Die britisch-kanadische Autorin Rachel Cusk hat mit „Das Leben der M“ einen neuen Roman veröffentlicht, dessen Hauptfigur eine weltberühmte Schauspielerin ist. Mehrere Medien, darunter Die Presse und der Kurier, beschreiben unabhängig voneinander auffällige Parallelen zur Biografie von Natalie Portman: eine karriereprägende Kinderrolle, ein späterer Ballettfilm, eine an Dior erinnernde Werbekampagne und Paris als Wohnort. Portman gewann 2011 für „Black Swan“ einen Oscar.
Die Figur M wird nach außen als makellos, innerlich aber als kalt und gefühlsarm geschildert, was Kritikerstimmen laut Kurier als respektlos gegenüber der realen Person werten. Cusk selbst bestätigt oder dementiert eine reale Vorlage nicht. Laut Berichten kennen sich Cusk und Portman persönlich, und ein früherer Roman Cusks, „The Last Supper“, musste demnach bereits einmal zurückgezogen werden, nachdem sich reale Personen darin wiedererkannt hatten.
Ob Natalie Portman selbst reagiert, ob juristische Schritte drohen und wie eine von der Personendebatte losgelöste Literaturkritik den Roman bewertet, ist derzeit offen.
Was passiert ist
Die britisch-kanadische Autorin Rachel Cusk, bekannt unter anderem durch ihre „Outline“-Trilogie, hat mit „Das Leben der M“ einen neuen Roman veröffentlicht. Die Hauptfigur M ist eine weltberühmte Schauspielerin, deren Leben die Erzählerin – eine Autorin, die M anbietet, ihre Autobiografie zu schreiben – aus wechselnden Alltagsszenen und eigenen Beobachtungen rekonstruiert. Schon vor Erscheinen des Buchs kursierten Spekulationen, ob hinter der Figur M die Schauspielerin Natalie Portman steht, mit der Cusk nach übereinstimmenden Medienberichten persönlich bekannt ist.
Was die Quellen zeigen
Sowohl Die Presse als auch der Kurier beschreiben unabhängig voneinander auffällige Übereinstimmungen zwischen M und Portman: eine Kinderrolle mit Lolita-artigem Charakter, die ihre Jugend prägte, später einen erfolgreichen Ballettfilm sowie einen Wohnort, der stark an Paris erinnert. Der Kurier führt darüber hinaus aus, dass Ms Karriere in Details – etwa einem ersten Film, der laut Portmans eigenen Schilderungen ihre Kindheit beendete, sowie einer Werbekampagne für ein Modehaus, die an Portmans Dior-Kampagnen erinnere – der Biografie Portmans gleiche, die 2011 für „Black Swan“ einen Oscar gewann. Die Figur M wird dabei nach außen als makellos, innerlich aber als kalt und ohne Zugang zu Liebe oder Trauer geschildert. Laut Kurier warf ein Kritiker des britischen „Telegraph“ Cusk in diesem Zusammenhang vor, ihrer Figur ohne Rücksicht auf deren Leid regelrecht die Gliedmaßen abzureißen. Cusk selbst äußert sich laut Kurier weder bestätigend noch dementierend zu einer möglichen realen Vorlage und sagt lediglich, darum gehe es „nicht wirklich“.
Einordnung
Es wäre laut Kurier nicht das erste Mal, dass Cusk mit einem Buch nahe an realen Personen entlangschreibt: Die erste Ausgabe ihres Romans „The Last Supper“ sei zurückgezogen worden, nachdem sich reale Personen in den Figuren wiedererkannt und rechtliche Schritte angedroht hätten. Die Presse wiederum ordnet „Das Leben der M“ literarisch ein und beschreibt den rund 170 Seiten langen Text weniger als Porträt einer konkreten Person denn als philosophischen Diskurs über das Verhältnis von öffentlicher Persona und Innenleben – ein Befund, der der Zuspitzung auf eine reine Portman-Erzählung widerspricht. Diese unterschiedliche Lesart zeigt, dass die Frage, wie viel „echte“ Natalie Portman tatsächlich in der Figur M steckt, medial unterschiedlich beantwortet wird.
Was unklar bleibt
Keine der vorliegenden Quellen enthält eine Stellungnahme von Natalie Portman selbst oder ihrem Umfeld zu dem Roman. Offen ist auch, ob der Verlag auf die Debatte reagiert hat, ob – ähnlich wie bei „The Last Supper“ – rechtliche Schritte gegen das neue Buch drohen, und wie eine von der Personendebatte losgelöste literaturkritische Einordnung des Romans ausfällt.

