Textlänge

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) hält den aktuellen Anteil von rund zehn Prozent Quereinsteigern unter neu angestellten Lehrkräften für die richtige Obergrenze. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA bezeichnete er diese Aufteilung als „gute Maximaldurchmischung“ und sprach sich gegen eine weitere Erhöhung aus. Zugleich betonte er den Mehrwert, den Quereinsteiger durch Erfahrungen aus der Privatwirtschaft in die Schulen bringen.

Verbesserungsbedarf sieht der Minister beim Berufseinstieg: Laut von ihm zitierten Untersuchungen der Pädagogischen Hochschulen werden Quereinsteiger anfangs oft unzureichend begleitet, sind mit unklaren Rollen konfrontiert und stark belastet. Als Gegenmaßnahmen nannte er strukturiertes Mentoring, Unterrichtsbeobachtung und Lerncoaching. An der bestehenden berufsbegleitenden Ausbildung will er vorerst festhalten, stellte aber bei positiver Evaluierung eine Ausweitung des Quereinstiegs auf die Volksschule in Aussicht.

Offen bleibt in den vorliegenden Berichten, welche Studien konkret herangezogen wurden, wie Lehrergewerkschaften die Pläne bewerten und wie hoch die Ausstiegsquote unter bisherigen Quereinsteigern tatsächlich ist.

Was passiert ist

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) hat sich in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA zum Quereinstieg in den Lehrberuf geäußert. Rund zehn Prozent der zuletzt neu angestellten Lehrkräfte waren demnach Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger mit passendem Studium und einschlägiger Berufserfahrung, die ihre pädagogische Ausbildung erst berufsbegleitend nachholen. Ein ähnlicher Anteil wird auch für das laufende Schuljahr erwartet. Für Wiederkehr ist damit eine Grenze erreicht: „Die aktuelle Aufteilung von ca. zehn Prozent ist eine gute Maximaldurchmischung“, so der Minister – mehr sollen es aus seiner Sicht nicht werden.

Mehrwert ja, aber Berufseinstieg mit Optimierungsbedarf

Der Quereinstieg wurde ursprünglich als Maßnahme gegen den Lehrermangel eingeführt. Auch wenn sich die Personalsituation laut Wiederkehr mittlerweile in vielen Bereichen entspannt hat, sieht er im Modell weiterhin einen „echten Mehrwert“ für Schulen – durch Erfahrungen aus der Privatwirtschaft und neue Perspektiven im Unterricht. Das Interesse sei inzwischen so groß, dass bei der Vergabe des nötigen Zertifikats sehr selektiv ausgewählt werden könne. Zufriedenheit und Verbleib unter den Quereinsteigern seien hoch beziehungsweise die Zahl der Aussteiger gering, so der Minister – konkrete Zahlen dazu nannte er in den vorliegenden Quellen nicht.

Handlungsbedarf ortet Wiederkehr dagegen beim Berufseinstieg selbst. Er beruft sich dabei auf Untersuchungen der Pädagogischen Hochschulen, wonach Quereinsteiger zwar mit hoher Motivation und Lernbereitschaft starten, zu Beginn aber oft unzureichend begleitet würden, mit unklaren Rollen konfrontiert seien und durch die Stundenverteilung stark belastet würden. „Wir müssen die Eingangsphase intensivieren, um so den Einstieg in den Schulalltag zu erleichtern und zu verbessern“, sagte der Minister. Als Ansatzpunkte nannte er unter anderem strukturierte Mentoringprogramme, Unterrichtsbeobachtung durch und bei Kolleginnen und Kollegen, Lerncoachings sowie Reflexionsangebote im Rahmen der Lehrveranstaltungen an den Pädagogischen Hochschulen.

Ausblick: mögliche Ausweitung auf die Volksschule

An der Struktur der berufsbegleitenden pädagogischen Ausbildung für Quereinsteiger will Wiederkehr vorerst nichts ändern – aus seiner Sicht ist sie ausreichend. Bei positiver Evaluierung des bisherigen Modells rechnet er allerdings mit einer Ausweitung des Quereinstiegs auf die Volksschule, wo dieser Weg bislang nicht vorgesehen ist. Details zu Zeitplan oder Kriterien dieser Evaluierung nannte er laut den vorliegenden Berichten nicht.

Was unklar bleibt

Die vorliegenden Quellen geben im Wesentlichen die Sichtweise des Ministers wieder. Welche Studien der Pädagogischen Hochschulen genau herangezogen wurden und wie belastbar deren Befunde sind, lässt sich daraus nicht nachvollziehen. Ebenso fehlt eine Einschätzung von Lehrergewerkschaften oder Lehrerverbänden zur genannten Zehn-Prozent-Grenze und zu den angekündigten Maßnahmen. Auch eine konkrete Zahl zur Ausstiegsquote unter bisherigen Quereinsteigern – vom Minister nur als „gering“ beschrieben – liegt nicht vor.

Einordnung

Der Quereinstieg in den Lehrberuf ist in Österreich seit Jahren Thema der Bildungspolitik, ursprünglich als Reaktion auf den Lehrermangel eingeführt. Dass ein Bildungsminister nun explizit eine Obergrenze für den Anteil an Quereinsteigern formuliert und gleichzeitig Nachbesserungen bei deren Betreuung ankündigt, markiert eine Verschiebung des Schwerpunkts: weg von der reinen Mengenfrage, hin zur Qualität der Begleitung im Schulalltag. Ob und wie schnell die angekündigten Maßnahmen – etwa Mentoringprogramme – umgesetzt werden und wie eine mögliche Ausweitung auf Volksschulen konkret aussehen könnte, bleibt vorerst offen.