Rumänien hat Reaktorblock 1 des Kernkraftwerks Cernavodă weiterhin wegen des historisch niedrigen Donau-Pegels vom Netz genommen. Neu ist: Das Energieministerium kündigte an, ab Donnerstagvormittag, 30. Juli, solle auch Reaktorblock 2 abgeschaltet werden – laut österreichischen Medien (Kurier, DER STANDARD) die erste gleichzeitige Abschaltung beider Cernavodă-Reaktoren wegen Niedrigwassers. Mehrere rumänische Medien und der Fachdienst World Nuclear News berichten jedoch, Nuclearelectrica habe diese Abschaltung noch in derselben Nacht zurückgenommen, nachdem eine technische Analyse den sicheren Weiterbetrieb von Block 2 erlaubt habe – der Reaktor sei demnach am Netz geblieben. Welche Darstellung zutrifft, lässt sich aus der vorliegenden, widersprüchlichen Quellenlage nicht klären.
Ursache bleibt der auf den niedrigsten Stand seit rund 30 Jahren gesunkene Donau-Pegel, verursacht durch geringe Niederschläge und mehrere Hitzewellen. Parallel dazu musste auch Ungarns einziges Kernkraftwerk Paks einen seiner vier Reaktorblöcke vom Netz nehmen und lief laut Betreiberangaben zeitweise mit weniger als der Hälfte seiner üblichen Kapazität; der Donau-Pegel dort habe rund 28 Zentimeter unter dem bisherigen Rekordtief von 2018 gelegen. Ein Einzelbericht warnt vor einer möglichen vollständigen Abschaltung von Paks binnen 24 bis 72 Stunden, was einen Ausfall von rund 2.000 Megawatt bedeuten würde.
Eine direkt eingesehene offizielle Mitteilung von Nuclearelectrica, dem rumänischen Energieministerium oder dem ungarischen Betreiber MVM liegt weiterhin nicht vor. Offen bleiben der tatsächliche Betriebszustand von Reaktorblock 2 in Cernavodă, der Zeitpunkt einer Wiederinbetriebnahme von Block 1, das Eintreffen der Ungarn-Warnung sowie die konkreten Folgen für Strompreise und Versorgungssicherheit in beiden Ländern.
Was passiert ist
Rumänien hat Reaktorblock 1 des Kernkraftwerks Cernavodă wie berichtet weiterhin wegen des historisch niedrigen Donau-Pegels vom Netz genommen. Neu ist: Das rumänische Energieministerium kündigte an, ab Donnerstagvormittag, 30. Juli, solle auch Reaktorblock 2 abgeschaltet werden – laut Kurier und DER STANDARD, die sich auf die Ministeriumsankündigung und Agenturmeldungen stützen, wäre dies die erste gleichzeitige Abschaltung beider Cernavodă-Reaktoren wegen Niedrigwassers überhaupt.
Mehrere rumänische Medien – etwa Digi24, Antena 3 und Jurnalul – sowie der auf Nuklearenergie spezialisierte Fachdienst World Nuclear News berichten jedoch übereinstimmend, dass der Betreiber Nuclearelectrica diese zweite Abschaltung noch in der Nacht auf Donnerstag zurückgenommen habe. Grund sei eine technische Analyse der Betriebsparameter, die einen sicheren Weiterbetrieb von Block 2 weiterhin erlaube. Demnach blieb der Reaktor ans Netz angeschlossen, während Nuclearelectrica zugleich betonte, eine Abschaltung könne jederzeit erneut nötig werden, sollte sich der Wasserstand weiter verschlechtern.
Was die Quellen zeigen
Zur ursprünglichen Ankündigung: Das Energieministerium begründete den geplanten Schritt erneut mit der „ungünstigen Entwicklung der hydrologischen Bedingungen“ und dem Schutz der Kühlsysteme, die auf Donau-Wasser angewiesen sind. Der Pegel ist laut übereinstimmenden Berichten auf den niedrigsten Stand seit rund 30 Jahren gesunken, verursacht durch geringe Niederschläge und mehrere Hitzewellen – dies bestätigt auch der neue Kurier-Bericht.
Zur mutmaßlichen Rücknahme: Nach Angaben rumänischer Medien erklärte Nuclearelectrica, die Auswertung der Betriebsparameter und der Anlagentechnik von Block 2 in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli habe gezeigt, dass ein sicherer Weiterbetrieb möglich sei. Der Netzbetreiber Transelectrica habe zugleich erklärt, eine kontrollierte Abschaltung von Block 2 technisch beherrschen zu können, falls sie doch nötig werde. Diese rumänischen Berichte widersprechen damit direkt der Darstellung der österreichischen Medien, wonach die Abschaltung bereits vollzogen sei.
Parallel dazu ist auch Ungarns einziges Kernkraftwerk Paks betroffen: Laut Euronews und World Nuclear News unter Berufung auf den Betreiber MVM musste einer der vier Reaktorblöcke vom Netz genommen werden, die Anlage lief zeitweise mit weniger als der Hälfte ihrer üblichen Kapazität. Der Donau-Pegel bei Paks habe rund 28 Zentimeter unter dem bisherigen Rekordtief von 2018 gelegen. Ein Einzelbericht (informat.ro) spricht zudem von einer Warnung, wonach Paks binnen 24 bis 72 Stunden vollständig abgeschaltet werden müsse – ein Ausfall von rund 2.000 Megawatt.
Was unklar bleibt
Der zentrale offene Punkt ist der tatsächliche Betriebszustand von Reaktorblock 2 in Cernavodă: Österreichische Medien berichten von einer vollzogenen Abschaltung, mehrere rumänische Medien und ein Fachdienst von deren rascher Rücknahme. Beide Versionen stammen aus Medienwiedergabe, eine direkt eingesehene, aktuelle Original-Mitteilung von Nuclearelectrica oder dem Energieministerium liegt nicht vor. Ebenso unklar bleibt, ob der ursprünglich für Block 1 genannte Termin einer Wiederinbetriebnahme ab 4. August weiterhin Bestand hat.
Bei Ungarn ist offen, ob die von einer Einzelquelle genannte Frist von 24 bis 72 Stunden bis zu einer vollständigen Abschaltung von Paks eintrifft und wie belastbar die genannten Kapazitäts- und Pegelzahlen sind, da sie bislang nur aus wenigen internationalen Quellen stammen. Unklar bleiben zudem die konkreten Auswirkungen beider Länder-Situationen auf Strompreise, Versorgungssicherheit und den tatsächlichen Umfang benötigter Stromimporte, ebenso wie eine offizielle Reaktion von EU-Energiestellen.
Einordnung
Dass binnen weniger Tage nun auch ein zweites Kernkraftwerk entlang der Donau – Ungarns Paks – von Niedrigwasser betroffen ist, verstärkt den Eindruck, dass sich die anhaltende Trockenheit unmittelbar auf kritische Energieinfrastruktur in mehreren Ländern zugleich auswirkt. Gleichzeitig zeigt der Widerspruch rund um Reaktorblock 2 in Cernavodă, wie schnell sich die Lage in solchen Krisensituationen ändern kann und wie unterschiedlich Ankündigungen und tatsächliche technische Entscheidungen in der Berichterstattung wiedergegeben werden – ein Grund für besondere Vorsicht bei der Einordnung einzelner Meldungen als endgültig. Die Entwicklung steht weiterhin unabhängig neben anderen aktuellen Rumänien-Themen wie zuvor gemeldeten Drohnenvorfällen im rumänischen Luftraum, die keinen erkennbaren inhaltlichen Zusammenhang zur Reaktorlage haben.


