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Russland hat vom 18. bis 20. September 2026 ein neues Parlament gewählt – die erste Duma-Wahl seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022. Nach Abschluss der Auszählung gab Wahlkommissionschefin Ella Pamfilowa bekannt, dass Putins Partei „Geeintes Russland“ – nach dem Ausschluss der Antikriegspartei Jabloko vom Stimmzettel – auf 57,83 Prozent der Stimmen kam, deutlich mehr als die ursprünglich prognostizierten rund 49 Prozent und mehr als die 49,8 Prozent von 2021. Zur genauen neuen Sitzverteilung kursieren widersprüchliche vorläufige Zahlen: Die Presse nannte 309 von 450 Sitzen, kremlnahe russische Quellen sprachen unter Berufung auf Pamfilowa von 355 Sitzen und einem Rekordwert. Amtliche Endergebnisse sollen laut Wahlkommission frühestens ab 25. September vorliegen; klar ist bislang nur, dass die Zweidrittelmehrheit von 300 Sitzen deutlich überschritten wurde.

Berichte über Unregelmäßigkeiten häuften sich: Beobachter von Jabloko und der Kommunistischen Partei sollen zu Hunderten an der Kontrolle in Wahllokalen gehindert worden sein, selbst Kommunistenchef Gennadi Sjuganow warf der Wahlleitung Fälschung vor. Hinzu kommen Berichte über unstimmige Protokolle, vorab befüllte Stimmzettel, Druck auf Staatsbedienstete und unangekündigte Registrierung für die Online-Abstimmung – auch in den erstmals mitwählenden besetzten ukrainischen Gebieten. Unabhängig überprüft ist davon nichts. Der letzte Wahltag war zudem von den laut russischen Behörden schwersten Drohnenangriffen seit Kriegsbeginn überschattet; Pamfilowa sprach von einem gezielten Versuch, die Wahl zu stören, und von gescheiterten Cyberangriffen auf die Online-Abstimmung – eine Einordnung, die ausschließlich von kremlnaher Seite stammt. Auf ukrainischer Seite meldeten Behörden ihrerseits Tote bei russischen Gegenangriffen auf die Region Kiew.

Die EU verurteilte die Abstimmung in den besetzten Gebieten als völkerrechtswidrig und kritisierte die Unterdrückung der Opposition. Offen bleiben die endgültige amtliche Sitzverteilung, unabhängige Bestätigungen der gemeldeten Manipulationsvorwürfe sowie belastbare Angaben zu den Drohnenangriffen und ihren Hintergründen.

Was passiert ist

Russland hat vom 18. bis 20. September 2026 ein neues Parlament gewählt – die erste Duma-Wahl seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022. Präsident Wladimir Putin stilisierte die Abstimmung zu einem Votum über den Krieg, obwohl Kriegsmüdigkeit, Sorgen vor einer neuen Mobilmachung und schwache Wirtschaftsdaten die Stimmung im Land belasten. Zur Wahl standen Berichten zufolge mehr als 4.400 Kandidatinnen und Kandidaten aus zehn Parteien um 450 Sitze – kremlkritische Kräfte waren jedoch nicht darunter: Die Antikriegspartei Jabloko war zwischenzeitlich zugelassen, wurde dann aber wieder vom Stimmzettel gestrichen, was auch international für Aufsehen sorgte.

Ergebnis: 57,83 Prozent für Geeintes Russland, Sitzverteilung noch unklar

Nach Abschluss der Auszählung gab die von der Regierung kontrollierte zentrale Wahlkommission unter ihrer Vorsitzenden Ella Pamfilowa am Montag in Moskau das Ergebnis bekannt: Putins Partei „Geeintes Russland“ kam – nach dem Ausschluss Jablokos vom Stimmzettel – auf 57,83 Prozent der Stimmen. Das liegt deutlich über der ursprünglichen Nachwahlbefragung des staatlichen Instituts Wziom, die die Partei noch bei rund 49,4 Prozent gesehen hatte, und auch über dem Ergebnis der vorangegangenen Wahl 2021, bei der ihr 49,8 Prozent zugesprochen worden waren. Die Kommunistische Partei kam bei einer Zwischenauszählung von gut 71 Prozent der Stimmen auf rund 14, die nationalistische LDPR auf rund 8,7 Prozent.

Zur genauen neuen Sitzverteilung kursierten am selben Tag widersprüchliche Angaben. Die Presse berichtete unter Berufung auf vorläufige Schätzungen von 309 der 450 Sitze für Geeintes Russland – neun mehr, als für die zur Verfassungsänderung nötige Zweidrittelmehrheit von 300 Sitzen erforderlich wäre. Kremlnahe russische Quellen, darunter die offizielle Parlamentskaja Gaseta von Duma und Föderationsrat sowie die staatliche Agentur RIA Nowosti, sprachen unter Berufung auf Pamfilowa hingegen bereits von 355 Sitzen und einem historischen Rekordwert für die Partei. Welche Zahl der amtlichen Sitzverteilung näherkommt, ist offen; laut Wahlkommission werden endgültige Ergebnisse frühestens ab dem 25. September erwartet. Übereinstimmend ist lediglich: Die Zweidrittelmehrheit wurde klar überschritten, unabhängig überprüfen lässt sich keine der genannten Zahlen, da die Wahlkommission dem Kreml untersteht.

