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Eine internationale Studie im Fachjournal PLOS Medicine kommt zum Schluss, dass Schlangenbisse weltweit deutlich mehr Menschenleben fordern als bisher angenommen: Mindestens 274.000 Menschen sterben laut der am 25. August 2026 veröffentlichten Arbeit jährlich daran, im ungünstigsten Fall könnten es bis zu 513.000 sein. Hinzu kommen laut der Studie 2,1 bis 7 Millionen Vergiftungen sowie mindestens 825.000 Fälle schwerer körperlicher Behinderungen pro Jahr. Für die Analyse werteten die Forschenden, laut übereinstimmenden Medienberichten unter anderem von der Liverpool School of Tropical Medicine und der University of Kelaniya, Fachliteratur aus rund 79 Ländern über den Zeitraum 2007 bis 2025 aus und erstellten geostatistische Modelle.

Die Last ist extrem ungleich verteilt: 45 Prozent aller weltweiten Vergiftungen und Todesfälle entfallen auf Subsahara-Afrika, betroffen sind vor allem arme, ländliche Gemeinschaften in Ländern mit niedrigem Einkommen. Bei den absoluten Zahlen führt Indien vor Nigeria, Indonesien, der Demokratischen Republik Kongo und Äthiopien. Die Studie weist zugleich auf erhebliche Datenlücken hin: In 91 von 170 Ländern mit Giftschlangen fehlen robuste Vergiftungsdaten, in 100 Ländern Angaben zu Todesfällen. Die WHO hat Schlangenbissvergiftungen bereits als vernachlässigte Tropenkrankheit eingestuft und will Todesfälle und schwere Erkrankungen bis 2030 halbieren – aus Sicht der Studienautor:innen angesichts fehlender Gegengifte und Daten weiterhin eine große Herausforderung.

Für Österreich hat die Studie kaum praktische Bedeutung, da die heimische Vipernfauna international als wenig gefährlich gilt. Offen bleibt, ob und um welchen Faktor die WHO ihre eigenen Schätzungen wegen der neuen Zahlen tatsächlich anpasst.

Was passiert ist

Eine internationale Studie kommt zum Schluss, dass Schlangenbisse weltweit deutlich mehr Menschenleben fordern als bisher angenommen. Laut der im Fachjournal PLOS Medicine veröffentlichten Arbeit sterben jährlich mindestens 274.000 Menschen an den Folgen von Schlangenbissen, die Autor:innen halten sogar bis zu 513.000 Todesfälle für möglich. Zusätzlich schätzt die Studie 2,1 bis 7 Millionen Vergiftungen durch Schlangenbisse pro Jahr weltweit. Bisherige Schätzungen, etwa jene der Weltgesundheitsorganisation WHO, lagen deutlich darunter. Die Studie wurde am 25. August 2026 veröffentlicht, laut den eingesehenen Angaben mitverantwortlich waren Dileepa Ediriweera und Anuradhani Kasturiratne gemeinsam mit Kolleg:innen der Liverpool School of Tropical Medicine in Großbritannien und der University of Kelaniya in Sri Lanka.

Was die Studie zeigt

Für ihre Analyse werteten die Forschenden laut übereinstimmenden Medienberichten die seit 2007 bis rund März 2025 veröffentlichte Fachliteratur aus rund 79 Ländern aus und erstellten daraus geostatistische Modelle, die auch für Länder mit dünner Datenlage Schätzungen ermöglichen sollen. Die große Spanne zwischen unterer und oberer Schätzung erklären die Autor:innen mit unterschiedlichen Datenquellen: Offizielle Statistiken und Spitalsdaten würden das Problem oft deutlich unterschätzen, weil viele Betroffene, vor allem in ländlichen Regionen, keine medizinische Einrichtung aufsuchen oder traditionelle Behandlungsmethoden bevorzugen. Erhebungen direkt in Dorfgemeinschaften zeichneten laut der Studie ein drastischeres Bild.

Neben den Todesfällen schätzt die Studie auch die langfristigen Folgen: Demnach treten weltweit jährlich mindestens 825.000 Fälle schwerer körperlicher Behinderungen durch Schlangenvergiftungen auf, viele Überlebende litten zudem an dauerhaften psychischen Belastungen.

Regionale Verteilung und am stärksten betroffene Länder

Regional ist die Last extrem ungleich verteilt: Auf Subsahara-Afrika entfallen 45 Prozent aller weltweiten Vergiftungen und Todesfälle, mit einer Inzidenzrate, die fast dreimal so hoch liegt wie im zweitstärksten betroffenen Südasien. Auch Südostasien ist stark betroffen. Nach Einkommensgruppen weisen Länder mit niedrigem Einkommen die höchsten Raten auf, die absolute Mehrheit der Fälle ereignet sich in Ländern mit unterem mittlerem Einkommen – Schlangenbisse treffen der Studie zufolge vor allem arme, ländliche Gemeinschaften. Bei der absoluten Zahl an Vergiftungen und Todesfällen führt laut der Studie Indien, gefolgt von Nigeria, Indonesien, der Demokratischen Republik Kongo und Äthiopien als weiteren besonders stark betroffenen Ländern.

WHO-Ziel, Datenlücken und Einordnung zu Österreich

Die Weltgesundheitsorganisation hat Schlangenbissvergiftungen bereits vor einigen Jahren in ihre Liste vernachlässigter Tropenkrankheiten aufgenommen und will die Zahl der Todesfälle und schweren Erkrankungen bis 2030 um die Hälfte senken. Die Studienautor:innen sehen dieses Ziel jedoch als große Herausforderung: Vor allem in Regionen mit hoher Belastung fehle es weiterhin an Gegengiften, medizinischer Infrastruktur und verlässlichen epidemiologischen Daten. Die Studie selbst weist auf erhebliche Lücken in der globalen Datenlage hin: In 91 der 170 Länder mit Giftschlangen fehlten robuste Daten zu Vergiftungen, in 100 Ländern sogar zu den Todesfällen – besonders groß seien diese Lücken in Afrika südlich der Sahara, im Nahen Osten und in Teilen Asiens.

Für Österreich hat die Studie kaum praktische Relevanz: Die heimische Vipernfauna mit Kreuzotter, Hornotter und Aspisviper gilt im internationalen Vergleich als wenig gefährlich, auch wenn es laut Berichten immer wieder zu schweren Vergiftungen kommt. Betroffen sind hierzulande vor allem Halter:innen von Giftschlangen als Haustieren, die zu Opfern der eigenen Tiere werden. Für ältere Menschen, Kinder oder Personen mit Vorerkrankungen können Bisse aber auch hier lebensbedrohlich werden.

Was unklar bleibt

Offen bleibt, ob und in welchem Umfang die WHO ihre offiziellen Zahlen wegen der neuen Studie tatsächlich anpasst. Die in einem Teil der Berichterstattung genannte Einschätzung, wonach die bisherigen WHO-Angaben verdreifacht werden sollten, stammt bislang nur aus einer einzelnen Quelle und ist in den vorliegenden Quellen nicht durch weitere Berichte bestätigt. Auch methodische Details der geostatistischen Modellierung, etwa wie einzelne Datenquellen gegeneinander gewichtet wurden, sind aus den vorliegenden Quellen nicht vollständig nachvollziehbar. Ebenfalls unklar ist, wie sich die dokumentierten Datenlücken in gut der Hälfte der betroffenen Länder konkret auf die Genauigkeit der Gesamtschätzung auswirken, und wie eine Reaktion der WHO oder unabhängiger Public-Health-Expert:innen auf diese konkrete Studie ausfallen könnte.