Gerhard Zeiler hat im Interview mit der “Kronen Zeitung” bestätigt, SPÖ-Vorsitzender werden zu wollen, und weist die Deutung seines Vorstoßes als “Putsch” zurück. Andreas Babler hat darauf mehrfach öffentlich reagiert: Er sehe einen “klaren Auftrag” der Partei für sich aus seiner Wiederwahl im März 2026, schließt einen Rücktritt aus und bezeichnete mögliche Gegenkandidaturen bei einem Pressetermin am Wiener Heldenplatz als “derzeit nur Gerüchte”. Für eine vorgezogene Vorsitzwahl müsste Zeiler laut Berichten mehrere Tausend Mitgliederunterschriften sammeln – genaue Zahlen schwanken je nach Bericht – oder der Bundesvorstand einen außerordentlichen Parteitag einberufen; er selbst beschrieb diesen Weg laut einer Zusammenfassung eines ORF-Berichts als “langen Prozess” über Parteivorstand und Mitgliederbefragung. Staatssekretärin Michaela Schmidt und Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner stellten sich laut einem Bericht, der ORF-Auftritte zitiert, hinter Babler, während sich GPA-Chefin Barbara Teiber abwartend zeigte. Der Standard beziffert die Umfragewerte der SPÖ weiterhin mit rund 16 Prozent, ohne Institut oder Erhebungsdatum zu nennen – die Zahl bleibt eine unbelegte Einzelangabe.
Burgenlands Hans Peter Doskozil bleibt bei seiner ablehnenden Haltung: Ein weiterer “linker” Nachfolger für Babler wäre aus seiner Sicht kein Gewinn für die Partei. Ganz anders äußern sich mittlerweile gleich drei frühere SPÖ-Landeshauptleute: Hans Niessl nennt Zeiler ein “Musterbeispiel für Aufstieg durch Leistung”, Franz Voves sieht in ihm “eine große, seltene Chance”, und Peter Ambrozy hält ihn für “einen fähigen Mann” mit internationaler Medienerfahrung, warnt aber, ohne einen Wandel des Parteiklimas bringe auch ein neuer Vorsitzender nichts – alle drei ohne aktuelle Parteifunktion. Laut Niessl ist für Oktober zudem ein Treffen zwischen Doskozil und Zeiler geplant, aus Doskozils Büro hieß es dazu jedoch am 27. September, es gebe noch keinen fixen Termin. Neu hinzugekommen ist der Kärntner SPÖ-Landesparteivorstand, der am 28. September weder Babler noch Zeiler unterstützte, sondern die Bundespartei aufforderte, alle Landeschefs an einen Tisch zu holen und den weiteren Weg – etwa zu einem Vorsitzwahl-Verfahren – zu klären. Landesgeschäftsführer David Pototschnig sprach dabei von “15 Prozent” in den Umfragen und einem “dermaßen festgefahrenen” Karren. Laut Kleiner Zeitung setzt sich in der Kärntner SPÖ zudem die ältere Garde um Ex-Landeshauptmann Peter Ambrozy und Villachs Ex-Bürgermeister Helmut Manzenreiter für einen Wechsel an der Spitze ein, während die aktuellen Funktionäre zurückhaltender bleiben.
In der ORF-“ZiB 2” vom 27. September nannte Zeiler laut übereinstimmenden Berichten von Standard und ORF erstmals drei konkrete Ziele: Senkung der Lebenshaltungskosten, mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit sowie Einsparungen durch den Abbau von Förder-“Doppelgleisigkeiten” – blieb dabei aber ohne Zahlen oder Umsetzungsschritte. In einem weiteren Bericht zum selben Auftritt zitiert der Standard Zeiler zudem mit der Forderung, die Wirtschaft zu “entfesseln”, mit dem Vergleich des Staates mit einem “Sumoringer” sowie mit der Aussage “Ich bin kein Marxist”; zur Umfragelage sprach er von rund 15 Prozent – seine eigene Einschätzung, bislang nur durch dieses eine Medium belegt. Die übrigen Landesparteien bleiben uneinheitlich: Salzburg fordert ein Ende der Debatte, Vorarlberg zeigt sich am offensten, aus der Steiermark kolportieren Berichte weiterhin Skepsis, ergänzt um einen laut ORF-Steiermark-Kurzzusammenfassung berichteten Ruf nach “Geschlossenheit und Ruhe”. Die Koalitionspartner ÖVP und NEOS äußern sich weiterhin nicht zu den parteiinternen SPÖ-Vorgängen. Offen bleibt vor allem, ob Zeiler die nötigen Unterschriften sammeln kann, ob und wann das Doskozil-Zeiler-Treffen sowie das von Kärnten geforderte Landeschefs-Treffen tatsächlich stattfinden und ob Zeiler seine Wirtschaftsagenda mit konkreten Zahlen unterlegt.
