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Auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen sind mitten im arktischen Sommer 13 Rentiere unter ungewöhnlichen Umständen verendet. Bei der jährlichen Bestandszählung wurden die toten Tiere – elf Weibchen und zwei Männchen – in den Tälern Adventdalen und Reindalen entdeckt. Die norwegische Verwaltungsbehörde für Spitzbergen bezeichnete den Fund als „äußerst ungewöhnlich“ und rief die Öffentlichkeit auf, weitere Kadaverfunde zu melden.

Besonders auffällig: Die verstorbenen Tiere befanden sich laut Fachleuten in ihrer kräftigsten und fruchtbarsten Lebensphase – im Winter sterben sonst vor allem sehr junge oder sehr alte Rentiere. Das Norwegische Institut für Naturforschung (Nina) erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, es gebe „keine eindeutigen Hinweise und auch keine konkrete Hypothese“ zur Todesursache. Forscher Vebjørn Veiberg hält es zudem für unwahrscheinlich, dass eine Krankheit ausgerechnet die stärksten Tiere träfe.

Weder Krankheitserreger, Umweltgifte noch klimatische Ursachen sind bislang bestätigt oder ausgeschlossen. Laborergebnisse stehen den vorliegenden Berichten zufolge noch aus, ebenso ist offen, ob im weiteren Sommer mit zusätzlichen Fällen zu rechnen ist.

Was passiert ist

Auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen (Svalbard) sind mitten im arktischen Sommer außergewöhnlich viele kräftige Rentiere verendet. Bei der jährlichen Bestandszählung wurden in den Tälern Adventdalen und Reindalen insgesamt 13 kürzlich verstorbene Tiere entdeckt – elf Weibchen und zwei Männchen. Die zuständige norwegische Verwaltungsbehörde für Spitzbergen bezeichnete den Befund als „äußerst ungewöhnlich“ und bat die Öffentlichkeit, weitere Kadaverfunde zu melden.

Ungewöhnlich ist dabei nicht nur die Zahl der toten Tiere, sondern vor allem deren Zustand: Die verstorbenen Rentiere befanden sich nach Angaben von Fachleuten in der kräftigsten und fruchtbarsten Phase ihres Lebens. Im Winter sterben auf Spitzbergen normalerweise vor allem die jüngsten und ältesten Tiere – ein sommerliches Massensterben gerade unter reproduktionsfähigen Weibchen und ausgewachsenen Männchen gilt als Seltenheit.

Was die Quellen zeigen

Das Norwegische Institut für Naturforschung (Nina) teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, es gebe „keine eindeutigen Hinweise und auch keine konkrete Hypothese“, um die Todesfälle zu erklären. Der Nina-Forscher Vebjørn Veiberg wird mit der Einschätzung zitiert, dass eine Krankheit vermutlich nicht ausgerechnet die stärksten Tiere einer Population träfe – ein naheliegender Erklärungsansatz scheint damit zumindest nicht auf der Hand zu liegen.

Betroffen ist mutmaßlich das Spitzbergen-Rentier, eine kleine, endemische Unterart, die als Beispiel für sogenannte Inselverzwergung gilt und neben Eisbär und Polarfuchs zu den wenigen größeren Landsäugetieren des Archipels zählt. Die Verwaltungsbehörde und das Forschungsinstitut stimmen in der Einschätzung überein, dass es sich um eine Entwicklung handelt, die aufmerksam weiterbeobachtet werden soll.

Was unklar bleibt

Die eigentliche Todesursache ist nach vorliegenden Quellen weiterhin nicht bekannt. Weder Krankheitserreger noch Umweltgifte, Nahrungsmangel oder klimatische Faktoren wurden bislang bestätigt oder ausgeschlossen. Auch Ergebnisse von Laboruntersuchungen an den toten Tieren liegen den vorliegenden Berichten zufolge noch nicht vor.

Offen ist außerdem, ob es sich um einen abgeschlossenen Einzelbefund handelt oder ob im weiteren Sommer mit zusätzlichen Fällen zu rechnen ist. Die Verwaltungsbehörde hat die Bevölkerung ausdrücklich aufgerufen, neue Kadaverfunde zu melden – ein Hinweis darauf, dass die Entwicklung als nicht abgeschlossen gilt.

Einordnung

Spitzbergen gilt seit Langem als arktisches Forschungslabor, in dem ökologische Veränderungen besonders sichtbar werden. Die Inselgruppe ist derzeit noch zu rund 60 Prozent von Eis bedeckt, doch Temperaturen und Vegetationsbedingungen verändern sich dort in den vergangenen Jahren spürbar. Dass ausgerechnet die widerstandsfähigsten Tiere einer Population sterben, passt nach Einschätzung der beteiligten Forscher nicht zu den klassischen Erklärungsmustern für Rentiersterben – weder zu krankheitsbedingten Verlusten noch zu den aus früheren Wintern bekannten Hungersterben durch vereiste Weideflächen. Solange keine Laborbefunde vorliegen, bleibt die Einordnung des aktuellen Falls Spekulation.