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Zehn Tage nach der schwedischen Parlamentswahl vom 13. September 2026, bei der das Mitte-links-Lager um Oppositionsführerin Magdalena Andersson mit 176 zu 173 der 349 Mandate vor dem bisherigen Regierungslager von Ulf Kristersson gelegen hatte, hat Andersson am Montag, dem 28. September, ihre Regierungsbildung für gescheitert erklärt und den Auftrag zurückgegeben. Auslöser war laut Andersson, dass die zu ihrem Lager zählende Linkspartei bei der konstituierenden Sitzung des neuen Reichstags für den konservativen Amtsinhaber Andreas Norlén statt für die sozialdemokratische Kandidatin Johanna Haraldsson als Parlamentspräsident stimmte; Norlén gewann diese Wahl mit 200 zu 146 Stimmen. ORF und Der Standard berichten dies mit eigenständig gelesenem Volltext übereinstimmend, weitere große österreichische Medien (Kleine Zeitung, Die Presse, Kurier) bestätigen den Vorgang.

Linksparteichefin Nooshi Dadgostar wies Anderssons Deutung deutlich zurück: Ihre Partei habe mit der Norlén-Stimme keine parteitaktischen Ziele verfolgt, sondern nur einen erfahrenen Politiker als Parlamentspräsidenten gewollt, sagte sie laut einem von ORF wiedergegebenen Zitat gegenüber der Zeitung „Expressen“. Ergänzende Recherche beim schwedischen Reichstag bestätigt zumindest den zeitlichen Ablauf – Sondierungsauftrag an Andersson am 18. September, Parlamentskonstituierung und Präsidentenwahl am 28. September –, ohne die konkrete Stimmenzahl oder die Zitate selbst unabhängig zu belegen.

Offen ist nun, wem der Parlamentspräsident als Nächstes den Regierungsbildungsauftrag erteilt. Als möglicher Anwärter gilt der bisherige geschäftsführende Ministerpräsident Kristersson, der zu einer Koalition mit den rechtspopulistischen Schwedendemokraten bereit wäre; die liberale Zentrumspartei lehnt eine Regierungsbeteiligung der Schwedendemokraten jedoch weiterhin strikt ab. Ob und wie eine mehrheitsfähige Regierung überhaupt zustande kommt und ob der Bruch zwischen Sozialdemokraten und Linkspartei das Verhältnis beider Parteien dauerhaft belastet, bleibt damit ebenso unklar wie die genaueren Gründe für die erstmaligen Verluste der Schwedendemokraten bei dieser Wahl.

Was passiert ist

Bei der Parlamentswahl in Schweden am 13. September 2026 kam das von den Sozialdemokraten angeführte Mitte-links-Lager um Oppositionsführerin Magdalena Andersson nach Auszählung sämtlicher abgegebenen Stimmen auf 176, das bisherige Regierungslager von Ministerpräsident Ulf Kristersson auf 173 der insgesamt 349 Mandate. Kristersson kündigte daraufhin am 17. September seinen Rücktritt an, der Parlamentspräsident übernahm die Sondierungen zur Regierungsbildung und erteilte Andersson am 18. September einen Sondierungsauftrag.

Zehn Tage später, am Montag, dem 28. September, erklärte Andersson diese Bemühungen für gescheitert und gab den Auftrag zurück. Ausschlaggebend war nach ihrer Darstellung nicht das Fehlen einer parlamentarischen Mehrheit an sich, sondern ein Vorgang am selben Tag: Bei der konstituierenden Sitzung des neuen Reichstags stimmte die zum Mitte-links-Lager zählende Linkspartei für den zum konservativen Lager zählenden Amtsinhaber Andreas Norlén als Parlamentspräsidenten statt für die von den Sozialdemokraten aufgestellte Kandidatin Johanna Haraldsson. Norlén gewann diese Wahl mit 200 zu 146 Stimmen. Andersson wertete das Linkspartei-Votum als Beleg dafür, dass ihr aktuell die Mehrheit zur Regierungsbildung fehle, und gab den Auftrag mit dem Hinweis zurück, die Linkspartei zähle nun offenbar zu einem anderen politischen Lager.

Linksparteichefin Nooshi Dadgostar widersprach dieser Deutung deutlich. Sie bezeichnete Anderssons Reaktion als merkwürdig und erklärte laut einem von ORF wiedergegebenen Zitat gegenüber der Zeitung „Expressen“, ihre Partei habe mit der Norlén-Stimme keine parteitaktischen Ziele verfolgt, sondern schlicht einen erfahrenen Politiker als Parlamentspräsidenten gewollt. Nun liegt es am Parlamentspräsidenten, zu entscheiden, wem er als Nächstes den Auftrag zur Regierungsbildung erteilt – ein möglicher Anwärter ist der bisherige geschäftsführende Ministerpräsident Kristersson, der laut Berichten zu einer Koalition mit den rechtspopulistischen Schwedendemokraten bereit wäre.

