Fünf Tage nach der schweren Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet ist die Zahl der bestätigten Todesopfer auf insgesamt 750 gestiegen: Der nepalesische Katastrophenschutz meldete 734 geborgene Leichen in Nepal, chinesische Behörden bezifferten die Toten im Katastrophengebiet in der Region Tibet mit 16. Damit hat sich die Zahl gegenüber dem Vortag (mindestens 616 in Nepal, rund 623 gesamt) deutlich erhöht; unklar bleibt, ob die 734 in Nepal geborgenen Leichen bereits vollständig identifizierten Todesopfern entsprechen. Laut einer Kurzmeldung warnt Nepal zudem erneut vor weiteren Katastrophen in der Region – welche konkrete Gefahr damit gemeint ist, wird nicht spezifiziert; ein Zusammenhang mit der bereits bekannten Gefahr am neu entstandenen Barriere-See oder am Fluss Lhende Khola ist denkbar, aber nicht belegt. Mehr als 2.500 Menschen gelten weiterhin in Tibet und Nepal zusammen als vermisst, eine Aktualisierung dieser Zahl liegt nicht vor. Im weit entfernten Distrikt Chitwan an der Grenze zu Indien wurden 233 angeschwemmte Leichen geborgen, von denen bislang erst vier identifiziert werden konnten; Behörden ordneten DNA-Proben vor der Bestattung an, nicht identifizierte Opfer sollen gemeinsam im Ort Devghat beigesetzt werden. Wegen der zunehmenden Verwesung der Leichen sowie beschädigter Sanitäranlagen und kontaminierter Trinkwasserquellen warnen Medienberichte vor einem steigenden Risiko für Infektionen, Durchfallerkrankungen und Cholera – eine allgemeine Gefahreneinschätzung, keine formelle Warnung einer benannten Gesundheitsbehörde.
Nepals Außenminister Shishir Khanal erklärte, sein Land habe gezielte statt allgemeine ausländische Hilfe erbeten: vor allem technische Unterstützung bei der Suche nach in Tunneln von Wasserkraftwerken eingeschlossenen Arbeitern, beim Wiederaufbau von Verkehrsverbindungen sowie bei Identifizierung und Lagerung der Toten. Ein Rettungsteam aus Indien ist eingetroffen, eines aus China wird erwartet; wegen des schwierigen Geländes erreichen Helfer das Gebiet bislang überwiegend auf dem Landweg. Nach chinesischen Angaben vom 29. August war die Gefahr einer erneuten Flutwelle am neu entstandenen Barriere-See beim Fluss Purepu Tsangpo zuletzt leicht gesunken, da der See laut Satellitenbildern schrumpft und Wasser langsam abfließt – eine Einschätzung, die neben einer älteren Meldung steht, wonach derselbe See bereits am 28. August teilweise durchgebrochen sei und Evakuierungen ausgelöst habe; wie beides zusammenhängt, bleibt unklar.
Weiterhin gilt: Die US-Erdbebenwarte USGS hatte die Ursache bereits geklärt – kein Erdbeben, sondern ein Gletscherabbruch mit nachfolgender Eis- und Gerölllawine. Mehr als 5000 Rettungskräfte sind in Nepal im Einsatz, China entsandte zusätzlich 111 Feuerwehr-Experten, und international laufen Nothilfemaßnahmen der USA, von CARE sowie von Jugend Eine Welt/Don Bosco an. Viele Opfer und Vermisste befanden sich einem Medienbericht zufolge auf einer Pilgerreise zum heiligen Berg Kailash; US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Flut öffentlich als beispiellos zerstörerisch – eine politische Einzeläußerung, keine Fachbewertung. Offen bleiben die endgültige Opferbilanz, die Erklärung für den Sprung der Vermisstenzahl, die genaue Bedeutung von Nepals neuer Katastrophenwarnung, der Ausgang der Barriere-See-Gefahr sowie die konkrete Umsetzung der angekündigten internationalen Hilfen.
