Der Österreichische Schwimmverband hat gemeinsam mit dem Sportministerium erstmals eine bundesweite Erhebung der Schwimm-Wasserflächen in Österreich vorgestellt. Dafür wurden alle 2.092 Gemeinden kontaktiert, rund 1.200 Wasserflächen erfasst und in einer laufend aktualisierten Datenbank veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen einen Mangel an Hallenbädern für den Ganzjahresbetrieb sowie fehlende Kapazitäten für Kindergärten, Schulen und Vereine, dazu teils lange Anfahrtswege und hohe Auslastung bestehender Bäder.
Hintergrund ist die Schwimmfähigkeit von Kindern und Jugendlichen: Laut einer Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit können rund zehn Prozent der Fünf- bis 19-Jährigen, etwa 137.000 Kinder und Jugendliche, nicht schwimmen. Staatssekretärin Michaela Schmidt und OSV-Generalsekretärin Julia Powischer forderten bei der Präsentation, dass Schwimmunterricht unabhängig vom Wohnort für alle Kinder organisatorisch machbar sein müsse.
Offen bleiben Details zur Methodik der Gemeinde-Befragung, zu konkreten Finanzierungsplänen für den Bäderausbau sowie Reaktionen von Gemeindevertretern oder Lehrergewerkschaften, die bislang nicht vorliegen.
Was passiert ist
Der Österreichische Schwimmverband (OSV) hat gemeinsam mit dem Sportministerium bei einer Pressekonferenz am Badeschiff in Wien die erste bundesweite Erhebung der Schwimm-Wasserflächen in Österreich präsentiert. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport geförderten Projekts „Learn to Swim“ wurden alle 2.092 Gemeinden Österreichs kontaktiert und zu ihren Wasserflächen befragt. Laut OSV-Bundeskoordinatorin Susanne Polansky habe es eine derartige Erhebung in Österreich bisher nicht gegeben. Insgesamt seien rund 1.200 Wasserflächen erfasst worden, die Ergebnisse sind laufend aktualisiert auf den Seiten oesterreichschwimmt.at und oesterreich-schwimmt.at abrufbar.
Was die Erhebung zeigt
Die Datenbank soll Vereinen, Schwimmschulen, Bildungseinrichtungen, Gemeinden und politischen Entscheidungsträgern künftig als Planungsinstrument dienen. Nach den vorliegenden Ergebnissen fehlt es in Österreich vor allem an Hallenbädern für den Ganzjahresbetrieb sowie an Kapazitäten für Kindergärten, Schulen und Vereine. Hinzu kommen laut Erhebung regional teils lange Anfahrtswege und eine hohe Auslastung bestehender Hallenbäder. Der Schwimmverband weist zudem darauf hin, dass viele Gemeinden mit steigenden Betriebs- und Erhaltungskosten kämpften, wodurch dringend benötigte Wasserflächen langfristig gefährdet seien – eine Einschätzung, die bislang nur über den Verband selbst dokumentiert ist und noch keiner unabhängigen Prüfung unterzogen wurde.
Warum das Thema drängt
Hintergrund der Initiative ist die Schwimmfähigkeit von Kindern und Jugendlichen in Österreich. Staatssekretärin für Sport Michaela Schmidt verwies bei der Präsentation auf Zahlen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV), wonach rund zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen in Österreich über keine Schwimmkenntnisse verfügen. Das entspricht laut der KFV-Studie „So schwimmt Österreich 2025“ etwa 137.000 Fünf- bis 19-Jährigen. Die Studie weist zudem auf eine weitere, größere Gruppe hin, die nur unsicher oder mit sehr schwachen Kenntnissen schwimmt. Schmidt betonte, Schwimmen sei lebensrettend, und formulierte als Ziel, dass jedes Kind in Österreich die Möglichkeit erhalten solle, schwimmen zu lernen.
Reaktionen und Forderungen
Schmidt forderte, Schwimmunterricht müsse für Schulen organisatorisch machbar sein: Es funktioniere nicht, wenn ein Kind zwei Stunden im Bus sitze, um dann nur eine Stunde Schwimmunterricht zu haben. OSV-Generalsekretärin Julia Powischer formulierte ähnlich, dass unabhängig vom Wohnort jede und jeder schwimmen lernen können solle. Diese Aussagen wurden bei der Pressekonferenz getroffen und von Medien wiedergegeben; Stellungnahmen von Gemeindevertretern, Lehrergewerkschaften oder anderen Bildungsakteuren zu den vorgeschlagenen Konsequenzen liegen bislang nicht vor.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, wie vollständig und methodisch belastbar die Rückmeldungen der 2.092 Gemeinden tatsächlich waren und ob es bei einzelnen Bundesländern größere Lücken in der Datenerhebung gibt. Auch zu konkreten Finanzierungsplänen oder einem Zeitplan, mit dem der dokumentierte Bädermangel behoben werden soll, gibt es bislang keine öffentlich bekannten Angaben. Unklar ist zudem, wie stark sich die von der Studie beschriebene Verschlechterung der Schwimmkompetenz bei Jugendlichen regional unterscheidet und welche Rolle sozioökonomische Faktoren dabei im Einzelnen spielen.
Einordnung
Sowohl die Erhebung als auch die zugrunde liegenden Zahlen zur Schwimmfähigkeit stammen bislang überwiegend aus Quellen, die selbst Teil der Initiative sind: Sportministerium, Schwimmverband und die vom Ministerium mitfinanzierte KFV-Studie. Eine unabhängige externe Einschätzung der Methodik oder der politischen Konsequenzen liegt derzeit nicht vor. Für die weitere Berichterstattung bleibt relevant, ob und wie rasch aus der Bestandsaufnahme konkrete bauliche oder finanzielle Maßnahmen folgen.
