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Ärztinnen und Ärzte, die im Gespräch Emotionen zeigen oder persönliche Erfahrungen teilen, wirken auf Patientinnen und Patienten vertrauenswürdiger und mitfühlender – und das, ohne an Professionalität einzubüßen. Das zeigt eine Studie der Universität Bern, für die über 1.500 Personen aus der Schweiz fiktive Gesprächsszenarien beurteilten. Zeigte eine Ärztin oder ein Arzt etwa Traurigkeit mit Tränen in den Augen, stieg das wahrgenommene Mitgefühl deutlich. Auch das Teilen einer passenden persönlichen Erfahrung, etwa über die Erkrankung eines nahestehenden Menschen, erhöhte die Bewertungen für Vertrauen und Professionalität signifikant.

Laut Erstautor Robert Staeck widerlegen die Ergebnisse die verbreitete Annahme, emotionale Äußerungen würden die professionelle Wirkung schmälern. Studienleiterin Sofia Zambrano zieht daraus den Schluss, emotionale Kompetenz sollte fix in der medizinischen Ausbildung verankert werden. Die Studie wurde im Fachjournal Journal of General Internal Medicine veröffentlicht.

Offen bleiben Details wie das genaue Erscheinungsdatum, die Studienmethodik im Detail und quantifizierte Effektgrößen. Auch räumen die Forschenden selbst ein, dass die hypothetischen Szenarien und die begrenzte kulturelle Vielfalt der Schweizer Stichprobe die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränken.

Was passiert ist

Ärztinnen und Ärzte, die im Behandlungsgespräch Emotionen zeigen oder persönliche Erfahrungen einbringen, gelten gemeinhin als Risiko für die eigene Professionalität. Eine Studie der Universität Bern kommt nun zum gegenteiligen Schluss: Solche Äußerungen fördern das Vertrauen der Patientinnen und Patienten, ohne die wahrgenommene Professionalität zu schmälern. Für die Untersuchung beurteilten mehr als 1.500 Personen aus der Schweiz fiktive Gesprächsszenarien zwischen Ärztin oder Arzt und Patientin oder Patient, wie die Universität Bern laut übereinstimmenden Medienberichten mitteilte.

Was die Studie zeigt

Zeigte eine Ärztin oder ein Arzt in den Szenarien etwa Traurigkeit und hatte dabei Tränen in den Augen, stieg das wahrgenommene Mitgefühl der Teilnehmenden deutlich. Auch das Einbringen einer passenden persönlichen Erfahrung – etwa über die Erkrankung einer nahestehenden Person – steigerte die Bewertungen für Vertrauen und Professionalität signifikant. Der zentrale Befund: Emotionale Äußerungen verschlechterten die wahrgenommene Professionalität in keinem der untersuchten Szenarien. Erstautor Robert Staeck wird in der Mitteilung der Universität mit den Worten zitiert, dies widerlege die verbreitete Befürchtung, der Ausdruck von Gefühlen sei ein Risiko für die eigene Professionalität. Studienleiterin Sofia Zambrano leitet daraus ab, emotionale Kompetenzen sollten als Kernkompetenz fest in die medizinische Ausbildung integriert werden. Die Studie wurde laut vorliegenden Berichten im Fachjournal Journal of General Internal Medicine veröffentlicht.

Studiendesign und eingeräumte Grenzen

Die Forschenden weisen laut den vorliegenden Berichten selbst auf zwei Einschränkungen hin: Die Ergebnisse beruhen auf hypothetischen, also nicht real beobachteten Gesprächssituationen, und die kulturelle Vielfalt der Schweiz wird von der befragten Stichprobe nur begrenzt abgebildet. Wie genau die Szenarien konstruiert und validiert wurden, wie groß die gemessenen Effekte in Zahlen ausfielen und ob sich die Ergebnisse nach Alter, Geschlecht oder eigener Patientenerfahrung der Befragten unterscheiden, geht aus den vorliegenden Quellen nicht hervor.

Was unklar bleibt

Weder das genaue Publikationsdatum noch eine vollständige Zitierung oder ein DOI der Studie im Journal of General Internal Medicine liegen vor. Auch fehlen bislang Reaktionen aus der medizinischen Fachwelt oder von Kliniken auf die Befunde. Ob und wie die Ergebnisse in die Aus- oder Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten in Österreich oder anderen Ländern einfließen könnten, ist offen.

Einordnung

Die Debatte um emotionale Nähe im Behandlungsgespräch ist nicht neu: Lange galt professionelle Distanz als Ideal ärztlicher Kommunikation. Die Berner Untersuchung reiht sich in eine wachsende Zahl von Arbeiten zur Rolle von Empathie im Gesundheitswesen ein und liefert dafür Daten aus einer für Schweizer Verhältnisse vergleichsweise breiten Befragung. Da bislang nur eine ausführliche Quelle Zitate und Namen der Studienautorinnen und -autoren wiedergibt, lässt sich die genaue Einordnung der Aussagen im Kontext der Gesamtstudie derzeit nicht abschließend prüfen.