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Der frühere Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) hat den Künstler Erwin Wurm beauftragt, sein offizielles Porträt für die Präsidentengalerie des österreichischen Parlaments zu gestalten – ein Ehrenrecht, das allen früheren Nationalratspräsidentinnen und -präsidenten zusteht. Berichten zufolge soll der Auftrag netto 30.000 Euro kosten; laut einem weiterverbreiteten Bericht der “Kronen Zeitung” soll es sich um eine Fotografie handeln, was aber nicht unabhängig bestätigt ist.

Sobotka war zuvor mehrfach gescheitert, Wurm-Kunst dauerhaft im Parlamentsumfeld zu platzieren: Eine geplante Skulptur am Ring fiel dem Veto der Stadt Wien zum Opfer, ein zweiter Anlauf in der Reichsratsstraße blieb ebenfalls erfolglos. Kurz vor seinem Amtsende ließ er 2024 stattdessen zwei Wurm-Skulpturen im Parlament aufstellen, ohne Kurator oder Präsidiale einzubinden. Sein Nachfolger Walter Rosenkranz (FPÖ) ließ den Kauf rückabwickeln und die Werke zurückgeben; Sobotka nannte das damals in einer Aussendung wörtlich „beschämend“ und warf Rosenkranz vor, dem „Populismus“ von Herbert Kickl zu folgen. Laut einem aktuellen Kurier-Bericht sollen die zurückgegebenen Skulpturen mittlerweile etwa doppelt so viel wert sein wie der ursprüngliche Kaufpreis – unbestätigt und ohne genannte Grundlage.

Die Berichte über die neue Beauftragung gehen sämtlich auf einen Kurier-Bericht sowie eine Detailangabe der “Krone” zurück und wurden unter anderem als Agenturmeldung weiterverbreitet; eine offizielle Bestätigung durch die Parlamentsdirektion oder eine Stellungnahme von Sobotka, Wurm oder Rosenkranz zu dem neuen Auftrag fehlt weiterhin. Offen bleiben zudem eine Unstimmigkeit bei den Kosten der 2024er-Skulpturen (240.000 versus 271.000 Euro) sowie die Bestätigung des Foto-Formats.

Was passiert ist

Der frühere Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) hat den Künstler Erwin Wurm beauftragt, sein offizielles Porträt für die Präsidentengalerie des österreichischen Parlaments zu gestalten. Ein solches Porträt steht traditionell allen ehemaligen Nationalratspräsidentinnen und -präsidenten zu. Berichten zufolge soll der Auftrag netto 30.000 Euro kosten. Zum genauen Format gibt es unterschiedliche Angaben: Während mehrere Medien offenlassen, ob es sich um ein klassisches Gemälde handelt, berichtet die “Kronen Zeitung” laut Weiterverbreitung durch andere Redaktionen, es solle sich um eine Fotografie handeln – eine Angabe, die bislang nicht unabhängig bestätigt ist.

Vorgeschichte: gescheiterte Anläufe und die Skulpturen-Affäre

Sobotka hatte schon während seiner Amtszeit als Nationalratspräsident versucht, Werke Erwin Wurms dauerhaft im oder am Parlament zu platzieren. Ein ursprünglicher Plan, im Zuge der Sanierung des Hohen Hauses eine Skulptur am Ring aufzustellen, scheiterte am Veto der Stadt Wien. Ein zweiter Anlauf, eine Wurm-Skulptur an der Rückseite des Gebäudes in der Reichsratsstraße unterzubringen, blieb ebenfalls erfolglos. Im Oktober 2024, unmittelbar vor seinem Ausscheiden aus dem Amt, ließ Sobotka dann ohne Einbindung eines Kurators oder der Präsidiale zwei Wurm-Skulpturen im Oberen Vestibül des Parlaments aufstellen. Der damalige Parlamentsdirektor Harald Dossi soll sich dagegen ausgesprochen haben, sich letztlich aber einer Weisung gefügt haben. Sobotkas Nachfolger als Nationalratspräsident, der FPÖ-Politiker Walter Rosenkranz, ließ den Ankauf im Vorjahr rückabwickeln und gab die Skulpturen an den Künstler zurück; die Kosten für den Rücktransport trug laut den Berichten die Parlamentsdirektion. Sobotka reagierte damals mit scharfer Kritik: In einer Aussendung nannte er es wörtlich „beschämend, dass Walter Rosenkranz dem Populismus von Herbert Kickl folgt und die Skulpturen von Erwin Wurm – einem der bedeutendsten Künstler unseres Landes – veräußert hat“. Laut einem aktuellen Kurier-Bericht sollen die zurückgegebenen Werke mittlerweile etwa doppelt so viel wert sein wie der ursprüngliche Kaufpreis – eine Einschätzung, für die keine nähere Grundlage genannt wird und die bislang nicht unabhängig bestätigt ist.

