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Zehn Tage nach der schweren Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet sind am Freitag erneut zwei Menschen lebend geborgen worden: eine Frau in den Sechzigern aus einem verschütteten Haus in Betrawati in der Provinz Bagmati, die zur Behandlung nach Kathmandu geflogen wurde, sowie ein chinesischer Staatsbürger aus dem Tunnel eines zerstörten Wasserkraftwerks im Distrikt Rasuwa. Über den Zustand der Frau lagen zunächst keine näheren Informationen vor; laut einem einzelnen Bericht drangen Rettungskräfte rund 225 Meter tief in den Tunnel vor, um den Mann zu bergen, der danach medizinisch untersucht wurde. Bereits am 4. September waren zwei Arbeiter – ein 30-Jähriger und ein 45-Jähriger – lebend aus einem Tunnel des Wasserkraftwerks Trishuli 3A gerettet worden; laut einer Mitteilung aus dem Büro des Energieministers gegenüber Reuters kann einer der beiden Arme und Beine nicht bewegen, die Verletzungen des anderen gelten als nicht kritisch. Damit sind inzwischen drei Menschen aus Kraftwerkstunneln gerettet worden, in denen weiterhin mindestens 900 Menschen eingeschlossen vermutet werden.

Die Zahl der Toten ist unterdessen weiter gestiegen, wobei sich die aktuelle Quellenlage widerspricht: Die Katastrophenschutzbehörde NDRRMA in Kathmandu bezifferte die Zahl der in Nepal geborgenen Leichen am 4. September mit 1.259, zusammen mit 21 in Tibet gemeldeten Toten ergab sich eine Gesamtzahl von rund 1.280. Ein einzelner, neuerer Bericht vom 5. September nennt bereits 1.344 Tote in Nepal, darunter 85 Kinder – diese höhere Zahl ist bislang nicht durch eine zweite Quelle bestätigt. Auch bei den Vermisstenzahlen widersprechen sich die Quellen: Behördenangaben nennen 5.083 Vermisste in Nepal plus 541 in Tibet (zusammen rund 5.624), ein anderer Bericht spricht von „mehr als 4200“ insgesamt, ein weiterer, einzelner Bericht vom 5. September wiederum von rund 4.900, davon 618 aus dem Ausland. Welche Zahl zutrifft, bleibt offen.

Nach vorläufigen Angaben der Katastrophenschutzbehörde hat die Flut einen Gesamtschaden von mindestens 2,56 Milliarden US-Dollar verursacht; rund 20.000 Häuser müssten wieder aufgebaut werden, davon seien mindestens 7.500 völlig zerstört. Einem auf anonyme Insider gestützten Bericht zufolge plant Nepal als Konsequenz zudem ein neues Frühwarnsystem mit seismischen Sensoren, Kameras und Satellitenverbindung; Zeitplan und Umsetzung sind offen. Weiterhin gilt: Ausgelöst wurde die Sturzflut am 26. August durch den Abbruch eines Gletschers am Oberlauf des Trishuli mit nachfolgender Eis- und Gerölllawine, wie von der US-Erdbebenwarte USGS festgestellt – nicht durch ein Erdbeben. Auf beiden Seiten der Grenze suchen Rettungsteams weiter nach Vermissten, international laufen Nothilfemaßnahmen unter anderem der USA, von CARE sowie von Jugend Eine Welt/Don Bosco. Offen bleiben die endgültige Opfer- und Vermisstenbilanz, das Schicksal der übrigen mutmaßlich in Tunneln eingeschlossenen Menschen, die genaue Bedeutung von Nepals bereits Ende August ausgesprochener Warnung vor „weiteren Katastrophen in der Region“ sowie Zeitplan und Umsetzung des angekündigten Frühwarnsystems.

Was passiert ist

Im Grenzgebiet zwischen Nepal und der chinesischen Region Tibet hat eine schwere Sturzflut Dörfer weggespült und Straßen, Brücken sowie Kraftwerke beschädigt. Mehr als eine Woche nach dem Ereignis wurden am 4. September zwei Arbeiter lebend aus einem Tunnel des Wasserkraftwerks Trishuli 3A gerettet; zehn Tage nach der Flut, am 5. September, kamen zwei weitere Rettungen hinzu – eine Frau aus einem verschütteten Haus in Betrawati und ein chinesischer Staatsbürger aus dem Tunnel eines zerstörten Wasserkraftwerks im Distrikt Rasuwa. Zugleich ist die Opferbilanz weiter gestiegen, wobei die aktuelle Quellenlage widersprüchliche Angaben zu Toten und Vermissten liefert. Wie berichtet, hatte sich das Ausmaß der Katastrophe bereits in den ersten Tagen mehrfach sprunghaft verschärft; dieses Muster setzt sich mit den nun berichteten, teils widersprüchlichen Zahlen fort.

Weitere Rettungen zehn Tage nach der Flut

Zehn Tage nach der Sturzflut wurden am 5. September erneut zwei Menschen lebend geborgen. Eine Frau in den Sechzigern wurde aus einem verschütteten Haus in Betrawati in der an Tibet grenzenden Provinz Bagmati gerettet, wie ein Polizeisprecher mitteilte; sie wurde zur Behandlung nach Kathmandu geflogen. Über ihren Zustand lagen zunächst keine näheren Informationen vor. Zeitgleich wurde ein chinesischer Staatsbürger aus dem Tunnel eines zerstörten Wasserkraftwerks im Distrikt Rasuwa gerettet. Laut einem einzelnen, ergänzend recherchierten Bericht drangen Rettungskräfte dafür rund 225 Meter tief in den betroffenen Tunnel vor; das nepalesische Militär bestätigte demnach die Bergung, der Mann wurde danach medizinisch untersucht. Dieses Detail zur Tunnel-Tiefe stammt bislang nur aus einer Quelle und wurde nicht durch eine zweite Quelle bestätigt. Beide Rettungen vom 5. September werden von mehreren voneinander unabhängigen österreichischen und deutschen Medien übereinstimmend berichtet und reihen sich damit an die bereits am 4. September gemeldete Rettung der beiden Trishuli-3A-Arbeiter.

