Eine britische Studie im Fachjournal Archives of Disease in Childhood zeigt, dass viele Babynahrungsprodukte in Quetschbeuteln eher zuckerhaltigen Smoothies als nährstoffreicher Beikost ähneln. Forschende der University of Glasgow und des First Steps Nutrition Trust untersuchten 298 Produkte von 16 Herstellern in sechs Supermärkten in Glasgow, davon 178 Quetschbeutel mit Ausgießtülle.
61 Prozent dieser Beutel enthielten mehr Zucker als Muttermilch, fast die Hälfte hatte eine flüssige statt feste Konsistenz. Nur 14 Produkte, 8,5 Prozent, erfüllten alle Kriterien für geeignete Beikost. Viele Beutel waren laut Kennzeichnung auch für sehr junge Babys vorgesehen, obwohl Beikost laut Empfehlungen erst ab rund sechs Monaten sinnvoll ist. Die Forschenden fordern eine Überprüfung von Produktkategorisierung und Kennzeichnung.
Offen bleibt, ob Hersteller oder Behörden in Großbritannien, der EU oder Österreich auf die Ergebnisse reagieren und wie gut sie sich auf hierzulande verkaufte Produkte übertragen lassen – die Untersuchung deckte ausschließlich den britischen Markt ab.
Was passiert ist
Eine britische Analyse zeigt, dass viele kommerzielle Babynahrungsprodukte in Quetschbeuteln mit Ausgießtülle eher zuckerhaltigen Getränken und Smoothies ähneln als nährstoffreicher Beikost. Die Studie wurde im Fachjournal Archives of Disease in Childhood veröffentlicht und stammt von Forschenden der University of Glasgow gemeinsam mit der Organisation First Steps Nutrition Trust. Untersucht wurden die Beikost-Regale von sechs großen Supermärkten in Glasgow, Schottland.
Was die Studie im Detail zeigt
Die Forschenden fanden 298 Produkte von 16 Herstellern, davon 178 (60 Prozent) in Quetschbeuteln mit Ausgießtülle. 61 Prozent dieser Beutel enthielten mehr Zucker als Muttermilch, bei anderer Babynahrung traf das nur auf einen deutlich kleineren Anteil zu. Fast die Hälfte der Quetschbeutel (49 Prozent) hatte zudem eine flüssige statt einer festen Konsistenz – bei anderer Beikost war der Anteil laut den Angaben viel geringer. Nur 14 der 178 Quetschbeutel-Produkte, also 8,5 Prozent, erfüllten nach den von den Forschenden angelegten Kriterien alle Anforderungen an geeignete Beikost; rund ein Drittel der Produkte erfüllte keines der Kriterien. Alle Beutel waren laut Kennzeichnung für Kinder unter zwölf Monaten geeignet – ein großer Teil davon nach Angaben der Studie auch für Babys deutlich unter sechs Monaten, obwohl gängige Empfehlungen Beikost erst ab etwa sechs Monaten vorsehen. Zur genauen Größenordnung dieses Anteils finden sich in den vorliegenden Quellen leicht unterschiedliche Angaben, zwischen rund zwei Dritteln und etwa 70 Prozent.
Reaktionen und Forderungen
Die Studienautorinnen und -autoren kritisieren laut Presseunterlagen des Fachverlags, dass Eltern durch die Vermarktung der Produkte als gesunde Wahl in die Irre geführt würden. Die Konsistenz sei für die motorische Entwicklung von Babys wichtig: Während Saugen angeboren sei, müssten die Fähigkeiten zum Essen fester Nahrung erst erlernt werden. Die Forschenden fordern eine Überprüfung, ob die Einordnung von Quetschbeuteln als ergänzende Beikost sowie deren aktuelle Kennzeichnung weiterhin angemessen ist.
Was unklar bleibt
Eine Stellungnahme der betroffenen Hersteller liegt nicht vor. Ebenso offen ist, ob britische oder EU-Behörden auf die Studie reagieren und eine Überprüfung der Kennzeichnungsregeln einleiten – für Österreich gibt es dazu keine bekannte Reaktion. Unklar ist zudem, wie gut sich die Ergebnisse auf den österreichischen beziehungsweise EU-Markt übertragen lassen, da die Untersuchung ausschließlich Produkte aus Glasgow erfasste. Parallel berichtete DER STANDARD über eine offenbar andere, gesondert zu betrachtende Studie zu einem möglichen Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum im Kleinkindalter und späterem Krebsrisiko; Inhalte dieser zweiten Studie liegen der Redaktion nicht im Volltext vor und werden hier nicht dargestellt, um keine Vermischung zweier unterschiedlicher Untersuchungen zu erzeugen.
Einordnung
Quetschbeutel-Babynahrung ist auch in Österreich und anderen EU-Ländern im Handel weit verbreitet, eine österreichische Datengrundlage zu Verkaufszahlen oder Zuckergehalten liegt derzeit aber nicht vor. Die britische Studie reiht sich in eine Reihe früherer, kleinerer Analysen zu Zusammensetzung und Kennzeichnung von Quetschbeutel-Produkten ein, macht aber mit der Kombination aus großer Stichprobe und physikalischer Konsistenzmessung eine vergleichsweise breite Bestandsaufnahme.
