Der Vorarlberger Fahrradhersteller Simplon ist zum zweiten Mal binnen zwei Jahren zahlungsunfähig. Die 2Rad Produktions GmbH in Hard, der konzerneigene Zuliefer- und Produktionsbetrieb der früheren Simplon Fahrrad GmbH, hat am 2. September 2026 beim Landesgericht Feldkirch ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Betroffen sind 54 Beschäftigte und rund 150 Gläubiger.
Die Passiva liegen bei rund 33,4 Millionen Euro, davon rund 28,3 Millionen Euro wiederaufgelebte Forderungen aus der ersten Insolvenz von 2024 – 26 Millionen Euro davon bei einer einzelnen Hausbank. Das Unternehmen will den Gläubigern eine Quote von 20 Prozent binnen zwei Jahren anbieten. Der 2024 nach dem Einstieg eines Wiener Finanzinvestors angenommene erste Sanierungsplan, der noch eine Quote von 30 Prozent vorsah, ist damit gescheitert.
Laut Unternehmensangaben waren aus der ersten Insolvenz übernommene Warenbestände unzureichend und unvollständig, was Lieferprobleme und ausbleibende Folgeaufträge zur Folge hatte. Eine unabhängige Einschätzung des Investors oder der Gläubiger dazu liegt bisher nicht vor, ebenso ist offen, ob der neue Sanierungsplan angenommen wird.
Was passiert ist
Der Vorarlberger Fahrradhersteller Simplon ist zum zweiten Mal binnen zwei Jahren zahlungsunfähig. Die 2Rad Produktions GmbH mit Sitz in Hard am Bodensee, vormals Simplon Fahrrad GmbH, hat am Mittwoch, dem 2. September 2026, beim Landesgericht Feldkirch ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Bei der Gesellschaft handelt es sich um den konzerneigenen Zuliefer- und Produktionsbetrieb von Simplon, Gesellschafterin ist die Simplon Bike GmbH, die frühere Simplon Holding GmbH. Geschäftsführer ist laut ORF Vorarlberg Christoph Mannel.
54 Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer sind von der neuerlichen Insolvenz betroffen, dazu kommen laut Gläubigerschutzverband KSV1870 rund 150 Gläubigerinnen und Gläubiger.
Die Zahlen zur zweiten Insolvenz
Die Passiva belaufen sich auf rund 33,4 Millionen Euro. Der Großteil davon, rund 28,3 Millionen Euro, sind Forderungen aus dem ersten Sanierungsverfahren, die durch das Scheitern des damaligen Plans wieder aufgelebt sind. Allein 26 Millionen Euro entfallen auf eine einzelne Hauptgläubigerin, eine Vorarlberger Bank, weitere rund 2,3 Millionen Euro auf sonstige Gläubiger aus der Vorinsolvenz. Dem gegenüber steht ein Vermögen, das im Wesentlichen aus einem mit 8,3 Millionen Euro bezifferten Warenlager besteht.
Das Unternehmen will den Gläubigern nun eine Quote von 20 Prozent vorlegen, zahlbar binnen zwei Jahren nach Annahme des Sanierungsplans. Der KSV1870 bietet den Gläubigerinnen und Gläubigern an, sie im Verfahren zu vertreten.
Hintergrund: die gescheiterte erste Sanierung
Simplon wurde 1961 als Familienbetrieb in Hard gegründet. Im September 2024 hatte die damalige Simplon Fahrrad GmbH mit rund 140 Beschäftigten ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt, die Verbindlichkeiten lagen damals bei etwa 44,5 Millionen Euro. Als Gründe wurden intensiver Wettbewerb, hoher Preisdruck und ein branchenweiter Einbruch der verkauften Stückzahlen genannt. Laut der öffentlichen Verfahrensdokumentation des KSV1870 meldeten damals rund 228 Gläubigerinnen und Gläubiger, darunter 140 Dienstnehmer, Forderungen von rund 39,5 Millionen Euro an, wovon rund 39,3 Millionen Euro anerkannt wurden. Der Sanierungsplan sah eine Quote von 30 Prozent vor, zahlbar in drei Teilbeträgen von je 10 Prozent binnen 14 Tagen sowie nach 12 und 24 Monaten.
Im Dezember 2024 stieg ein Wiener Finanzinvestor ein, der Sanierungsplan wurde angenommen. Im Jahr 2025 verlagerte das Unternehmen laut ORF Vorarlberg Teile der Produktion nach Rumänien, in Hard wurden in der Folge Stellen abgebaut. Nach Darstellung des Unternehmens erwiesen sich die aus der ersten Insolvenz übernommenen Warenbestände jedoch als unzureichend und unvollständig, wodurch bestehende Aufträge nicht zügig abgearbeitet werden konnten. Das habe die Lieferfähigkeit beeinträchtigt, in der Folge seien Folgeaufträge teilweise ausgeblieben und die Liquidität sei unter Druck geraten.
Was unklar bleibt
Die bisher vorliegende Erklärung für das erneute Scheitern stammt allein vom Unternehmen selbst: Wie der beteiligte Finanzinvestor die Entwicklung einschätzt, ist öffentlich nicht dokumentiert. Ebenso offen ist, in welchem Umfang die 2025 begonnene Produktionsverlagerung nach Rumänien die Lage am Standort Hard beeinflusst hat. Unklar ist auch, wie die rund 150 Gläubiger, voran die mit 26 Millionen Euro engagierte Hausbank, auf den neuen Sanierungsvorschlag reagieren werden und ob Gericht und Gläubigerversammlung die angestrebte 20-Prozent-Quote letztlich annehmen.