Zeiler macht es offiziell
Was seit Wochen als Gerücht kursierte, ist eine öffentliche Ansage: Gerhard Zeiler hat im Interview mit der “Kronen Zeitung” selbst bestätigt, dass er SPÖ-Vorsitzender werden will. “Ich glaube”, so Zeiler, “dass ich die richtige Person bin, um die Partei aus diesem historischen Tief herauszuführen.” Der Standard beziffert dieses “Tief” mit Umfragewerten von derzeit rund 16 Prozent – ein Rückgang von rund 5,5 Prozentpunkten gegenüber dem historisch schlechtesten Ergebnis der Partei bei der Nationalratswahl 2024. Welches Institut diese Zahl erhoben hat und wann, bleibt in dem Bericht offen; die Angabe ist daher als unbelegte Einzelquelle zu lesen, nicht als geprüfter Umfragewert.
Zugleich wehrt sich Zeiler gegen die Deutung, sein Vorstoß sei ein parteiinterner “Putsch”. Die SPÖ sei eine demokratische Partei, “sie und niemand anderer wird entscheiden, wer an ihrer Spitze steht”, so Zeiler laut Kurier. Vorausgegangen waren dem öffentlichen Bekenntnis laut übereinstimmenden Berichten mehrere Gespräche Zeilers mit Landesparteichefs, darunter Treffen mit Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sowie Kontakte zu Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner und zu Burgenlands Hans Peter Doskozil.
Babler bezieht Stellung: “Klarer Auftrag” statt Rücktritt
Aus der SPÖ-Zentrale in der Löwelstraße kam noch am selben Tag eine Reaktion, die weder Zustimmung noch klare Ablehnung signalisierte: Wenn jemand gegen den amtierenden Vorsitzenden kandidieren wolle, könne und müsse er das “im Rahmen der statutarischen Möglichkeiten” tun – das impliziere eine Abstimmung unter den Mitgliedern.
Andreas Babler selbst hat sich seither mehrfach direkt geäußert. Er sehe einen “klaren Auftrag” der Partei für sich, da er erst vor rund einem halben Jahr, im März 2026, für eine dreijährige Amtsperiode wiedergewählt worden sei. Bei einem Pressestatement am Rande des “Tags des Sports” am Wiener Heldenplatz ging er noch einen Schritt weiter und ordnete mögliche Gegenkandidaturen als “derzeit nur Gerüchte” ein: Solange sich niemand offiziell als Kandidat aufstelle, sei das “eine relativ klare und nüchterne Angelegenheit”. Zugleich verwies er auf laufende Regierungsprojekte – etwa die für Montag im Nationalrat geplante Abstimmung über die Spritpreisbremse, die Reformpartnerschaft mit Ländern und Gemeinden sowie eine Stärkung der Wirtschaft –, um zu unterstreichen, dass er sich mit inhaltlicher Arbeit statt mit der Personaldebatte befasse. Dass Babler nicht ans Aufgeben denkt, unterstreicht auch eine von der Parteizentrale verschickte Einladung an Journalistinnen und Journalisten zu einem “lange geplanten” Afterwork-Drink mit Babler in der Löwelstraße.
Für eine vorgezogene Vorsitzwahl müsste Zeiler nach Medienberichten mehrere Tausend Unterschriften von Parteimitgliedern sammeln – die genannten Zahlen schwanken zwischen rund 1.500 und über 12.500, je nachdem, welche Statutenbestimmung ein Bericht heranzieht –, alternativ könnte der Bundesvorstand einen außerordentlichen Parteitag einberufen. Ob im Ernstfall eine Mitgliederbefragung oder ein Sonderparteitag mit Kampfabstimmung angesetzt würde, ließ Babler offen. Zeiler selbst beschrieb den Weg zum Vorsitz laut einer Zusammenfassung eines ORF-Berichts zur “ZiB 2” vom 27. September als “langen Prozess”, der nicht automatisch komme: Erste Instanz sei der Parteivorstand, an einer Mitgliederbefragung wolle er “selbstverständlich” teilnehmen. Da diese Formulierungen nur über eine Suchergebnis-Zusammenfassung und nicht über einen eingesehenen Volltext bekannt sind, bleibt die wörtliche Genauigkeit vorläufig ungeprüft.
