Die österreichische Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) und ihre estnische Amtskollegin Karmen Joller haben in einem gemeinsamen Interview mit der „Presse“ das österreichische mit dem estnischen Gesundheitssystem verglichen. Schumann will Digitalisierung so gestalten, dass Gesundheitspersonal mehr Zeit für Patientinnen und Patienten hat statt zusätzliche Formulare auszufüllen – die Verantwortung soll trotz KI-Unterstützung beim Menschen bleiben.
Joller berichtete, Estland setze bereits auf E-Rezepte, Online-Apotheken und erste Selbstbedienungsautomaten, die aber weiterhin an menschliche Beratung gebunden seien. Schumann verteidigte die österreichische Apothekenstruktur mit Gebietsschutz als niederschwellige Versorgung, kündigte zugleich aber eine Erweiterung der Apothekenaufgaben etwa beim Impfen an.
Offen bleibt, welche der beiden Politikerinnen den titelgebenden Satz zur Überbehandlung von Patientinnen und Patienten in welchem Zusammenhang äußerte, da dieser Gesprächsteil im vorliegenden Auszug fehlt. Auch konkrete Zeitpläne für die Digitalisierung sowie Reaktionen der Apothekerkammer sind derzeit nicht bekannt.
Was passiert ist
Die österreichische Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) und ihre estnische Amtskollegin Karmen Joller haben sich in einem gemeinsamen Interview mit der Tageszeitung „Die Presse“ zu den grundlegenden Unterschieden zwischen dem österreichischen und dem estnischen Gesundheitssystem geäußert. Das Gespräch, geführt von Redakteur Gerhard Hofer, erschien am 17. September 2026 und wurde inhaltsgleich auch von der „Kleinen Zeitung“ veröffentlicht. Im Zentrum standen Digitalisierung, der Umgang mit künstlicher Intelligenz in der Medizin sowie die unterschiedliche Rolle von Apotheken in beiden Ländern.
Digitalisierung ohne mehr Bürokratie
Schumann betonte, das Gesundheitspersonal solle seine Zeit vor allem für Patientinnen und Patienten aufwenden können. Digitalisierung sei dabei kein Selbstzweck: Wenn ein digitales System am Ende nur bedeute, dass noch mehr Felder am Computer auszufüllen seien, sei nichts gewonnen. Notwendig seien vereinfachte Dokumentation, besser verknüpfte Daten und der Abbau von Doppelgleisigkeiten. Künstliche Intelligenz könne dabei eine wichtige Rolle spielen, die Verantwortung bleibe aber beim Menschen, so Schumann.
Estlands digitale Vorreiterrolle
Joller schilderte, dass Estland bereits auf E-Rezepte, Online-Apotheken und erste Selbstbedienungsautomaten für Medikamente setzt. Auch bei diesen Automaten bestehe jedoch stets eine Verbindung zu einer echten Person, die über Nebenwirkungen und andere Fragen berate – eine Grundvoraussetzung für diese Form der Arzneimittelausgabe. Auf die Frage, ob das weniger Bürokratie bedeute, entgegnete Joller, Bürokratie könne auch digital sein. Zur Rolle von KI in der Medizin sagte sie, ein guter Arzt hinterfrage sich stets selbst und stütze sich auf digitale Mittel und KI, wobei Patientinnen und Patienten weiterhin menschlichen Kontakt suchten. Werkzeuge wie „Dr. ChatGPT“ oder „Dr. Copilot“ ergänzten das, schon länger bekannte, Phänomen von „Dr. Google“ – mit dem Risiko kursierender Fehlinformationen im Internet.
Apotheken zwischen Tradition und Wettbewerb
Auf den Vorhalt, Österreichs Apotheken genössen mit Gebietsschutz Monopolrechte, während Estland auf digitalen Wettbewerb setze, widersprach Schumann der Einordnung als Monopol. Die Apotheke sei in Österreich oft mehr als eine reine Ausgabestelle für Medikamente, sondern eine niederschwellige Anlaufstelle – gerade dort, wo andere Versorgungsstrukturen verschwänden. Zugleich kündigte sie an, die Aufgaben der Apotheken auszuweiten, etwa beim Impfen. Die Frage sei für sie nicht „Apotheke oder Digitalisierung“, sondern wie beides verbunden werden könne.
Was unklar bleibt
Der Titel des Interviews – die Aussage, Überbehandlung von Patientinnen und Patienten sei ein großes Problem – stammt aus einem Teil des Gesprächs, der im vorliegenden Auszug nicht enthalten ist. Wer von beiden Ministerinnen dies in welchem Zusammenhang sagte, lässt sich daher nicht rekonstruieren. Ebenso offen bleiben konkrete Zeitpläne und Budgets für die angekündigte österreichische Digitalisierung, eine Reaktion der Apothekerkammer auf die geplante Aufgabenerweiterung sowie belastbare Daten zu Überbehandlungsraten im Ländervergleich.


