Die österreichische Regisseurin Sandra Wollner hat mit ihrem Spielfilm „Everytime“ zunächst den Hauptpreis des Sarajevo Film Festivals gewonnen, das „Herz von Sarajevo“ für den besten Spielfilm – nach dem Hauptpreis der Cannes-Nebenreihe Un Certain Regard 2026 bereits der zweite große internationale Erfolg. Rund eine Woche später gab German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, bekannt, dass Deutschland „Everytime“ als offiziellen Kandidaten für den Oscar als bester internationaler Film bei der 99. Academy-Verleihung einreicht. Der deutsch-österreichische Film erzählt feinfühlig von Trauer und Verlust und lässt Gegenwart und Vergangenheit ineinander verschmelzen.
Wollner wurde 1983 in Leoben geboren, lebt heute in Berlin, und „Everytime“ ist ihr dritter Spielfilm nach „Das unmögliche Bild“ und „The Trouble with Being Born“; der ORF war an der Kofinanzierung beteiligt. Für die 99. Oscar-Verleihung gilt erstmals eine neue Regel: Nicht mehr das entsendende Land, sondern der Film selbst zählt als offizieller Nominierter, die Auszeichnung nähme die Regisseurin stellvertretend für das kreative Team entgegen. Die Shortlist wird am 15. Dezember 2026 veröffentlicht, Nominierungen folgen am 21. Jänner 2027, die Verleihung findet am 14. März 2027 in Los Angeles statt.
Zu Preisgeld und vollständiger Produktionscrew des Sarajevo-Preises liegt weiterhin nur eine einzelne Quelle vor, ebenso zu den genauen Auswahlkriterien der deutschen Jury. Offen bleibt vor allem, ob „Everytime“ Shortlist und Nominierung tatsächlich erreicht – parallel zu Österreichs eigenem Auslandsoscar-Kandidaten „Rose“ mit Sandra Hüller, über den ebenfalls berichtet wurde.
Was passiert ist
Die österreichische Regisseurin Sandra Wollner hat mit ihrem Spielfilm „Everytime“ zunächst den Hauptpreis des Sarajevo Film Festivals gewonnen, das „Herz von Sarajevo“ für den besten Spielfilm. Sie nahm die Auszeichnung im Rahmen der Abschlussfeier im Nationaltheater der bosnischen Hauptstadt entgegen. Rund eine Woche später gab German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, in München bekannt, dass Deutschland „Everytime“ als offiziellen Kandidaten für den Oscar als bester internationaler Film bei der 99. Academy-Verleihung einreicht. Der deutsch-österreichische Film, gedreht in warmen Farben von Kameramann Gregory Oke, erzählt feinfühlig von Trauer und Verlust und lässt dabei Gegenwart und Vergangenheit, reale Aufnahmen und Erinnerungsbilder verschmelzen.
Von Cannes über Sarajevo zum Oscar-Rennen
Für „Everytime“ ist die Oscar-Einreichung bereits die dritte große internationale Anerkennung des Jahres: Bei den Filmfestspielen in Cannes 2026 hatte der Film zuvor den Hauptpreis der prestigeträchtigen Nebenreihe Un Certain Regard gewonnen, kurz darauf folgte der Hauptpreis in Sarajevo. Nun hat die deutsche Auswahl den Film aus dem Kreis der eingereichten deutschen Produktionen als Landeskandidaten für den Auslandsoscar bestimmt. Laut German Films traf diese Wahl eine unabhängige Jury, die den Angaben zufolge am 24. und 25. August 2026 in München tagte – dieses Detail liegt bislang nur in der Ankündigung von German Films vor und wurde nicht unabhängig gegengeprüft.
Zur Regisseurin und zum Film
Sandra Wollner wurde 1983 in Leoben geboren und lebt heute als Wahl-Berlinerin. „Everytime“ ist ihr dritter Spielfilm nach „Das unmögliche Bild“ und „The Trouble with Being Born“. Der Film wurde unter anderem vom ORF kofinanziert, wie der Sender selbst berichtet. Im Zentrum der Handlung stehen Ella und ihre jüngere Tochter Melli, die ein Jahr nach dem plötzlichen Tod der älteren Tochter Jessie versuchen, ihren Alltag zu bewältigen; eine Reise nach Teneriffa mit Jessies Freund bringt verdrängte Gefühle wieder an die Oberfläche. Die Hauptrollen spielen Birgit Minichmayr, Carla Hüttermann und Tristan Lopez. Laut einem Bericht des US-Branchendienstes Hollywood Reporter war der Sarajevo-Hauptpreis mit 16.000 Euro dotiert; als Produzentinnen und Produzenten werden dort Lixi Frank, Viktoria Stolpe und David Bohun genannt – beide Detailangaben liegen bislang nur in einer Quelle vor und sind nicht durch eine zweite unabhängige Quelle bestätigt.
Neue Regeln beim Auslandsoscar
Für die 99. Oscar-Verleihung hat die Academy die Kategorie „Bester internationaler Film“ verändert: Erstmals gilt nicht mehr das entsendende Land, sondern der Film selbst als offizieller Nominierter; die Auszeichnung nimmt im Erfolgsfall der Regisseur oder die Regisseurin stellvertretend für das gesamte kreative Team entgegen. Die Shortlist mit 15 Filmen soll am 15. Dezember 2026 veröffentlicht werden, davon werden am 21. Jänner 2027 fünf für den Oscar nominiert. Die 99. Oscar-Verleihung findet am 14. März 2027 (Ortszeit, Mitteleuropäische Zeit in der Nacht auf Montag) in Los Angeles statt.
Einordnung
Das Sarajevo Film Festival entstand 1995 während der serbischen Belagerung der Stadt im Bosnienkrieg (1992–1995) und hat sich seither zum wichtigsten Filmfestival Südosteuropas entwickelt. Der Doppelerfolg von „Everytime“ in Cannes und Sarajevo sowie die anschließende Oscar-Einreichung durch Deutschland werden in österreichischen wie internationalen Medien unabhängig voneinander bestätigt, was die Faktenlage vergleichsweise solide macht. Anders als Österreichs eigener Auslandsoscar-Kandidat für dieselbe Verleihung, Markus Schleinzers „Rose“ mit Sandra Hüller, tritt „Everytime“ als deutsch-österreichische Koproduktion für Deutschland an – beide Filme mit österreichischer Beteiligung könnten damit theoretisch parallel im selben Oscar-Jahrgang um eine Nominierung konkurrieren, wie „Neue Nachrichten“ bereits zu „Rose“ berichtet hat.
Was unklar bleibt
Offen ist, wie die Jury des Sarajevo Film Festivals ihre Entscheidung im Detail begründete und welche weiteren Preise beim Festival vergeben wurden. Zur genauen Höhe des Preisgeldes und zur vollständigen Produktionscrew liegt weiterhin nur eine einzelne Quelle vor. Auch die Kriterien und die genaue Begründung der German-Films-Jury für die Auswahl unter den eingereichten deutschen Produktionen sind bislang nicht im Detail bekannt. Entscheidend für den weiteren Verlauf ist nun, ob „Everytime“ am 15. Dezember 2026 die Shortlist und am 21. Jänner 2027 eine tatsächliche Nominierung erreicht.