Rückendeckung aus der Partei, Zurückhaltung bei der Gewerkschaft
Neben Babler selbst haben sich zuletzt auch weitere Parteifunktionärinnen zu Wort gemeldet. Staatssekretärin Michaela Schmidt stellte sich laut einem Bericht, der ein ORF-Zitat wiedergibt, hinter den Vizekanzler: Er habe die SPÖ in die Regierung geführt und ein Regierungsprogramm mit “stark sozialdemokratischer Handschrift” durchgesetzt, sei zudem erst im März mit “eindeutiger Mehrheit” gewählt worden. “Alles andere besprechen wir im Wohnzimmer und nicht am Balkon”, so Schmidt sinngemäß. In ähnlichem Sinn äußerte sich laut demselben Bericht Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner in der “ZiB”: Dass die Umfragewerte schlecht seien, wisse man – “darüber muss man diskutieren, und zwar in der SPÖ selbst und nicht öffentlich”.
Zurückhaltender zeigte sich dagegen GPA-Chefin Barbara Teiber in einem vorab veröffentlichten Ausschnitt aus der ORF-Sendung “Hohes Haus”. Sie wolle sich nicht an einer Personaldebatte beteiligen; das öffentliche Diskutieren über das eigene Spitzenpersonal sei ohnehin seit Jahren “das Problem” ihrer Partei. Über Zeiler wisse sie noch nichts Inhaltliches, sie sei gespannt, wie er sich zu zentralen Themen positioniere. Diese drei Wortmeldungen sind bislang nur über einen einzelnen Medienbericht bekannt, der seinerseits ORF-Interviews und -Sendungsausschnitte zitiert; ein eigener ORF-Text mit diesen Aussagen wurde nicht eingesehen.
Doskozil bleibt ablehnend, Oktober-Treffen mit Zeiler ohne fixen Termin
Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, der sich zunächst nur zurückhaltend über sein Büro geäußert hatte, positioniert sich weiterhin klar ablehnend: Ein weiterer “linker” Nachfolger für Babler wäre aus seiner Sicht kein Gewinn für die Partei, geht aus einem Kurier-Bericht hervor. Auch in der jüngsten Berichtswelle Ende September wird bestätigt, dass sich unter den Länderorganisationen weiterhin einzig das Burgenland deutlich gegen Zeiler positioniert, während sich die meisten anderen Landesparteien bedeckt halten. Damit bleibt Doskozil einer der prominentesten parteiinternen Babler-Kritiker und zugleich ein Kritiker der Zeiler-Kandidatur.
Laut Hans Niessl, dem früheren burgenländischen Landeshauptmann, soll es im Oktober 2026 ein Treffen zwischen Doskozil und Zeiler geben, bei dem frühere gegenseitige Wortmeldungen ausgeräumt werden sollen. Niessl bekräftigte diese Ankündigung auch in einem am 27. September veröffentlichten Bericht. Aus Doskozils Büro hieß es dazu jedoch am selben Tag, man kenne die Entwicklungen im Wesentlichen aus den Medien und es gebe noch keinen fixen Termin für ein Treffen mit Zeiler. Ob damit eine grundsätzliche Bereitschaft zu einem Gespräch ohne festes Datum gemeint ist oder Niessls Ankündigung infrage gestellt wird, lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht klären – weder Doskozil noch Zeiler selbst haben sich dazu bislang direkt geäußert.
Drei frühere Landeshauptleute stärken Zeiler den Rücken
Während Doskozil ablehnt, äußert sich der frühere burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl in einem Interview mit der “Presse” ausdrücklich positiv über Zeiler. Die Idee eines SPÖ-Chefs Zeiler finde er “interessant”, sagte Niessl. Zeiler sei für ihn “ein Musterbeispiel dafür, was für ein Aufstieg einem durch Leistung gelingen kann” und entspreche dem Motto Bruno Kreiskys: “Leistung, Aufstieg, Sicherheit”. Er sei “der erfolgreichste Medienmanager Österreichs”, dem “nichts geschenkt” worden sei. Diesen Leistungsgedanken vermisse Niessl derzeit in der Politik der eigenen Partei; dadurch fühle sich die Mittelschicht von der SPÖ vernachlässigt.
