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Rumänien hat sein einziges Kernkraftwerk Cernavodă nun vollständig vom Netz genommen. Laut Angaben des rumänischen Energieministeriums, verbreitet über die Nachrichtenagentur Mediafax, wurde am 13. August auch Reaktorblock 2 heruntergefahren – nachdem Block 1 bereits Ende Juli wegen mangelnden Kühlwassers abgeschaltet worden war. Ursache ist weiterhin der historisch niedrige Donau-Pegel: Das Kraftwerk bezieht sein gesamtes Kühlwasser aus dem Fluss und deckt im Normalbetrieb rund 20 Prozent des rumänischen Strombedarfs. Damit ist auch die zuvor unklare Frage beantwortet, ob es bei der Abschaltung von Block 1 bleibt oder auch Block 2 dauerhaft folgen muss – wobei unklar bleibt, wie Block 2 zwischen der Ende Juli gemeldeten Rücknahme und der jetzigen Abschaltung genau betrieben wurde.

Eine rund zehn Tage zuvor von der Armee bei Izvoarele durchgeführte Felsensprengung, mit der mehr Donau-Wasser zum Kraftwerk geleitet werden sollte, verschaffte laut Verteidigungsminister Radu Miruta nur einen kurzen Aufschub für Block 2 und konnte die jetzige Komplettabschaltung nicht verhindern. Laut Staatssekretär Cristian Busoi könnte im schlimmsten Fall die Stromzufuhr für industrielle Großverbraucher eingeschränkt werden; für die Bevölkerung habe das keine Folgen. Rumänien verhandelt laut früheren Berichten mit der Ukraine und Bulgarien über Stromimporte. Auch Ungarns einziges Kernkraftwerk Paks war bereits zuvor wegen desselben Donau-Niedrigwassers gedrosselt worden.

Eine direkt eingesehene offizielle Mitteilung von Nuclearelectrica oder dem Energieministerium liegt weiterhin nicht vor, ebenso wenig eine unabhängige Bestätigung der Busoi-Aussage und der Details zur Felsensprengung. Offen bleibt, wie lange die Anlage abgeschaltet bleibt, ob es tatsächlich zu Einschränkungen für Großverbraucher kommt, in welchem Umfang Rumänien Stromimporte benötigt und ob dem ungarischen Kraftwerk Paks ein weitergehender Ausfall droht.

Was passiert ist

Rumänien hat sein einziges Kernkraftwerk Cernavodă nun vollständig vom Netz genommen. Wie das rumänische Energieministerium nach Angaben der Nachrichtenagentur Mediafax am 13. August mitteilte, wurde auch der zweite Reaktorblock heruntergefahren – nachdem Reaktorblock 1 bereits Ende Juli wegen mangelnden Kühlwassers abgeschaltet worden war. Die Komplettabschaltung war laut DER STANDARD gegen 10 Uhr MEZ abgeschlossen.

Damit ist geklärt, was zuvor als offene Frage galt: Ende Juli hatten österreichische Medien zunächst eine erste gleichzeitige Abschaltung beider Reaktoren gemeldet, die laut rumänischen Medien und dem Fachdienst World Nuclear News jedoch noch in derselben Nacht zurückgenommen worden war. Aus den jetzigen, übereinstimmend von einer „kompletten“ Abschaltung sprechenden Berichten lässt sich ableiten, dass Block 2 nach jener Rücknahme zunächst weiter am Netz blieb, bevor die erneute Verschlechterung der Wasserlage nun doch zur endgültigen Abschaltung führte. Eine explizite rückblickende Bestätigung dieses Zwischenzustands durch die neuen Quellen liegt allerdings nicht vor.

Was die Quellen zeigen

Das Kraftwerk Cernavodă liegt an einem Donau-Arm im Osten Rumäniens, ist die einzige kerntechnische Anlage des Landes und deckt im Normalbetrieb rund 20 Prozent des rumänischen Strombedarfs. Es bezieht sein gesamtes Kühlwasser aus dem Fluss. Reaktorblock 1 (Bautyp CANDU) ging 1996 ans Netz, Block 2 im Jahr 2007; zusammen erzeugen sie laut ORF-Bericht jährlich rund zehn Millionen Megawattstunden Strom.

