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Österreich hat in den vergangenen Tagen an zwei Orten der im Nationalsozialismus ermordeten Roma und Sinti gedacht. Am 31. Juli 2026 legte die Parlamentsspitze – Bundesratspräsidentin Christine Schwarz-Fuchs, Nationalratspräsident Peter Haubner und Dritte Präsidentin Doris Bures – gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Volksgruppenbeirats der Roma, Emmerich Gärtner-Horvath, am Heldenplatz einen Kranz nieder. Nationalratspräsident Rosenkranz sprach von einem „beispiellosen Zivilisationsbruch“; Haubner nannte eine Opferquote von rund 90 Prozent unter den etwa 11.000 österreichischen Roma und Sinti.

Am 2. August, dem seit 2015 international anerkannten Gedenktag für den Völkermord an Roma und Sinti, lädt die Erzdiözese Wien unter Weihbischof Franz Scharl um 14:30 Uhr zu einem Wortgottesdienst in den Stephansdom, mit anschließender Kranzniederlegung und einer Agape im Erzbischöflichen Palais. Laut DER STANDARD ist es das erste eigene Gedenken dieser Art im Dom – unabhängig bestätigt ist das bislang nicht.

Der Roma-Jugendverein HÖR verzichtete heuer auf seine übliche Kundgebung und fordert stattdessen ein zentrales Denkmal für die Opfer in Wien. Wie der Gottesdienst im Stephansdom tatsächlich verlaufen ist, war zum Zeitpunkt der Recherche noch offen.

Was passiert ist

Österreich hat in den vergangenen Tagen an zwei Orten der im Nationalsozialismus ermordeten Roma und Sinti gedacht. Am 31. Juli 2026 legte die Spitze des Parlaments im Weiheraum beim Äußeren Burgtor auf dem Heldenplatz einen Kranz nieder. Vertreten war das Parlament durch Bundesratspräsidentin Christine Schwarz-Fuchs sowie den Zweiten Nationalratspräsidenten Peter Haubner (beide ÖVP) und die Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ). An ihrer Seite stand Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma.

Am Sonntag, dem 2. August 2026, folgt ein zweiter Gedenkakt: Um 14:30 Uhr lädt die Erzdiözese Wien unter Weihbischof Franz Scharl in den Stephansdom zu einem Wortgottesdienst unter dem Motto „Dikh he na bister – Schau hin und vergiss nicht“. Laut DER STANDARD ist dies das erste Mal, dass der Dom ein eigenes Gedenken für die im Holocaust ermordeten Roma und Sinti ausrichtet; an der Vorbereitung sollen auch Freie Christengemeinden beteiligt gewesen sein.

Was die Quellen zeigen

Die Parlamentskorrespondenz zitiert Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) mit den Worten, Roma und Sinti sei in einem „beispiellosen Zivilisationsbruch“ ihre Würde, ihre Heimat und ihr Leben genommen worden; das Gedenken sei ein Auftrag, wachsam zu bleiben und Ausgegrenzte zu schützen. Peter Haubner erklärte laut ORF, von den rund 11.000 Angehörigen der Volksgruppe in Österreich seien etwa 90 Prozent Opfer des NS-Terrors geworden – eine Zahl, die aus seiner Wortmeldung stammt und hier nicht eigenständig nachgeprüft wurde.

Historischer Bezugspunkt beider Gedenkakte ist die Nacht vom 2. auf den 3. August 1944, in der im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau 4.300 Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze von der SS ermordet wurden. Das Europäische Parlament erkannte den 2. August 2015 als internationalen Gedenktag für diesen Völkermord an. Die Erzdiözese Wien kündigt für den Wortgottesdienst im Stephansdom eine anschließende Kranzniederlegung sowie eine Agape mit Lesungen und Musik im Arkadenhof des Erzbischöflichen Palais an.

Was unklar bleibt

Ob der Wortgottesdienst im Stephansdom tatsächlich das erste eigene Gedenken dieser Art an diesem Ort ist, lässt sich anhand der vorliegenden Quellen nicht unabhängig bestätigen – bislang stützt sich diese Einordnung allein auf DER STANDARD. Ein direktes Zitat von Weihbischof Scharl selbst liegt nicht vor, sein Anliegen wurde bislang nur über einen Sprecher der Erzdiözese wiedergegeben. Unklar bleiben auch, welche Freien Christengemeinden konkret beteiligt sind und wie der Gottesdienst am Nachmittag des 2. August tatsächlich verlaufen ist, da der Termin zum Zeitpunkt dieser Recherche noch bevorstand. Reaktionen von Roma- und Sinti-Organisationen auf den kirchlichen Gedenkakt liegen ebenfalls noch nicht vor.

Einordnung

Die parlamentarische Kranzniederlegung und der kirchliche Gottesdienst reihen sich in die seit 2015 etablierte internationale Erinnerungskultur zum Völkermord an Roma und Sinti ein. Dass dieses Gedenken nicht unumstritten in seiner Form ist, zeigt der Umgang des ersten Jugendvereins der Volksgruppe: Die Hochschülerinnenschaft Österreichischer Romnja (HÖR) verzichtete laut ORF heuer auf ihre jährliche Gedenkkundgebung am Ceija-Stojka-Platz in Wien-Neubau und fordert stattdessen ein zentrales Denkmal für die ermordeten Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze in Wien. Diese Forderung liegt bislang nur über die Wiedergabe durch ORF vor, nicht als eigene Stellungnahme des Vereins.