Hinzu kommen ähnlich positive Wortmeldungen zweier weiterer Altlandeshauptleute. Der frühere steirische Landeshauptmann Franz Voves nannte Zeiler gegenüber der “Kleinen Zeitung” laut einem Presse-Zitat “eine große, seltene Chance – nicht nur für die SPÖ”: Er traue ihm zu, “Menschen jeden Alters eine neue, mitreißende Erzählung für eine gute Zukunft” anzubieten und damit “den Angstmachern von extrem rechts und extrem links entgegenzutreten”. Dass Zeiler als Medienmanager wohlhabend sei, wertet Voves nicht als Nachteil: Er könnte “woanders viel mehr verdienen”, wer dennoch für die Gemeinschaft arbeiten wolle, brauche dafür “eine Leidenschaft”. Voves selbst räumt allerdings ein, Zeiler nicht persönlich zu kennen.
Auch der frühere Kärntner Landeshauptmann Peter Ambrozy traut Zeiler laut demselben Bericht den SPÖ-Vorsitz zu: “Gerhard Zeiler ist ein fähiger Mann, nicht nur weil er im ORF war, sondern weil er sich im internationalen Mediengeschäft durchgesetzt hat.” Zugleich warnt er, eine reine Personalentscheidung reiche nicht: “Wenn sich das Klima in der Partei nicht ändert, bringt es auch nichts, dass wir nun eine neue Person in diese Position bringen.” Wichtig ist bei allen drei Wortmeldungen einzuordnen: Niessl, Voves und Ambrozy bekleiden aktuell keine Parteifunktion mehr, ihre Einschätzungen sind persönliche Meinungsäußerungen und keine offizielle Position der SPÖ oder ihrer Gremien. Zudem liegen die Aussagen von Voves und Ambrozy bislang nur über ein Presse-Zitat eines Kleine-Zeitung-Interviews vor, nicht über einen eigenen Volltext dieser Zeitung.
Kärntner Landesparteivorstand: Kein Bekenntnis, Forderung nach Bundes-Gipfel
Am 28. September tagte in Klagenfurt der Landesparteivorstand der Kärntner SPÖ – und lieferte damit den bislang deutlichsten Hinweis darauf, dass die amtierenden Landesparteien mit der offenen Personalfrage nicht zufrieden sind. Ein Bekenntnis zu Babler gab es ebenso wenig wie eines zu Zeiler. Stattdessen forderte das Gremium laut einer im Volltext vorliegenden Aussendung die Bundespartei auf, alle SPÖ-Landeschefs an einen Tisch zu holen: Gespräche darüber, wie es weitergehen könne und solle, seien “dringend nötig”. “Solche Fragen werden nicht über Medien, Interviews oder anonyme Zurufe entschieden”, heißt es in der Aussendung, die selbst weder Babler noch Zeiler namentlich erwähnt. “Was auf jeden Fall zu vermeiden ist, ist eine lange Phase der Unklarheit.” Verbindlich geklärt werden solle, ob und auf welchem statutarischen Weg überhaupt ein Verfahren zur Wahl des Bundesparteivorsitzes eingeleitet wird.
Dass es einen Kurswechsel brauche, gilt in der Kärntner SPÖ laut demselben Bericht als unstrittig – ob dieser zwingend auch einen Personalwechsel bedeutet, dagegen nicht. Landesgeschäftsführer David Pototschnig sagte dazu: “Mit 15 Prozent in den Umfragen müssen wir uns aber klar darüber sein, dass wir nicht mehr die große Partei sind, die wir einmal waren.” Die Regierung leiste grundsätzlich keine schlechte Arbeit, der “Karren” sei aber “dermaßen festgefahren”, dass man ihn derzeit kaum wieder in die Spur bekomme. Die genannten 15 Prozent sind – wie schon Zeilers eigene Einschätzung und die an anderer Stelle zitierte Standard-Angabe von rund 16 Prozent – eine unbelegte Einzelangabe ohne Institut oder Erhebungsdatum.