Was passiert ist
Im Grenzgebiet zwischen Nepal und der chinesischen Region Tibet hat eine schwere Sturzflut Dörfer weggespült und Straßen, Brücken sowie Kraftwerke beschädigt. Fünf Tage nach dem Ereignis ist die Bilanz weiterhin dramatisch: Die Zahl der bestätigten Todesopfer ist laut nepalesischem Katastrophenschutz und chinesischen Behörden auf insgesamt 750 gestiegen – 734 in Nepal geborgene Leichen sowie 16 Tote in der Region Tibet. Zudem warnt Nepal laut einer aktuellen Kurzmeldung erneut vor weiteren Katastrophen in der Region, ohne dass die vorliegende Quelle spezifiziert, welche konkrete Gefahr damit gemeint ist. Wie berichtet, hatte sich das Ausmaß der Katastrophe bereits in den ersten Tagen mehrfach sprunghaft verschärft; das setzt sich mit der neuen Zahl fort. Die zuletzt gemeldete Vermisstenzahl von mehr als 2.500 wurde in der aktuellen Quellenlage nicht aktualisiert.
Zahl der Toten steigt auf 750
Die Bilanz der Katastrophe hat sich seit dem 26. August wiederholt verändert. Nach zunächst rund neun Toten am ersten Tag stieg die Zahl über mindestens 72, rund 98, mindestens 165, rund 162, 469/472, mindestens 538 in Nepal am 28. August bis auf mindestens 616 in Nepal (rund 623 gesamt bzw. laut einem Agenturbericht bereits 626 in Nepal allein) am 29. August. Am 30. August meldete der nepalesische Katastrophenschutz 734 geborgene Leichen in Nepal; zusammen mit 16 von chinesischen Behörden bestätigten Toten in der Region Tibet ergibt sich eine Gesamtzahl von 750 Todesopfern. Offen bleibt dabei, ob die 734 „geborgenen Leichen“ bereits vollständig identifizierten, bestätigten Toten entsprechen oder auch noch nicht identifizierte Überreste umfassen – die vorliegende Quelle differenziert das nicht. Angesichts weiterhin mehr als 2.500 vermisster Menschen ist mit einem möglichen weiteren Anstieg zu rechnen. Das Österreichische Rote Kreuz hatte am 26. August in einer Spendenaufruf-Aussendung von bis zu 100 Todesopfern gesprochen; diese frühe Zahl ist von den seither vielfach gestiegenen Behördenangaben nun weit überholt.
Nepal warnt erneut vor weiteren Katastrophen in der Region
Nach den bisherigen Angaben soll Nepal erneut vor weiteren Katastrophen in der Region warnen. Eine kurze Meldung nennt diese Warnung, ohne sie näher zu erläutern: Weder wird eine konkrete Gefahr benannt, noch eine zitierte Person oder Behörde genannt. Ein Zusammenhang mit der bereits zuvor berichteten Gefahr am neu entstandenen Barriere-See beim Fluss Purepu Tsangpo oder mit der früheren Warnung vor einer möglichen zweiten Flutwelle am Fluss Lhende Khola erscheint naheliegend, wird in der vorliegenden Quelle jedoch nicht bestätigt. Der Artikel hält diesen Punkt deshalb bewusst offen, statt ihn vorschnell mit bereits bekannten Gefahrenherden gleichzusetzen.
Vermisste: Sprung auf über 2.500 – Diskrepanz bleibt ungeklärt
Nachdem Behörden am 27. August noch von fast 1500 Vermissten gesprochen hatten und am 28. August getrennte Teilzahlen von 977 (Nepal) und 558 (China) kursierten, die in Summe bereits höher lagen als die zugleich genannte Gesamtzahl von rund 1400, wurde die Zahl der Vermissten am 29. August mit mehr als 2.500 (Tibet und Nepal zusammen) angegeben; ein Agenturbericht nannte sogar bis zu 3.000. Dieser deutliche Sprung wird in den vorliegenden Quellen nicht erklärt – möglich sind eine geänderte Zählweise, eine nachträgliche Zusammenführung bislang getrennter Register oder schlicht eine im Zuge fortschreitender Erhebungen aktualisierte Schätzung. Eine Aktualisierung dieser Vermisstenzahl im Zuge der neuen Todesopferzahl von 750 liegt in der aktuellen Quellenlage nicht vor, obwohl mit weiteren geborgenen und identifizierten Leichen ein Rückgang der Vermisstenzahl naheliegen würde. Nach bisherigen Informationen des österreichischen Außenministeriums gab es keine Hinweise auf betroffene Österreicherinnen oder Österreicher; ein aktualisierter Stand dazu liegt weiterhin nicht vor.