Was die Quellen zeigen

Die Meldung über die neue Beauftragung stützt sich in allen eingesehenen Berichten letztlich auf einen Bericht der Samstag-Ausgabe des “Kurier” sowie auf eine Detailangabe der “Kronen Zeitung” zum Format. ORF.at, Die Presse und Kleine Zeitung geben diese Informationen inhaltlich nahezu deckungsgleich wieder; Die Presse kennzeichnet ihren Text ausdrücklich als Agenturmeldung (APA), deren nun vorliegender Volltext auch die Rosenkranz-Kritik Sobotkas im Wortlaut sowie die vom Kurier stammende 271.000-Euro-Angabe bestätigt. Damit handelt es sich der Sache nach um eine breit weiterverbreitete, aber auf eine gemeinsame Ursprungsquelle zurückgehende Meldung und nicht um mehrere voneinander unabhängige Recherchen. Auffällig bleibt eine Unstimmigkeit bei den Kosten der 2024 gekauften Skulpturen: Ursprünglich war von je 120.000 Euro pro Werk die Rede, der Kurier-Bericht nennt eine Gesamtsumme von 271.000 Euro – die Differenz zu den früher kolportierten 240.000 Euro bleibt unerklärt. Ergänzend berichtet der Kurier, dass in der Präsidentengalerie bislang auch Porträts der früheren Nationalratspräsidentinnen Doris Bures (SPÖ) und Elisabeth Köstinger (ÖVP) fehlen – eine Randnotiz, die bisher nur von dieser einen Quelle stammt. Eine gezielte Suche nach einer offiziellen Presseaussendung der Parlamentsdirektion oder einer Parlamentskorrespondenz zu dem Auftrag blieb ergebnislos; eine Primärquelle liegt damit weiterhin nicht vor.

Was unklar bleibt

Weder Sobotka noch Erwin Wurm noch die Parlamentsdirektion haben sich den vorliegenden Quellen zufolge direkt und aktuell zu der neuen Beauftragung geäußert. Offen ist damit, aus welchen Beweggründen der Auftrag gerade jetzt vergeben wurde, ob die genannten 30.000 Euro Nettokosten offiziell bestätigt sind und ob das Porträt tatsächlich als Fotografie realisiert wird. Auch die widersprüchlichen Kostenangaben zu den 2024 gekauften und später zurückgegebenen Skulpturen sind nicht aufgeklärt, ebenso wenig die Grundlage für die Einschätzung, die Werke seien inzwischen doppelt so viel wert. Eine Reaktion von Walter Rosenkranz auf die neuerliche Beauftragung Wurms durch seinen Vorgänger liegt bislang nicht vor.

Einordnung

Die neue Personalie fügt sich in eine länger andauernde, öffentlich ausgetragene Auseinandersetzung um Sobotkas Vorliebe für die Kunst Erwin Wurms und um den Umgang mit öffentlichen Geldern im Parlamentsbetrieb ein – von der gescheiterten Ring-Skulptur über die umstrittene Anmietung eines vergoldeten Klaviers bis zur später rückabgewickelten Skulpturen-Anschaffung, die Sobotka selbst öffentlich scharf kommentierte. Dass Sobotka nun, offenbar ohne öffentlichen Widerstand, ein reguläres Porträt für die Präsidentengalerie in Auftrag geben kann, unterscheidet sich rechtlich und politisch deutlich von den früheren, kontrovers diskutierten Anschaffungen: Ein Präsidentenporträt ist eine etablierte protokollarische Praxis – laut Kurier fehlen in der Galerie derzeit ohnehin noch die Bilder zweier früherer Präsidentinnen –, während die 2024er-Skulpturen ohne Kurator und Präsidiale beschafft worden waren.