Innerhalb der Kärntner SPÖ zeigt sich dabei ein Generationenriss: Während sich die ältere Garde um Ex-Landeshauptmann Peter Ambrozy und Villachs Ex-Bürgermeister Helmut Manzenreiter für einen Wechsel an der Parteispitze ausspricht, geben sich die aktuellen Verantwortungsträger zurückhaltender. Ambrozys Position deckt sich damit inhaltlich mit seiner bereits an anderer Stelle über die “Presse” bekannten Einschätzung, Zeiler sei “ein fähiger Mann” – nun aber erstmals durch einen direkt eingesehenen Kleine-Zeitung-Bericht unabhängig bestätigt, wenn auch ohne die konkrete Zeiler-Zustimmung im selben Wortlaut zu wiederholen. Wie die Bundespartei auf den Kärntner Appell reagiert und ob es tatsächlich zu dem geforderten Treffen aller Landeschefs kommt, ist bislang nicht bekannt.
Landesparteichefs zwischen Zustimmung, Zurückhaltung und Schweigen
Auch abseits von Doskozils Position, den Sympathiebekundungen der drei Altlandeshauptleute und dem Kärntner Appell ergeben die Reaktionen aus den Bundesländern kein einheitliches Bild. Salzburgs Parteichef Peter Eder mahnte, die Personaldiskussionen müssten “endlich beendet” werden, ohne sich damit klar für oder gegen Zeiler zu stellen. Kärntens amtierender Landeshauptmann Daniel Fellner, der als Zeiler-Unterstützer gilt, äußerte sich öffentlich nicht. Am offensten zeigte sich Vorarlbergs Landesvorsitzender Mario Leiter, der Demokratie als “Wettbewerb der besten Ideen” bezeichnete.
Aus der Steiermark kamen weiterhin unterschiedliche Signale: Landtagsklubobmann Hannes Schwarz nannte Zeiler öffentlich eine “ernst zu nehmende Persönlichkeit”, ein Bericht der “Kleinen Zeitung” verortet in der steirischen SPÖ zugleich Skepsis gegenüber einem Wechsel – ob es sich dabei um eine breitere innerparteiliche Stimmung oder Einzelmeinungen handelt, lässt sich weiterhin nicht klären. Ein weiterer Bericht derselben Zeitung zitiert zudem einen früheren Kärntner SPÖ-Parteichef mit kritischen Worten zur Personaldebatte, ohne dass Identität oder genauer Wortlaut daraus ersichtlich wären. Ergänzend berichtet ORF Steiermark laut einer Kurzzusammenfassung, die steirische SPÖ rufe zu “Geschlossenheit und Ruhe” auf; demnach kritisiert unter anderem der Vorsitzende des SPÖ-Pensionistenverbands Steiermark die aktuelle Debatte als unnötig und sieht Babler weiterhin als geeigneten Parteichef. Da dieser Bericht bislang nur über eine Zusammenfassung, nicht im Volltext, vorliegt, bleibt offen, wie repräsentativ diese Position für die gesamte steirische Landespartei ist. Die Koalitionspartner ÖVP und NEOS wollten die parteiinternen SPÖ-Vorgänge weiterhin nicht kommentieren.
Wofür Zeiler inhaltlich steht
In der ORF-Sendung “ZiB 2” vom 27. September präsentierte Zeiler laut übereinstimmenden Berichten von Der Standard und ORF erstmals in konkreterer Form drei Ziele, die er im Falle einer Übernahme des Vizekanzleramts und SPÖ-Vorsitzes verfolgen würde: An erster Stelle stehe die Senkung der Lebenshaltungskosten – man müsse inflationssenkend eingreifen und sozialen Wohnraum schaffen, wofür das Geld bei den Ländern vorhanden sei. Zweitens brauche es mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit, etwa durch mehr Stellen für Kassenärztinnen und Kassenärzte sowie den Ausbau von Ganztagsschulen. Drittens könne die Regierung dafür Geld freimachen, indem sie “Doppelgleisigkeiten” bei Förderungen beseitige. Auf konkrete Zahlen oder Umsetzungsschritte ging der 71-Jährige laut Standard nicht ein. Der Auftritt ist dadurch zwar durch zwei unabhängige Medien belegt, bleibt inhaltlich aber ausdrücklich kursorisch.