Manipulationsvorwürfe und Abstimmung in besetzten Gebieten

Rund um die Wahl häuften sich Berichte über Unregelmäßigkeiten. Wahlbeobachter der ausgeschlossenen Partei Jabloko und der Kommunistischen Partei sollen laut Medienberichten zu Hunderten am Zugang zu Wahllokalen gehindert worden sein. Bemerkenswert: Selbst Kommunistenchef Gennadi Sjuganow, dessen Partei sonst als kremlnah gilt, warf der Wahlleitung vor, Ergebnisse zu fälschen. In St. Petersburg sollen Wahlprotokolle nicht mit der Zahl der tatsächlich gezählten Wählerinnen und Wähler übereingestimmt haben, in mehreren Wahllokalen wurde offenbar gefilmt, wie bereits ausgefüllte Stimmzettel in Urnen geworfen wurden. Die BBC berichtete zudem, Staatsangestellte in Provinzregionen seien zur Stimmabgabe gedrängt worden. Viele Wählerinnen und Wähler beklagten außerdem, keinen Wahlschein erhalten zu haben und ohne ihr Wissen für die Online-Abstimmung registriert worden zu sein – ein Verfahren, das schon länger als intransparent und anfällig für Manipulation gilt.

Erstmals wurde die Duma auch in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson gewählt; die ukrainische Menschenrechtsorganisation Donbas SOS und der Deutschlandfunk berichteten, Mitglieder von Wahlkommissionen seien dort von Haus zu Haus gegangen, um Menschen zur Stimmabgabe zu bewegen. Keine dieser Angaben ist bislang unabhängig überprüft.

Drohnenangriffe am letzten Wahltag

Der letzte Abstimmungstag war von schweren Drohnenangriffen überschattet, die russische Behörden als die schwersten seit Beginn des Angriffskriegs bezeichneten. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin warf der Ukraine vor, mit einem massiven Angriff den Urnengang stören zu wollen, und sprach von insgesamt rund 1.600 Drohnen, davon etwa 450 auf Moskau. Nach Angaben russischer Behörden wurden dabei zwei Menschen getötet und rund 20 verletzt, außerdem sei eine große Raffinerie bei Moskau getroffen worden – Letzteres bestätigte auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Wahlkommissionschefin Pamfilowa sprach von beispiellosen Attacken mit dem Ziel, die Abstimmung zu torpedieren, und erklärte, auch Cyberangriffe auf die Online-Abstimmung seien versucht worden, jedoch gescheitert. Diese Einordnung stammt ausschließlich von russischer, kremlnaher Seite und ist nicht unabhängig überprüfbar.

Umgekehrt gingen auch russische Angriffe weiter: Bei Drohnenangriffen auf die Region Kiew wurden nach ukrainischen Angaben vier Menschen getötet, darunter drei Kinder. Beide Opferzahlen stammen von den jeweils betroffenen Kriegsparteien selbst und sind nicht unabhängig verifiziert.

Internationale Reaktionen und Einordnung

Die EU reagierte scharf: Ein Sprecher des Europäischen Auswärtigen Dienstes erklärte, die Umstände der Wahl zeigten eine fortschreitende Erosion der Demokratie in Russland, und die EU verurteile die Organisation der Abstimmung in den besetzten ukrainischen Gebieten als völkerrechtswidrig; sie werde weder die Wahl noch ihr Ergebnis in diesen Gebieten anerkennen. Die Duma-Wahl reiht sich damit in eine Serie von Spannungen zwischen Russland und dem Westen ein: Erst wenige Tage zuvor hatte US-Präsident Donald Trump, wie berichtet, ein Sanktionsgesetz gegen Russland unterzeichnet, und auch der mutmaßliche russische Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle hatte zuletzt zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Berlin, Wien und Moskau geführt. Die Duma gilt als weitgehend von der Exekutive gelenktes Organ; mit dem nun bestätigten, ausgebauten Mandat dürfte Putin seine politische Handlungsfähigkeit für die Fortsetzung des Kriegskurses zusätzlich absichern.

Was unklar bleibt

Offen ist vor allem, wie die endgültige, amtlich bestätigte Sitzverteilung tatsächlich aussieht – die bisher kursierenden vorläufigen Zahlen (309 beziehungsweise 355 Sitze für Geeintes Russland) widersprechen einander deutlich, und die Wahlkommission kündigte endgültige Ergebnisse frühestens für den 25. September an. Ebenso ungeklärt bleiben die genauen Umstände der gemeldeten Manipulationsvorfälle, mögliche offizielle Stellungnahmen des Kreml oder der ausgeschlossenen Opposition zum Wahlausgang, die tatsächliche Zahl von Drohnen und Opfern rund um den Wahltag sowie die Belastbarkeit der russischen Darstellung, wonach die Angriffe gezielt die Wahl stören sollten und begleitende Cyberangriffe gescheitert seien.