Was die Quellen zeigen

Fünf große österreichische Medien – ORF, Der Standard, Die Presse, Kurier und Kleine Zeitung – berichteten am 28. September übereinstimmend über das Scheitern von Anderssons Regierungsbildungsversuch. ORF und Der Standard liegen dazu als eigenständig gelesene Volltexte vor; sie stimmen in den Kernpunkten überein: Anderssons Erklärung des Scheiterns, der Auslöser über die Präsidentenwahl, das Abstimmungsergebnis 200 zu 146 sowie Anderssons und Dadgostars gegensätzliche Einordnungen. Die konkrete Stimmenzahl der Präsidentenwahl stammt ausschließlich aus dem ORF-Bericht; eine unabhängige zweite Nennung dieser Zahl liegt nicht vor, wird aber durch die Tatsache gestützt, dass mehrere weitere Medien den Ausgang der Wahl (Sieg Norléns) unabhängig bestätigen.

Ergänzende Recherche beim schwedischen Reichstag (riksdagen.se) fand zwei offizielle Mitteilungen, die den geschilderten Verfahrensablauf stützen: eine vom 18. September zum Sondierungsauftrag an Andersson und eine vom 28. September zu einer Pressekonferenz mit dem an diesem Tag (wieder-)gewählten Parlamentspräsidenten Norlén. Der volle Text dieser Mitteilungen ließ sich technisch nicht abrufen, weshalb sich die vorliegende Einordnung nur auf Titel und eine über die Suche generierte Kurzzusammenfassung stützen kann – die konkrete Stimmenzahl 200:146 und die wörtlichen Zitate von Andersson und Dadgostar bleiben damit medienquellenbasiert. Dadgostars Zitat gegenüber „Expressen“ wird zudem nur einfach – über ORF – belegt, „Expressen“ selbst wurde nicht direkt gelesen.

Was unklar bleibt

Offen ist, wem der Parlamentspräsident als Nächstes den Auftrag zur Regierungsbildung erteilt. Als naheliegender Kandidat gilt der bisherige geschäftsführende Ministerpräsident Ulf Kristersson, doch das ist bislang eine Einschätzung der Berichterstattung, keine bestätigte Entscheidung. Eine im Rahmen der Recherche gefundene Schlagzeile eines schwedischen Mediums deutet sogar darauf hin, dass Kristersson bereits einen neuen Sondierungsauftrag erhalten haben könnte – da dazu nur der Titel, nicht der Artikeltext vorlag, lässt sich das hier nicht als gesicherter Fakt behandeln.

Selbst falls Kristersson den Auftrag erhält, bliebe unklar, ob er eine mehrheitsfähige Regierung zustande bringt: Er müsste dafür wohl die liberale Zentrumspartei gewinnen, die eine Regierung unter Beteiligung der Schwedendemokraten weiterhin strikt ablehnt. Ebenso offen ist, ob der Bruch zwischen Sozialdemokraten und Linkspartei über die Präsidentenwahl hinaus das Verhältnis der beiden Parteien dauerhaft belastet oder ob es sich, wie von Dadgostar dargestellt, tatsächlich um ein Missverständnis ohne parteitaktischen Hintergrund handelt. Zu den genaueren Gründen für die erstmaligen Verluste der Schwedendemokraten bei dieser Wahl liegen weiterhin keine belastbaren Analysen aus den vorliegenden Quellen vor.

Einordnung

Der Vorgang zeigt, wie fragil das knappe Mandatsverhältnis von 176 zu 173 in der Praxis ist: Obwohl das Mitte-links-Lager rein rechnerisch über eine Mehrheit verfügt, genügte eine einzelne, von der Linkspartei anders begründete Abstimmung über das Amt des Parlamentspräsidenten, um Anderssons Anspruch auf die Regierungsbildung vorerst scheitern zu lassen. Das unterstreicht, wie sehr die angekündigte Vierparteien-Kooperation aus Sozialdemokraten, Grünen, Zentrumspartei und Linkspartei schon vor Beginn eigentlicher Koalitionsverhandlungen unter Spannung stand – die Zentrumspartei hatte eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei bereits vorab ausgeschlossen.

Damit rückt wieder eine Regierung unter Kristersson in den Bereich des Möglichen, die auf die Unterstützung der rechtspopulistischen Schwedendemokraten angewiesen wäre. Die Partei, laut Bericht aus der rechtsextremen Szene der späten 1980er-Jahre hervorgegangen und seit ihrem ersten Einzug in den Reichstag 2010 (5,7 Prozent) stetig gewachsen, hatte bei dieser Wahl erstmals Stimmenanteile verloren; ob sie dennoch erneut zum Zünglein an der Waage einer Regierungsbildung wird, ist offen. Für die Einordnung aus österreichischer Sicht bleibt relevant, dass der Ausgang Rückschlüsse auf die politische Stimmungslage in einem anderen EU-Mitgliedstaat erlaubt, ohne dass daraus direkte Schlüsse auf andere Länder gezogen werden sollten.