Identifizierung der Toten: Chitwan, DNA-Proben und Gesundheitsrisiken
Der Zustand der geborgenen Leichen erschwert die Identifizierung zunehmend. Im südlich gelegenen Distrikt Chitwan an der Grenze zu Indien – viele Kilometer von der eigentlichen Katastrophenregion entfernt – wurden 233 von der Flut angeschwemmte Leichen geborgen; bis zum 29. August konnten laut Bezirksverwaltung erst vier davon identifiziert werden. Nach Angaben des Bezirksbeamten Ganesh Aryal verwesen die Leichen und menschlichen Überreste zunehmend, was auch als Risiko für die öffentliche Gesundheit gilt. Die Behörden ordneten deshalb an, vor der Bestattung jeweils DNA-Proben von Toten und Überresten zu nehmen und nicht identifizierte Opfer an einem gemeinsamen Ort im nepalesischen Devghat beizusetzen. Unabhängig von möglichen Erregern aus Leichenteilen steigt in den Überflutungsgebieten laut Medienberichten das Risiko etwa für Durchfallerkrankungen: Überschwemmungen können Abwässer und Fäkalien in Trinkwasserquellen spülen, Latrinen beschädigen und Kläranlagen überfluten; in Notunterkünften kann es zudem an Hygiene mangeln. Als eine bei solchen Katastrophen häufiger auftretende Erkrankung wird in diesem Zusammenhang Cholera genannt. Es handelt sich dabei um eine allgemeine Gefahreneinschätzung aus der Medienberichterstattung, nicht um eine formelle Warnung einer benannten Gesundheitsbehörde; ob und in welchem Ausmaß tatsächlich Krankheitsfälle auftreten, ist offen.
Nepal bittet um gezielte statt allgemeine Auslandshilfe
Ausländische Helfer trafen zur Unterstützung der Sucharbeiten im Katastrophengebiet ein: Eine Rettungsmannschaft aus dem Nachbarland Indien sei bereits eingetroffen, ein weiteres Team aus China werde bald erwartet, sagte Außenminister Shishir Khanal in Kathmandu. Anders als zu Beginn der Katastrophe gehe es dabei nicht mehr um allgemeine Rettungskapazitäten, sondern um gezielte, technische Unterstützung: Die Teams sollen vor allem bei der Suche nach Arbeitern helfen, die in Tunneln an Wasserkraftwerken entlang der betroffenen Flüsse eingeschlossen sind, außerdem bei der Wiederherstellung von Verkehrsverbindungen sowie bei Identifizierung und Lagerung der Toten. Bisher erreichten die Rettungskräfte das Katastrophengebiet laut Khanal überwiegend auf dem Landweg, weil das Gelände für Hubschraubereinsätze schwierig ist; aufgrund dieser komplexen Geografie und der Auswirkungen der Überschwemmungen gestalteten sich Such- und Rettungsmaßnahmen weiterhin schwierig, so Khanal.
Barriere-See: Risiko laut China leicht gesunken, Vorgeschichte bleibt unklar
Die Gefahr einer erneuten Flutwelle war nach chinesischen Angaben vom 29. August zuletzt etwas gesunken. Der durch Geröllmassen entstandene See am Fluss Purepu Tsangpo sei geschrumpft, teilten chinesische Behörden mit; Satellitenaufnahmen deuteten darauf hin, dass das Wasser langsam abfließe, berichtete der staatliche Sender CCTV unter Berufung auf das Ministerium für Wasserressourcen. Diese Einschätzung steht allerdings neben einer älteren Meldung: Ein Bericht der indischen Nachrichtenagentur ANI/The Tribune hatte bereits für den 28. August einen teilweisen Durchbruch desselben Sees gemeldet, in dessen Folge Menschen im nepalesischen Trishuli-Gebiet erneut evakuiert wurden und Hubschrauber für eine Luftaufklärung bereitgestellt wurden. Wie sich diese frühere Meldung zur berichteten Verkleinerung des Sees und dem als gesunken eingeschätzten Risiko genau verhält, lässt sich aus den vorliegenden Quellen weiterhin nicht eindeutig klären. Die am 30. August gemeldete, nicht näher spezifizierte Warnung Nepals vor weiteren Katastrophen in der Region könnte an diese Barriere-See-Problematik anknüpfen – ein solcher Zusammenhang wird in der Quelle jedoch nicht bestätigt und bleibt Spekulation.
