Eine Studie der Universität für Weiterbildung Krems (UWK) zeigt: Landwirtinnen und Landwirte in Österreich sind psychisch deutlich stärker belastet als die Allgemeinbevölkerung. Ein Team um Elke Humer befragte zwischen Oktober 2024 und Februar 2025 rund 2.000 Landwirte online und verglich die Angaben mit einer repräsentativen Stichprobe erwachsener Österreicherinnen und Österreicher. Die Landwirte berichteten signifikant häufiger von Depressionen, Angstzuständen, Schlaflosigkeit, Stress und Suizidgedanken. Als Ursachen nennt das Forschungsteam etwa extreme Wetterereignisse, schwankende Marktbedingungen, geringe Gewinnspannen und unregelmäßige Arbeitszeiten – Belastungen, die der heurige Dürre-Sommer in Österreich zusätzlich sichtbar gemacht hat.
Mehrere Medien verorten die Studie im Fachjournal „Scientific Reports“. Eine eigene Recherche fand dazu eine Publikation mit exakt passenden Eckdaten im Journal „Health Science Reports“ – ein Hinweis, dass die Journal-Angabe in der Berichterstattung möglicherweise ungenau ist. Stellungnahmen von Landwirtschaftskammer oder Fachleuten zur Einordnung liegen bislang nicht vor.
Wer selbst betroffen ist: Die Telefonseelsorge ist unter 142 rund um die Uhr kostenlos erreichbar, für junge Menschen zusätzlich Rat auf Draht unter 147.
Was die Studie zeigt
Landwirte in Österreich sind einer aktuellen Studie zufolge psychisch deutlich stärker belastet als der Bevölkerungsdurchschnitt. Ein Forschungsteam um Elke Humer vom Department für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität für Weiterbildung Krems (UWK) befragte zwischen Oktober 2024 und Februar 2025 rund 2.000 österreichische Landwirtinnen und Landwirte online und verglich die Ergebnisse mit einer repräsentativen Stichprobe erwachsener Menschen in Österreich. Landwirte gaben demnach signifikant höhere Werte für Depressionen, Angstzustände, Schlaflosigkeit und wahrgenommenen Stress an als die Vergleichsgruppe. Zudem berichteten sie der Studie zufolge häufiger von Suizidgedanken als die Allgemeinbevölkerung. Bei Alkoholmissbrauch zeigte sich laut den vorliegenden Berichten hingegen ein anderes Bild – die Quellen liefern dazu aber keine abschließenden Details.
Woher die Belastung kommt
Das Autorenteam beschreibt Landwirtschaft in der Arbeit als „stressreichen Beruf, in dem viele Risikofaktoren außerhalb der Kontrolle der Landwirte liegen“. Genannt werden unter anderem extreme Wetterereignisse, schwankende Marktbedingungen, geringe Gewinnspannen, die Gefahr von Tier- und Pflanzenkrankheiten sowie unregelmäßige Arbeitszeiten. Der heurige Sommer mit langanhaltender Dürre, über den „Neue Nachrichten“ bereits im Zusammenhang mit der österreichweiten Hitzebilanz 2026 berichtet hat, wird in der Berichterstattung als aktuelles Beispiel für solche Belastungen angeführt: In Niederösterreich mussten wegen Futterknappheit zusätzlich rund 40.000 Heuballen aus Deutschland zugekauft werden. Weltweit gebe die psychische Gesundheit von Landwirten laut der Studie „zunehmend Anlass zur Sorge“ – mit möglichen Folgen nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für landwirtschaftliche Familienbetriebe, Tierwohl und die Nachhaltigkeit im ländlichen Raum.
Was eine eigene Recherche ergänzt
Mehrere Medien nennen als Publikationsort das Fachjournal „Scientific Reports“. Eine eigene Recherche nach der zugrundeliegenden Arbeit fand jedoch eine 2026 erschienene Publikation mit exakt passenden Eckdaten – Erstautorin Elke Humer, rund 2.006 befragte Landwirtinnen und Landwirte, Erhebungszeitraum Oktober 2024 bis Februar 2025, eingesetzte Messinstrumente für Depression, Angst, Schlaflosigkeit und Stress – im Journal „Health Science Reports“ des Verlags Wiley, nicht in „Scientific Reports“. Dort finden sich auch konkretere Zahlen: rund 28 Prozent der Landwirte mit auffälligen Depressionswerten gegenüber rund 21 Prozent in der Vergleichsgruppe, bei Angstzuständen rund 31 gegenüber 15 Prozent, bei Schlaflosigkeit rund 15 gegenüber 9 Prozent. Diese Detailzahlen stammen nicht aus dem ursprünglichen Nachrichten-Cluster, sondern aus einer zusätzlichen Recherche über Datenbank-Metadaten und wurden nicht im Volltext der Originalarbeit gegengeprüft – sie sind daher mit Vorsicht zu lesen.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, wie es zu der abweichenden Journal-Angabe in der Medienberichterstattung gekommen ist. Ebenso fehlen in den vorliegenden Quellen Stellungnahmen von Landwirtschaftskammer, Bauernverbänden oder Fachleuten aus Psychiatrie und Arbeitsmedizin zur Einordnung der Ergebnisse. Wie repräsentativ die freiwillige Online-Stichprobe für die Gesamtheit der österreichischen Landwirtschaft ist und welche konkreten Unterstützungsmaßnahmen aus der Studie folgen sollen, ist ebenfalls nicht abschließend geklärt.
Wo es Hilfe gibt
Berichte über psychische Belastung und Suizidgedanken können bei Menschen in Krisensituationen belastend wirken. Die österreichweite Telefonseelsorge ist rund um die Uhr und kostenlos unter der Nummer 142 erreichbar, für Kinder und Jugendliche bietet „Rat auf Draht“ unter der Nummer 147 zusätzliche Unterstützung.

