Der ungarische Schriftsteller Péter Nádas ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Er starb in seinem Haus im westungarischen Gombosszeg; die Nachricht wurde laut Berichten über die Facebook-Seite des Autors verbreitet, verbunden mit der Bitte der Familie um Zurückhaltung. Eine Todesursache wird nicht genannt. Nádas zählte zu den prägenden Stimmen der mitteleuropäischen Literatur und wurde wiederholt als möglicher Nobelpreisträger gehandelt.
Geboren 1942 in Budapest, überlebte Nádas mit seiner Familie den Holocaust. Seine Mutter starb früh an einer Krankheit, sein Vater nahm sich später das Leben. Nach Jahren im Zeitungsjournalismus wurde er freier Schriftsteller. Seinen Durchbruch im deutschen Sprachraum markierte „Buch der Erinnerung“ (1991), gefolgt vom monumentalen Roman „Parallelgeschichten“ (2012). Im Zentrum seines Werks standen die Gewaltideologien des 20. Jahrhunderts und ihre Spuren im Alltag der Menschen.
Offen bleiben die Todesursache sowie Stellungnahmen von Verlag, literarischen Institutionen und internationalen Weggefährten, die bislang nicht vorliegen.
Was passiert ist
Der ungarische Schriftsteller Péter Nádas ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Er starb in seinem Haus im westungarischen Gombosszeg, wie mehrere österreichische Medien übereinstimmend berichten. Die Nachricht wurde demnach über die Facebook-Seite des Autors verbreitet, verbunden mit der Bitte der Familie, ihre derzeitige Zurückhaltung von einer öffentlichen Stellungnahme zu respektieren. Eine Todesursache wird in keinem der vorliegenden Berichte genannt.
Nádas zählte seit Jahrzehnten zu den prägenden Stimmen der mitteleuropäischen Literatur und wurde wiederholt als möglicher Träger des Literaturnobelpreises genannt. Am 14. Oktober wäre er 84 Jahre alt geworden.
Leben und Werk
Péter Nádas wurde am 14. Oktober 1942 in Budapest geboren. Mit seiner Familie überlebte er den Holocaust in Verstecken und mit falschen Papieren, wie ein ausführlicher Bericht schildert – ein Thema, das in seiner Familie später kaum besprochen wurde. Seine Eltern waren zunächst überzeugte, später enttäuschte Kommunisten. Die Mutter starb an einer Krankheit, als Nádas 13 Jahre alt war, drei Jahre später nahm sich sein Vater das Leben. Von 1965 bis 1969 arbeitete Nádas bei verschiedenen Zeitungen, danach lebte er als freier Schriftsteller. Parallel dazu ließ er sich zum Fotografen ausbilden, ein Handwerk, dem er bis zuletzt neben dem Schreiben nachging.
Seinen Durchbruch im deutschsprachigen Raum markierte der Roman „Buch der Erinnerung“, an dem er fast zwölf Jahre arbeitete und der 1991 auf rund 1300 Seiten auf Deutsch erschien. Das Werk verschränkt drei Zeitebenen – 1900, 1950 und 1970 – und drei Schauplätze zu einem Geflecht aus Liebe und Verstrickung. Siebzehn Jahre widmete Nádas anschließend dem Roman „Parallelgeschichten“, dessen deutsche Fassung 2012 mit rund 1700 Seiten erschien und Figuren, Motive und Ereignisse über Zeit und Raum hinweg miteinander verwebt.
Einordnung
Im Zentrum von Nádas’ Werk standen die Gewaltideologien des 20. Jahrhunderts und ihre Einschreibung in Körper, Gesten und Sprache der Menschen. Die Literaturkritikerin Iris Radisch bezeichnete ihn laut einem Bericht als „großen Vermesser der europäischen Seelenlandschaft“. Seine literarische Methode – die genaue, fast chirurgische Beobachtung von Details und Atmosphären – fand im kommunistischen Ungarn zunächst nur zögerlich Anerkennung, ehe Nádas international zu einem der meistdiskutierten Autoren seiner Generation wurde.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, woran Péter Nádas gestorben ist – die vorliegenden Berichte nennen keine Ursache, und die Familie hat laut einer Quelle um Zurückhaltung gebeten. Eine eigene Stellungnahme des Verlags oder literarischer Institutionen liegt nach derzeitigem Stand nicht vor, ebenso wenig Reaktionen internationaler Autor:innen oder der Literaturwissenschaft außerhalb des deutsch- und ungarischsprachigen Raums. Auch ob und in welcher Form es öffentliche Gedenkveranstaltungen geben wird, ist bislang nicht bekannt.

