In der Starlink-Bodenstation Wola Krobowska südlich von Warschau ist am Mittwochabend ein Brand ausgebrochen, der Antennen, eine Stromversorgungsstation und einen Generator beschädigte. Die Feuerwehr löschte den Brand rasch, die Anlage des staatlichen Betreibers Exatel blieb einsatzfähig. Polens Digitalminister Krzysztof Gawkowski erklärte, der Brand sei gezielte Sabotage gewesen, die die Station außer Betrieb setzen sollte, und ordnete den Vorfall in den Kontext hybrider Kriegsführung ein. Ob Russland dahintersteckt, ließ er offen.
Die Station leitet Internetverkehr unter anderem in die Ukraine und wird auch von SpaceX-Starlink-Systemen genutzt, die für die Kommunikation der ukrainischen Armee wichtig sind. Wie stark der Zugang tatsächlich beeinträchtigt war, wird unterschiedlich dargestellt: Während ein Bericht von einer tatsächlichen Störung für mehrere Institutionen spricht, beschreiben andere Quellen einen möglichen Ausfall – etwa bei Geldautomaten – nur als vermiedenes Risiko.
Offen bleibt, wer für den Brand verantwortlich ist. Polnische Sicherheitsbehörden sollen laut Berichten ermitteln, ein Ergebnis liegt noch nicht vor. Auch eine russische Reaktion oder eine technische Bewertung des Schadens fehlt bislang. Polen hat Russland seit 2022 wiederholt Sabotage vorgeworfen, in Warschau und den baltischen Staaten wächst die Sorge vor Provokationen gegen NATO-Gebiet.
Was passiert ist
In der Nacht auf Donnerstag brach in einer Bodenstation des Satelliteninternetdienstes Starlink im Ort Wola Krobowska, rund 50 Kilometer südlich von Warschau, ein Brand aus. Betroffen waren Antennen sowie die Stromversorgungsstation und der Generator der Anlage. Die Feuerwehr konnte den Brand rasch löschen, die Station blieb laut übereinstimmenden Berichten weiterhin einsatzfähig. Betreiber der Anlage ist das staatliche polnische Telekommunikationsunternehmen Exatel, das über die Station unter anderem Internetdatenverkehr durch Polen und in die Ukraine leitet. Die Anlage wird zudem von den SpaceX-Systemen genutzt, die über Starlink-Terminals Internetverbindungen bereitstellen – ein Dienst, der für die Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte im Krieg gegen Russland eine wichtige Rolle spielt.
Was der Minister sagt
Polens für Digitalisierung zuständiger Vizepremier Krzysztof Gawkowski erklärte gegenüber dem Sender TVP Info, der Brand sei durch Sabotage ausgelöst worden und gezielt so konzipiert gewesen, dass er die Station außer Betrieb setzt. Er ordnete den Vorfall in den Kontext einer „nächsten Phase der hybriden Kriegsführung“ ein. Zugleich betonte er, man könne nicht klar sagen, ob Moskau hinter der Tat stehe – die Vorgehensweise füge sich aber in ein Muster, das er der russischen Angriffsdoktrin zuschreibt. Nach Berichten des polnischen Portals rp.pl wurden der Inlandsgeheimdienst ABW und die Ermittlungsbehörde CBŚP mit dem Fall befasst; ein Ergebnis der Prüfung liegt bislang nicht vor.
Uneinheitliche Angaben zu den Auswirkungen
Bei der Frage, welche konkreten Folgen der Brand für die Internetversorgung hatte, weichen die Berichte voneinander ab. Laut ORF sagte der Minister, durch das Feuer sei der Internetzugang für mehrere Institutionen, darunter die ukrainische Armee, tatsächlich gestört worden. Die Presse und die Kleine Zeitung stellen einen möglichen Ausfall dagegen als hypothetisches Szenario dar: Ein länger andauernder Ausfall der Station hätte demnach zu Problemen bei der Internetversorgung und etwa beim Betrieb von Geldautomaten in Polen führen können – vermieden worden sei dies durch die rasche Löschung des Feuers. Welche der beiden Darstellungen den tatsächlichen Ablauf präziser wiedergibt, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht abschließend klären.
Was unklar bleibt
Offen ist vor allem, wer für den Brand verantwortlich ist und ob sich der Sabotage-Verdacht des Ministers in einer Ermittlung bestätigt. Weder eine forensische Auswertung noch eine Stellungnahme der Sicherheitsbehörden zum Stand der Prüfung liegt bislang vor. Auch eine Reaktion oder ein Dementi russischer Stellen sowie eine Einschätzung von Exatel oder SpaceX zum tatsächlichen Ausmaß der Störung fehlen in der bisherigen Berichterstattung. Unklar bleibt zudem der genaue Sachschaden an der Anlage.
Einordnung
Polen als NATO- und EU-Mitglied hat Russland seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 wiederholt Sabotageakte vorgeworfen. In Polen und den baltischen Staaten wächst die Sorge, Russland könnte angesichts militärischer Rückschläge in der Ukraine gezielte Provokationen gegen NATO-Gebiet unternehmen. Zuletzt waren wiederholt Drohnen über polnischem und westukrainischem Gebiet nahe der Grenze gesichtet worden, auch ein Zug zwischen Kiew und Warschau soll angegriffen worden sein. Der aktuelle Vorfall reiht sich in diese Wahrnehmung ein, auch wenn eine belastbare Zuordnung der Verantwortung bislang aussteht.

