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Sony hat angekündigt, ab Januar 2028 keine Disc-Versionen mehr für neue PlayStation-Spiele zu produzieren. Käufer:innen erhalten dann in Spielepackungen nur noch einen Download-Code statt eines physischen Datenträgers. Trotz Kritik von Spielerinnen, Spielern und Teilen der Gaming-Branche hält Sony an dem Kurs fest: CFO Lin Tao erklärte bei einer Investor:innenkonferenz, man gehe „vorsichtig“ weiter in diese Richtung.

Sony begründet den Schritt mit der fortschreitenden Digitalisierung: Im zuletzt abgeschlossenen Geschäftsjahr waren 78 Prozent der PlayStation-Vollspielverkäufe digital. Laut Marktforschungsdaten von Circana sanken physische Spieleverkäufe in den USA von rund 297 Millionen Einheiten (2008/2009) auf zuletzt rund 37 Millionen Einheiten. Kritisiert wird vor allem, dass Käufer:innen künftig nur noch widerrufbare Lizenzen statt Eigentum erwerben und Spiele bei einer möglichen Schließung digitaler Stores schwer zugänglich werden könnten.

Offen bleibt, wie Sony den langfristigen Zugriff auf Lizenzen und den Erhalt von Spielen sicherstellen will und wie Drittanbieter-Publisher sowie mögliche Regulierungsbehörden auf die Entscheidung reagieren.

Was passiert ist

Sony hat im Juli 2026 über den offiziellen PlayStation-Blog angekündigt, ab Januar 2028 keine Disc-Versionen mehr für neue PlayStation-Spiele zu produzieren. Wer danach eine Spielepackung im Handel kauft, erhält darin keine physische Disc mehr, sondern lediglich einen Download-Code – de facto also eine Lizenz zum Herunterladen des Spiels statt eines physischen Datenträgers. Bereits veröffentlichte oder bis dahin erscheinende Disc-Spiele sind von der Umstellung nicht betroffen.

Die Ankündigung löste unter Spielerinnen, Spielern und in Teilen der Gaming-Branche Kritik aus. Bei einer Investor:innenkonferenz nahm Sonys Finanzchefin Lin Tao dazu Stellung: Man bewege sich weiterhin „vorsichtig“ auf das Ende der Disc-Produktion zu, sagte sie laut einem von Ars Technica eingesehenen Gesprächsprotokoll. Sony bleibt damit trotz des Gegenwinds bei seinem Kurs, wie auch futurezone und heise berichten.

Die Zahlen hinter der Entscheidung

Sony begründet den Schritt mit der fortschreitenden Digitalisierung des Geschäfts. Im zuletzt abgeschlossenen Geschäftsjahr bis 31. März entfielen laut eigenen Angaben 78 Prozent aller verkauften PlayStation-Vollspiele auf digitale Downloads. Tao verwies zudem darauf, dass man diese Entwicklung „mit viel Nachdenken und Zeit“ abgewogen habe, bevor man zu diesem Schluss gekommen sei.

Untermauert wird der Trend durch Marktforschungsdaten des Analysehauses Circana, die laut dem bei Ars Technica gelesenen Artikel im Umlauf sind: Verkauften im ersten Halbjahr 2008 noch 100 PlayStation-Spiele jeweils mehr als 100.000 physische Einheiten, waren es im ersten Halbjahr 2026 nur noch sieben Titel. In den USA sanken die physischen Spieleverkäufe demnach von rund 297 Millionen Einheiten zwischen Juni 2008 und Juni 2009 auf zuletzt rund 37 Millionen Einheiten im Jahresvergleich – ein deutlicher, aber laut Quellenlage nicht anderweitig unabhängig bestätigter Rückgang.

Kritik und Reaktionen

Der zentrale Kritikpunkt betrifft das künftige Geschäftsmodell: Statt eine Spiele-Disc zu besitzen, die verliehen, verschenkt oder weiterverkauft werden kann, erwerben Käufer:innen ab 2028 nur noch eine Lizenz, die laut Kritiker:innen jederzeit widerrufen werden könnte. Zusätzliche Sorge bereitet die Möglichkeit, dass Spiele schwer zugänglich werden, sollte Sony seine digitalen Stores irgendwann schließen.

Sony reagierte auf diese Kritik mit Verständnis, ohne den Kurs zu ändern. „Games sind bei vielen Menschen beliebt. Es ist eine Form der Unterhaltung, die geliebt wird. Sie ist oft mit schönen Erinnerungen verbunden“, wird Tao laut Ars Technica zitiert. Man wolle diese Emotionen berücksichtigen und weiter ausloten, wie man Spieler:innen im künftigen digitalen Ökosystem einbinde. Ein Sony-Kommunikationsverantwortlicher ergänzte laut Gesprächsprotokoll, man sehe bislang keine negativen Auswirkungen auf das Geschäft, da die Inhalte ohnehin größtenteils digitalisiert seien – man müsse aber auf das Feedback der Nutzer:innen eingehen. Laut dem gelesenen Ars-Technica-Bericht hat Sony zudem bereits begonnen, eine Disc-Fabrik für die Fertigung optischer Mikrolinsen umzurüsten; eine offizielle Bestätigung dafür liegt nicht vor.

Was unklar bleibt

Offen bleibt aus den vorliegenden Quellen, wie Sony konkret sicherstellen will, dass gekaufte Lizenzen auch nach einer möglichen Einstellung von Digital-Stores zugänglich bleiben, und welche Regeln für Spiele-Erhalt und Rückwärtskompatibilität gelten sollen. Ebenfalls unklar ist, wie sich große Drittanbieter-Publisher offiziell zu der Entscheidung positionieren und ob es regulatorische Reaktionen etwa aus der EU zum Verbraucherschutz bei widerrufbaren digitalen Lizenzen geben wird. Auch die von Sony in Aussicht gestellten, aber nicht näher bezifferten finanziellen Effekte der Umstellung lassen sich mit den vorliegenden Angaben nicht weiter einordnen.

Einordnung

Sony positioniert die Entscheidung nicht als Reaktion auf die Konkurrenz durch den PC, auf dem physische Spiele-Discs ohnehin kaum eine Rolle spielen. Laut Tao sieht Sony die Disc nicht als entscheidenden Unterscheidungsfaktor zum PC-Gaming, sondern setzt stattdessen auf ein „kuratiertes“ Angebot, eine stabile Spielumgebung und einen im Vergleich zu leistungsstarken Gaming-PCs günstigeren Einstiegspreis. Man könne mit dem PC-Gaming „friedlich koexistieren“, so Tao laut Ars Technica. Die Ankündigung reiht sich damit in einen längerfristigen Trend der Spielebranche zur Digitalisierung ein, der durch die vorliegenden Verkaufszahlen von Sony und Circana zumindest teilweise plausibel gemacht wird, dessen langfristige Folgen für Eigentumsrechte und Spiele-Erhalt aber weiterhin Gegenstand öffentlicher Debatte sind.