Rettungseinsatz und internationale Hilfe
Mehr als 5000 Rettungskräfte von Armee und Polizei sind in Nepal im Einsatz. China entsandte zusätzlich ein Flugzeug mit 111 Feuerwehr-Experten aus Sichuan und Peking zum Flughafen Tingri; von dort benötigen die Helfer mit dem Auto fünf bis sechs Stunden bis zum überfluteten Grenzübergang Gyirong. China hatte zuvor nach eigenen Angaben mindestens 574 Rettungskräfte an den Grenzübergängen eingesetzt, Indien erklärte, eng mit Kathmandu zusammenzuarbeiten, und Südkorea kündigte ein Schnellreaktionsteam an; hinzu kommen ein indisches und ein bald erwartetes chinesisches Team (siehe oben). International laufen zudem mehrere Nothilfemaßnahmen an: Die USA sagten Nepal einem Medienbericht zufolge 500.000 US-Dollar an Nothilfe zu, wobei dazu bislang nur eine Schlagzeile ohne gelesenen Volltext vorliegt. Die Hilfsorganisation CARE erklärte in einer Presseaussendung, sie bereite ebenfalls Nothilfe für die Betroffenen vor, und rief zu Spenden für die Katastrophenhilfe auf. Die Organisation Jugend Eine Welt unterstützt laut eigener Presseaussendung ihren Don-Bosco-Projektpartner in Nepal vor Ort bei der Nothilfe; benötigt würden vor allem Lebensmittel, Trinkwasser, Medikamente, Kleidung, Decken und Notunterkünfte sowie in weiterer Folge Hilfe beim Wiederaufbau. Nach Angaben von Don Bosco blieben die eigenen Einrichtungen selbst unbeschädigt, richteten aber Anlaufstellen ein, an denen betroffene Familien mit Nahrung, sauberem Wasser und Medikamenten versorgt werden.
Ursache geklärt: Gletscherabbruch statt Erdbeben
Die zuvor offene Ursachenfrage ist aus Sicht der US-Erdbebenwarte USGS geklärt. Die Behörde hatte zunächst ein Erdbeben der Stärke 4,4 nahe der Grenze zwischen Nepal und China gemeldet und diese Einschätzung später auf ein seismisches Ereignis der Stärke 5,2 korrigiert. Am 27. August erklärte die USGS schließlich, weitere Analysen hätten ergeben, dass es sich dabei nicht um ein Erdbeben gehandelt habe, sondern um einen Gletscherabbruch mit anschließender Eis- und Gerölllawine, die die Sturzflut auslöste. Die zuvor ebenfalls diskutierte Möglichkeit eines Gletschersee-Ausbruchs (GLOF) wird in den neueren Berichten nicht mehr genannt.
Wer betroffen ist: Pilgerreise, Augenzeugenberichte und internationale Reaktionen
Einem Medienbericht zufolge befanden sich viele der Opfer und Vermissten auf einer Pilgerreise zum Berg Kailash in Tibet, der unter anderem im Hinduismus und Buddhismus als heilig gilt. Überlebende schilderten dramatische Szenen: Ein Mann berichtete, er habe versucht, seine Frau vor der heranrückenden Schlammlawine auf eine Terrasse in Sicherheit zu bringen, sie sei jedoch vom Schlamm mitgerissen worden. Der Chef eines Tourismusunternehmens beschrieb nach einem Hubschrauberflug über das betroffene Gebiet, es gebe dort keine Siedlungen mehr. US-Präsident Donald Trump äußerte sich öffentlich zum Ausmaß der Flut und bezeichnete sie als brutal und in ihrer Zerstörungskraft beispiellos – so etwas habe noch niemand gesehen. Diese Schilderungen und Äußerungen sind einzelne, öffentlich gemachte Aussagen und keine unabhängig verifizierte Gesamtbilanz des Ausmaßes der Zerstörung.