Laut Staatssekretär Cristian Busoi im Energieministerium könnte im schlimmsten Fall die Stromzufuhr für Großverbraucher aus der Industrie eingeschränkt werden – eine erst kürzlich erlassene Regierungsverordnung erlaube das. Für die Bevölkerung habe das keine Folgen. Nach früheren Berichten verhandelt Rumänien mit den Nachbarländern Ukraine und Bulgarien über Stromimporte, um den Ausfall auszugleichen.

Rund zehn Tage vor der jetzigen Komplettabschaltung hatte Rumänien versucht, per Felsensprengung mehr Wasser zum Kraftwerk zu leiten: Die Armee sprengte an einer Gabelung zweier Donau-Arme nahe dem Ort Izvoarele, etwa 50 Kilometer flussaufwärts, einen Felsen, damit mehr Wasser in den Cernavodă versorgenden Arm fließt. Zusätzlich wurde Geröll aus vier Lastkähnen an anderer Stelle im Fluss versenkt, um den Zufluss besser zu steuern. Der Wasserstand bei Cernavodă stieg danach laut Verteidigungsminister Radu Miruta geringfügig, was den Betrieb von Block 2 um einige Tage verlängerte – zur längerfristigen Wasserversorgung reichte die Maßnahme aber nicht aus. Diese Details stammen bislang aus einem einzelnen Agenturbericht (ORF/Agenturen) und sind nicht durch weitere im vorliegenden Material eingesehene Medien unabhängig bestätigt.

Parallel dazu bleibt die bereits berichtete Betroffenheit des ungarischen Kraftwerks Paks bestehen, das wegen desselben Donau-Niedrigwassers einen seiner vier Reaktorblöcke drosseln musste und zeitweise mit weniger als der Hälfte seiner üblichen Kapazität lief.

Was unklar bleibt

Offen ist weiterhin, wie lange die Komplettabschaltung von Cernavodă andauern wird und wann zumindest einer der beiden Reaktorblöcke wieder ans Netz gehen kann. Unklar bleibt zudem, ob es tatsächlich zu den von Staatssekretär Busoi als Möglichkeit genannten Einschränkungen für industrielle Großverbraucher kommt und in welchem Umfang Rumänien letztlich Stromimporte aus der Ukraine und/oder Bulgarien benötigt. Eine direkt eingesehene offizielle Mitteilung von Nuclearelectrica oder dem Energieministerium liegt weiterhin nicht vor; die Angaben stammen sämtlich aus Medienwiedergabe der über Mediafax verbreiteten Ministeriumsmitteilung.

Auch bei Ungarns Kraftwerk Paks bleibt offen, ob es bei der bereits berichteten Drosselung bleibt oder ob dort ebenfalls ein weitergehender Ausfall droht. Wie sich die Komplettabschaltung von Cernavodă auf Strompreise und Versorgungssicherheit in Rumänien und im regionalen Energieverbund auswirkt, lässt sich ebenfalls nicht abschließend beurteilen.

Einordnung

Die jetzige Komplettabschaltung bestätigt im Rückblick, dass die Ende Juli gemeldete Rücknahme der Block-2-Abschaltung offenbar nur einen vorübergehenden Aufschub bedeutet hatte – nicht, wie zwischenzeitlich aus rumänischen Quellen zu lesen war, eine dauerhafte Entspannung der Lage. Auch der Versuch, mit einer technischen Notmaßnahme wie der Felsensprengung bei Izvoarele den Wasserzufluss zu erhöhen, konnte die grundsätzliche Abhängigkeit der Anlage von einem ausreichenden Donau-Pegel nicht aufheben.

Zusammen mit der parallelen Betroffenheit des ungarischen Kraftwerks Paks unterstreicht der Fall, wie unmittelbar sich die anhaltende Trockenheit auf kritische Energieinfrastruktur entlang der Donau auswirkt – und wie vorsichtig einzelne Ankündigungen in einer sich rasch ändernden Lage zu bewerten sind. Die Entwicklung steht weiterhin unabhängig neben anderen aktuellen Rumänien-Themen wie zuvor gemeldeten Drohnenvorfällen im rumänischen Luftraum, die keinen erkennbaren inhaltlichen Zusammenhang zur Reaktorlage haben.