Ein weiterer, laut Presse-Bericht zitierter Interviewauszug mit der “Kronen Zeitung” ergänzt dieses Bild um eine Selbstpositionierung Zeilers gegenüber Babler: Er sehe sich zwar “links der Mitte”, zugleich aber “wirtschaftlich orientiert” und als “Pragmatiker” – Priorität Nummer eins sei Wirtschaftswachstum. Demselben Bericht zufolge sieht sich Zeiler, auch mit Blick auf sein Alter von 71 Jahren, selbst eher als Übergangslösung denn als langfristigen Parteichef. Ein Bericht des Standard nennt zudem weitere Anhaltspunkte: Demnach rät Zeiler von einer Vermögenssteuer ab, hält aber eine Erbschaftssteuer für sinnvoll, zeigt sich skeptisch gegenüber der immerwährenden Neutralität und befürwortet eine Sonntagsöffnung des Handels. Sollten sich diese Positionen bestätigen, könnten sie Zeiler in Teilen der SPÖ, die traditionell für Vermögenssteuern und gegen eine Lockerung der Neutralität eintritt, anecken lassen. Da ein Teil dieser Angaben bislang ausschließlich über zitierende Medienberichte bekannt ist und weder ein Standard- noch ein Krone-Volltext im Detail eingesehen wurde, bleibt die Einordnung insoweit vorläufig.
In einem weiteren, am 28. September veröffentlichten Bericht des Standard über denselben ZiB-2-Auftritt vom Vorabend – moderiert von Margit Laufer – wird Zeiler mit zusätzlichen, pointierten Aussagen zitiert: Er wolle als SPÖ-Chef “die Wirtschaft entfesseln” und verglich den Staat in Sachen Bürokratie mit einem “Sumoringer”. Auf mögliche Vorbehalte gegen einen wohlhabenden Medienmanager an der Spitze einer sozialdemokratischen Partei reagierte er mit dem Satz “Ich bin kein Marxist”. Zur Lage der Partei sagte Zeiler laut demselben Bericht, man “kämpfe mit der Zweistelligkeit” und grundle in Umfragen derzeit bei rund 15 Prozent – eine Selbsteinschätzung Zeilers, keine unabhängig ausgewiesene Erhebung mit Institut und Datum. Damit kursieren inzwischen drei unterschiedliche, jeweils einzelquellenbasierte Prozentangaben zur aktuellen Umfragelage der SPÖ: rund 16 Prozent laut Standard, rund 15 Prozent nach Zeilers eigener Einschätzung und ebenfalls “15 Prozent” laut Kärntens Landesgeschäftsführer Pototschnig – keine davon mit Institut oder Erhebungsdatum belegt.
Vorgeschichte
Bereits vor der SPÖ-Präsidiumsklausur im niederösterreichischen Mauerbach Anfang September hatten mehrere Medien über Gerüchte berichtet, wonach ein erneuter Anlauf zur Ablöse von Parteichef Andreas Babler unternommen werden könnte – mit Gerhard Zeiler als kolportiertem Nachfolgekandidaten, wie im bisherigen Bericht zur Mauerbach-Klausur dargestellt. Damals hatte sich Zeiler öffentlich noch nicht geäußert. Mit dem Interview vom 25. September wurde diese Frage beantwortet, Zeiler bestätigte seine Ambitionen selbst. Seither hat sich die Gemengelage weiter ausdifferenziert: Babler hat mit Verweis auf seinen “klaren Auftrag” mehrfach öffentlich erklärt, im Amt bleiben zu wollen, und bezeichnet Zeilers Ambitionen als “derzeit nur Gerüchte”. Staatssekretärin Schmidt und Frauenvorsitzende Holzleitner stellten sich demonstrativ hinter ihn, während GPA-Chefin Teiber sich zurückhält. Doskozil bleibt ablehnend, während die früheren Landeshauptleute Niessl, Voves und Ambrozy Zeiler in unterschiedlich deutlichen Worten loben – ein für Oktober angekündigtes Treffen zwischen Doskozil und Zeiler steht laut Doskozils Büro jedoch noch ohne fixen Termin. Am 27. September nannte Zeiler in der “ZiB 2” erstmals drei programmatische Ziele und ergänzte dies laut einem weiteren Bericht um pointierte Aussagen zu Wirtschaft, Bürokratie und seiner eigenen politischen Verortung. Am 28. September meldete sich mit dem Kärntner Landesparteivorstand erstmals ein Landesgremium der SPÖ offiziell zu Wort, ohne sich festzulegen, und forderte stattdessen ein Spitzentreffen aller Landeschefs. Eine formelle Kandidatur, ein solches Treffen oder ein Ausgang des Konflikts sind weiterhin nicht absehbar.


