Bild, das laut Universität Wien für mehrere aufeinanderfolgende Episoden stellaren Feedbacks statt für eine einzelne Expansionsblase spricht. Zugleich revidiert das Team die bisherige Massenschätzung der Gashülle um nahezu das Zehnfache nach unten. Die Studie ist der erste Ergebnisbericht des Wiener Projekts NeAtHood zur Kartierung von Wasserstoffgas in nahen Sternentstehungsgebieten.
Offen bleiben die genauen Zahlenwerte der alten und neuen Massenschätzung sowie weitere Details zu beteiligten Co-Autor:innen; der volle Fachtext wurde für diesen Artikel nicht eingesehen.
Was passiert ist
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Astrophysikers Juan Diego Soler vom Institut für Astronomie der Universität Wien hat die bislang schärfste Karte des neutralen atomaren Wasserstoffs im Orionnebel erstellt. Dafür kombinierten die Forschenden Beobachtungsdaten zweier Radioteleskope: des Karl G. Jansky Very Large Array (VLA) in den USA und des chinesischen Five-hundred-meter Aperture Spherical Radio Telescope (FAST). Beide Instrumente erfassen die schwache Radiostrahlung, die neutraler Wasserstoff bei einer Wellenlänge von 21 Zentimetern aussendet – ein Signal, mit dem sich sonst unsichtbares Gas zwischen den Sternen sichtbar machen lässt. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal Astronomy & Astrophysics, wie sowohl die Universität Wien selbst als auch mehrere österreichische Medien wie DER STANDARD und die Kleine Zeitung berichten.
Der Orionnebel liegt der Erde näher als jedes andere Entstehungsgebiet massereicher Sterne und gilt deshalb als besonders gut erforscht – umso bemerkenswerter ist, dass die neue Karte trotzdem bislang unbekannte Details zutage förderte.
Was die Quellen zeigen
Laut Universität Wien zeigen die neuen Radiodaten riesige expandierende Gashüllen, bislang unbekannte Hohlräume sowie lange, schmale Gasströme, die sich durch den Nebel ziehen – darunter offenbar eine zweite, kleinere Expansionsblase innerhalb der bekannten Hauptschale sowie einen schmalen Ausläufer von Wasserstoffgas, der sich über rund vier Lichtjahre erstreckt. Dieses Bild deutet laut der Pressemitteilung darauf hin, dass der Orionnebel nicht durch eine einzelne expandierende Blase, sondern durch mehrere aufeinanderfolgende Episoden sogenannten stellaren Feedbacks geformt wurde – also durch Strahlung und Sternwinde neu entstandener Sterne.
Zugleich revidiert das Team die bisherige Massenschätzung der Gashülle nach unten. Laut Angaben der Universität Wien soll die geschätzte Masse um nahezu das Zehnfache sinken. Die Studie ist der erste Ergebnisbericht des Projekts NeAtHood, in dem Forschende der Universität Wien den neutralen atomaren Wasserstoff in mehreren nahen Sternentstehungsgebieten kartieren; laut Fundstelle des Fachartikels wird das Vorhaben über den österreichischen Wissenschaftsfonds FWF gefördert. Juan Diego Soler wird von der Universität mit den Worten zitiert, die Messung der Masse sei „fundamental“, weil sie etwas über die Effizienz neu entstandener Sterne verrate, die ihre Umgebung mit Sternwind und Strahlung formen.
Was unklar bleibt
Aus den vorliegenden Quellen geht nicht hervor, welchen genauen Zahlenwert die alte und die neue Massenschätzung jeweils hatten – bekannt ist nur die ungefähre Größenordnung der Abweichung von rund dem Zehnfachen. Auch welche weiteren Institutionen oder Ko-Autor:innen neben der Universität Wien an der Studie beteiligt waren, lässt sich aus den zugänglichen Angaben nicht abschließend klären. Der volle Fachtext in Astronomy & Astrophysics wurde für diesen Artikel nicht eingesehen; die Angaben stützen sich auf die begleitende Presseaussendung der Universität Wien, auf die Fundstelle des Fachartikels sowie auf mediale Berichterstattung.
Einordnung
Auch wenn der Orionnebel als eines der am besten untersuchten Himmelsobjekte gilt, zeigt die neue Karte, wie viel Detailstruktur bislang unter der Nachweisgrenze älterer Beobachtungsmethoden lag. Die Kombination zweier unterschiedlich empfindlicher Radioteleskope wie VLA und FAST gilt in der Astronomie als Weg, sowohl große als auch feine Gasstrukturen gleichzeitig zu erfassen. Eine deutlich niedrigere Massenschätzung hat Folgen für Modelle zur Sterngeburt: Sie verändert, wie stark junge Sterne ihre Umgebung durch Strahlung und Sternwind tatsächlich beeinflussen – ein Thema, zu dem im Rahmen des Projekts NeAtHood laut Ankündigung weitere Untersuchungen anderer Sternentstehungsgebiete folgen sollen.