Schäden an Infrastruktur
Nach Angaben nepalesischer Behörden wurden im betroffenen Gebiet zahlreiche Brücken zerstört und rund 40 Kilometer Straße beschädigt, was die Rettungs- und Bergungsarbeiten zusätzlich erschwert. Diese Angabe stammt aus einer einzelnen internationalen Agentur-Wire-Meldung und wurde nicht durch eine direkt eingesehene Behördenquelle bestätigt. Auf tibetischer Seite waren zuvor Straßen-, Kommunikations- und Stromverbindungen im Kreis Gyirong unterbrochen worden; das Telekommunikationsnetz wurde inzwischen von chinesischen Technikern wiederhergestellt.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, ob die Zahl von 750 Toten in den kommenden Tagen weiter steigt – angesichts von zuletzt mehr als 2.500 Vermissten erscheint das möglich, sofern diese Zahl noch aktuell ist. Unklar ist auch, ob die 734 in Nepal „geborgenen Leichen“ bereits vollständig identifizierten Todesopfern entsprechen. Weiterhin ungeklärt ist, welche konkrete Gefahr Nepal mit seiner erneuten Warnung vor „weiteren Katastrophen in der Region“ meint, wie sich der frühere Sprung der Vermisstenzahl von rund 1400 auf über 2.500 erklären lässt, wie viele der 233 in Chitwan geborgenen Leichen mithilfe von DNA-Proben letztlich identifiziert werden können, und ob es in den Flutgebieten tatsächlich zu einem messbaren Anstieg von Cholera- oder anderen Infektionsfällen kommt. Offen bleibt zudem, wie sich die am 28. August gemeldete Teilbruch-Meldung zum Barriere-See mit der späteren, chinesischen Einschätzung eines gesunkenen Risikos verträgt, ob die von Nepal erbetene gezielte Auslandshilfe tatsächlich in diesem Umfang geleistet wird, und wie groß das tatsächliche Gesamtausmaß der Infrastrukturschäden ist.
Einordnung
Das Grenzgebiet am Fluss Bhote Koshi gilt als besonders anfällig für Sturzfluten: Bereits im Vorjahr waren dort mindestens neun Menschen bei einer vergleichbaren Flut ums Leben gekommen. Dass sich die Opfer- und Vermisstenzahlen innerhalb weniger Tage mehrfach und teils sprunghaft verändert haben – Tote von rund 9 über 72–98, 162–165, 469–472, 538/543, 616–626 bis nun auf 750, Vermisste von fast 1500 über rund 1400/1535 bis auf mehr als 2.500 –, ist bei Katastrophen dieser Größenordnung nicht ungewöhnlich, macht aber deutlich, warum einzelne Zwischenstände weiterhin vorsichtig neben den jeweils aktuellsten, namentlich zurechenbaren Behördenangaben eingeordnet werden sollten. Auch die Angaben zum Barriere-See – zunächst eine mögliche Anwuchsschätzung auf drei Millionen Kubikmeter, dann ein gemeldeter Teildurchbruch, zuletzt ein geschrumpfter See mit gesunkenem Risiko – lassen sich aus den vorliegenden Quellen nicht eindeutig zu einer stimmigen Chronologie zusammenfügen; eine nun gemeldete, aber nicht spezifizierte Warnung Nepals vor weiteren Katastrophen fügt dieser Unklarheit einen weiteren offenen Punkt hinzu, statt sie aufzulösen. Die Passage zu Gesundheitsrisiken durch Leichenverwesung und Cholera-Gefahr ist weiterhin als plausible, aber bislang nicht durch eine benannte Gesundheitsbehörde bestätigte Einschätzung zu lesen – ein Punkt, der angesichts der Sensibilität des Themas bewusst zurückhaltend formuliert bleibt. Auch die Vielzahl an mittlerweile aktiven Hilfsorganisationen und -zusagen (Rotes Kreuz, CARE, Jugend Eine Welt/Don Bosco, laut Presseberichten auch die USA als staatlicher Geber, Rettungsteams aus Indien und China) zeigt, dass internationale Nothilfe anläuft, ohne dass eine konsolidierte Übersicht über Umfang und Verwendung der Mittel vorläge. Eine abschließende, unabhängig konsolidierte Bewertung der Ereignisse, der Opferzahlen und der Seeausbruchgefahr steht weiterhin aus.
