Marie Rötzer hat ihre Intendanz am Theater in der Josefstadt eröffnet: Am Donnerstag, den 3. September 2026, feierte Arthur Schnitzlers selten gespielte „Komödie der Verführung“ als erste Premiere der neuen Ära Premiere. Rötzer folgt auf Herbert Föttinger und ist die erste Frau an der Spitze des mehr als 230 Jahre alten Wiener Traditionshauses. Regie führte die Ungarin Ildikó Gáspár, für die es laut Die Presse die erste Inszenierung in Österreich war; ihre Fassung setzt durchgehend auf mobile Kameras und Live-Video im gesamten Zuschauerraum.
Sowohl Der Standard als auch Die Presse bewerten den Auftakt kritisch: Der Standard spricht von einem schwachen Schnitzler-Abend ohne „große Revolution“, Die Presse attestiert einen schwachen Start und kritisiert die ständigen, ablenkenden Kamera- und Perspektivwechsel sowie die Vermischung mit Operetten-Motiven aus der „Csárdásfürstin“.
Offen bleibt, wie Rötzer und Gáspár auf die Kritik reagieren, wie das Publikum die Premiere abseits der Kritikerstimmen aufnahm und welche weiteren Akzente die neue Intendantin für ihre erste Spielzeit plant.
Was passiert ist
Marie Rötzer hat ihre Intendanz am Theater in der Josefstadt eröffnet: Am Donnerstag, den 3. September 2026, feierte Arthur Schnitzlers „Komödie der Verführung“ als erste Premiere der neuen Ära Premiere. Rötzer übernimmt die künstlerische Leitung des Wiener Traditionshauses von Herbert Föttinger und ist damit die erste Frau, die in der mehr als 230-jährigen Geschichte des Theaters tatsächlich an dessen Spitze steht.
Die Inszenierung
Regie führte die ungarische Regisseurin Ildikó Gáspár, für die es laut Die Presse die erste Inszenierung in Österreich war. Ihre Fassung von Schnitzlers selten gespieltem, kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstandenem Gesellschaftsdrama um Liebe, Geld und Zeitenwende setzt durchgehend auf mobile Kameras: Das Ensemble spielt im gesamten Zuschauerraum – auf Balkonen, in Logen, Foyers und Gängen –, während Live-Bilder im Stil von Social-Media-Videos auf einer großen Fläche gezeigt werden. Der Standard beschreibt die Inszenierung zudem als operettenhaft in Szene gesetzt, mit Anklängen an Stanley Kubricks Film „Eyes Wide Shut“.
Wie die Kritik reagiert
Sowohl Der Standard als auch Die Presse bewerten den Auftakt kritisch. Der Standard spricht von einem schwachen Schnitzler-Abend, der trotz aufwendiger Inszenierung schwer begreifbar bleibe, und sieht darin „keine große Revolution“ für das Haus. Die Presse attestiert der Aufführung einen schwachen Start und kritisiert, dass die ständigen Kamera- und Perspektivwechsel die Figuren paradoxerweise nicht näherbrächten, sondern durch rastlose, überdrehte Bildwechsel eher ablenkten. Zusätzlich bemängelt Die Presse, dass das Drama mit Motiven der Operette „Die Csárdásfürstin“ vermischt werde, was der ohnehin komplexen Vorlage nicht diene.
Was unklar bleibt
Öffentliche Stellungnahmen von Marie Rötzer oder Ildikó Gáspár zur Kritik liegen bislang nicht vor. Ebenso wenig ist bekannt, wie das Publikum abseits der Kritikerstimmen auf die Premiere reagierte oder welche weiteren Inszenierungen und Akzente Rötzer für ihre erste Spielzeit plant. Auch der Beitrag der Kleinen Zeitung, die zum selben Ereignis unter nahezu identischem Titel wie Die Presse berichtete, lässt sich inhaltlich nicht näher einordnen, da dazu nur Titel und Link vorliegen.
Einordnung
Der Antritt gilt als Zäsur für eines der bekanntesten Sprechtheater Österreichs: Rötzer, zuvor Intendantin am Landestheater Niederösterreich, tritt die Nachfolge des langjährigen Intendanten Herbert Föttinger an. Dass ausgerechnet ein selten gespieltes und als sperrig geltendes Schnitzler-Spätwerk den Auftakt bildet, wird von den vorliegenden Kritiken als mutige, aber nicht restlos geglückte Wahl beschrieben.

