Sony Music, Warner Chappell und weitere Musikverlage haben Anthropic sowie Firmenchef Dario Amodei und Mitgründer Benjamin Mann persönlich vor einem US-Bundesgericht in Nordkalifornien verklagt. Die Kläger werfen dem Unternehmen vor, zehntausende urheberrechtlich geschützte Songtexte ohne Erlaubnis für das Training der Claude-Modelle genutzt zu haben, unter anderem durch Scraping lizenzierter Plattformen wie MusixMatch und LyricFind sowie durch das Herunterladen von Millionen Büchern aus Piratenbibliotheken per BitTorrent.
Gefordert werden bis zu 150.000 US-Dollar Schadenersatz pro verletztem Werk sowie bis zu 25.000 US-Dollar pro Verstoß gegen Vorschriften zum Schutz von Copyright-Hinweisen – bei zehntausenden betroffenen Werken könnte die Summe theoretisch mehrere Milliarden US-Dollar erreichen. Anthropic weist die Vorwürfe zurück und will sich vor Gericht verteidigen. Inzwischen berichten auch deutschsprachige Medien wie Golem und Heise über die Klage, ohne dass neue Fakten hinzugekommen sind.
Die Klage folgt auf einen 1,5-Milliarden-Dollar-Vergleich, den Anthropic im September 2025 mit Buchautoren wegen ähnlicher Vorwürfe zur Datenbeschaffung geschlossen hatte. Wie das aktuelle Verfahren ausgeht und ob es erneut zu einem Vergleich kommt, ist derzeit offen.
Was passiert ist
Sony Music, Warner Chappell und weitere große Musikverlage haben Anthropic vor dem US-Bezirksgericht für den Norden Kaliforniens verklagt. Neben dem Unternehmen selbst werden auch Firmenchef Dario Amodei und Mitgründer Benjamin Mann persönlich als Beklagte genannt. Die Kläger bezeichnen das Vorgehen von Anthropic als eines der größten und offenkundigsten andauernden Diebstähle geistigen Eigentums in der Geschichte. Im Zentrum der rund 48-seitigen Klageschrift steht der Vorwurf, Anthropic habe zehntausende urheberrechtlich geschützte musikalische Kompositionen – vor allem Songtexte, teils auch Noten und Bearbeitungen – ohne Erlaubnis für das Training seiner Claude-Modelle verwendet. Tonaufnahmen und Masterrechte sind laut den vorliegenden Berichten nicht Gegenstand des Verfahrens. Die Klage wird mittlerweile auch von deutschsprachigen Medien wie Golem und Heise aufgegriffen, die dieselben Eckdaten bestätigen, ohne neue Fakten beizusteuern.
Die Vorwürfe im Detail
Die Klage wirft Anthropic vor, Liedtexte von lizenzierten Plattformen wie MusixMatch und LyricFind entgegen deren Nutzungsbedingungen gescrapt zu haben, obwohl diese Dienste selbst Lizenzgebühren an die Verlage zahlen. Zusätzlich soll Anthropic Millionen Bücher, darunter Songbooks und Notensammlungen, aus Piratenbibliotheken wie LibGen per BitTorrent heruntergeladen haben – laut The Verge soll allein Mitgründer Mann über fünf Millionen Bücher auf diesem Weg bezogen haben, weitere Mitarbeitende zusätzlich Material aus dem Pirate Library Mirror. Auch der Einsatz von Datensätzen wie Books3, The Pile und Common Crawl wird beanstandet, da diese nach Darstellung der Kläger unautorisierte Inhalte enthalten. Als Beispiele für betroffene Songs nennt die Klage laut The Verge unter anderem „Ain’t No Mountain High Enough“ von Marvin Gaye und Tammi Terrell, „Livin’ On a Prayer“ von Bon Jovi sowie „Hallelujah“ von Leonard Cohen. Die Kläger fordern bis zu 150.000 US-Dollar Schadenersatz pro verletztem Werk sowie bis zu 25.000 US-Dollar für jeden Fall, in dem Copyright-Hinweise entfernt worden sein sollen – bei zehntausenden betroffenen Werken könnte die Gesamtsumme nach Einschätzung von TechCrunch und The Verge theoretisch mehrere Milliarden US-Dollar erreichen, sollte das Gericht den Klägern in vollem Umfang folgen. Heise Online fasst die Klage entsprechend unter dem Stichwort einer möglichen Milliardenklage zusammen.
Anthropics Reaktion und Vorgeschichte
Anthropic wies die Anschuldigungen laut The Decoder zurück und teilte mit, man sei mit den Behauptungen der Verlage nicht einverstanden und werde sich vor Gericht entschieden verteidigen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Unternehmen mit Vorwürfen unrechtmäßiger Datenbeschaffung konfrontiert sieht: Im September 2025 einigte sich Anthropic in einem Verfahren mit Buchautoren und Verlagen auf eine Zahlung von 1,5 Milliarden US-Dollar – den bislang größten Urheberrechtsvergleich in der US-Geschichte. Dort war nicht das KI-Training mit geschützten Texten an sich ausschlaggebend, sondern deren illegale Beschaffung über Piratenquellen. Genau an diesem Punkt setzt laut den vorliegenden Berichten auch die neue Klage von Sony und Warner an. Laut The Verge sieht sich Anthropic zudem bereits mit weiteren Klagen aus der Musikbranche konfrontiert, unter anderem von Universal Music Group, Concord, ABKCO, BMG und Round Hill Music.
Was unklar bleibt
Wie ein Gericht die Vorwürfe rechtlich bewerten wird, ist offen – insbesondere, ob die reine unrechtmäßige Beschaffung von Trainingsdaten unabhängig von deren tatsächlicher Verwendung im fertigen Modell als eigenständige Rechtsverletzung gilt, wie es die Kläger nahelegen. Unklar ist auch, ob es wie im Fall der Buchautoren zu einem außergerichtlichen Vergleich kommen wird und in welcher Höhe. Die vollständige Klageschrift wurde für diesen Artikel nicht eingesehen, ebenso wenig unabhängige juristische Einschätzungen zu den Erfolgsaussichten. Auch zu einzelnen Vorwürfen, etwa der konkreten Nutzung von MusixMatch- und LyricFind-Daten, liegt bislang keine detaillierte Stellungnahme von Anthropic vor. Die seither erschienenen weiteren Medienberichte (Golem, Heise) bestätigen lediglich die bekannten Eckdaten, ohne diese offenen Fragen zu beantworten.