Rettung im Tunnel des Wasserkraftwerks Trishuli 3A (4. September)

Neun Tage nach der Sturzflut waren bereits zwei in einem Tunnel eingeschlossene Arbeiter des Wasserkraftwerks Trishuli 3A lebend geborgen worden. Nepals Energieminister Biraj Bhakta Shrestha teilte mit, ein Mensch sei „soeben wohlbehalten aus dem Tunnel“ gerettet worden; kurz darauf ergänzte Innenminister Sudan Gurung, es sei eine zweite Person gerettet worden. Laut einer Mitteilung aus dem Büro des Energieministers gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters handelt es sich um einen 30-jährigen und einen 45-jährigen Mitarbeiter des Kraftwerks am Fluss Trishuli. Einer der beiden Männer könne seine Arme und Beine nicht bewegen, die Verletzungen des anderen seien nicht kritisch. Beide sollten in ein Krankenhaus in Kathmandu gebracht werden. Auch der Betreiber der Anlage bestätigte die Rettung. Eine ergänzend recherchierte Agenturmeldung nennt zusätzlich die Funktionen der beiden Geretteten als technischer Vorarbeiter und Aufsicht und berichtet, Retter hätten am Freitagmorgen erstmals Stimmen aus dem Tunnel gehört, bevor sie die beiden Männer lokalisieren konnten. Die Rettung ist damit vergleichsweise gut belegt: Sie wurde von zwei Ministern direkt gegenüber Medien sowie vom Anlagenbetreiber bestätigt und von mehreren voneinander unabhängigen Medien übereinstimmend berichtet.

Zahl der Toten und Vermissten: widersprüchliche Angaben

Die Bilanz der Katastrophe hatte sich seit dem 26. August wiederholt verändert: von zunächst rund neun Toten über mindestens 72, rund 98, mindestens 165, 469/472, mindestens 538 in Nepal, mindestens 616 (29. August), insgesamt 750 (30. August) bis auf 1.127 in Nepal bzw. 1.143 gesamt am 2. September. Am 4. September nannte die Katastrophenschutzbehörde in Kathmandu (NDRRMA) 1.259 geborgene Leichen in Nepal; zusammen mit 21 von chinesischen Staatsmedien gemeldeten Toten in Tibet ergab sich eine Gesamtzahl von rund 1.280. Ein einzelner, neuerer Bericht vom 5. September beziffert die Zahl der Toten in Nepal bereits mit 1.344 laut örtlicher Polizei, darunter 85 Kinder. Diese höhere Zahl wurde bislang nicht durch eine zweite Quelle oder eine direkt gelesene Behördenmitteilung bestätigt und steht damit vorerst neben der zuvor der NDRRMA zugeschriebenen Zahl, ohne dass sich diese beiden Angaben in den vorliegenden Quellen eindeutig auflösen ließen. Auch bei den Vermisstenzahlen zeigt sich weiterhin ein Widerspruch: Ein Bericht nennt unter Berufung auf Behördenangaben 5.083 Vermisste in Nepal und 541 in Tibet laut chinesischen Staatsmedien, zusammen rund 5.624; ein anderer Bericht spricht von „mehr als 4200“ Vermissten insgesamt; der neuere, einzelne Bericht vom 5. September wiederum nennt rund 4.900 Vermisste, davon 618 aus dem Ausland. Welche dieser Zahlen zutrifft oder ob unterschiedliche Zähl- oder Stichtage zugrunde liegen, wird in den vorliegenden Quellen nicht erklärt; der Artikel hält diesen Widerspruch deshalb ausdrücklich offen, statt sich auf eine der Angaben festzulegen.

Schäden und Wiederaufbau

Nach vorläufigen Angaben der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde hat die Flutkatastrophe in Nepal Schäden in Höhe von mindestens 2,56 Milliarden US-Dollar (rund 2,20 Milliarden Euro) verursacht. Rund 20.000 Häuser müssten wieder aufgebaut werden, davon seien mindestens 7.500 völlig zerstört worden. Ergänzend gilt weiterhin, was bereits zuvor berichtet wurde: Im betroffenen Gebiet wurden nach Angaben nepalesischer Behörden zahlreiche Brücken zerstört und rund 40 Kilometer Straße beschädigt, was Rettungs- und Bergungsarbeiten zusätzlich erschwert; auf tibetischer Seite waren Straßen-, Kommunikations- und Stromverbindungen unterbrochen, das Telekommunikationsnetz wurde inzwischen von chinesischen Technikern wiederhergestellt. Die Schadensschätzung stammt bislang nur aus einem einzelnen Medienbericht, der sich auf vorläufige Behördenangaben beruft; eine unabhängige oder internationale Prüfung dieser Zahl liegt nicht vor.

Mindestens 900 Menschen in Kraftwerkstunneln befürchtet

Behörden und Rettungskräfte befürchten laut einem Medienbericht, dass bei der Katastrophe mindestens 900 Menschen in den Tunneln von sechs Wasserkraftwerken entlang des Flusses eingeschlossen wurden. Mit den beiden am 4. September geretteten Arbeitern aus dem Kraftwerk Trishuli 3A und dem am 5. September aus einem Tunnel im Distrikt Rasuwa geretteten chinesischen Staatsbürger sind damit drei Überlebende aus solchen Tunneln bekannt. Wie viele der befürchteten 900 Menschen noch lebend geborgen werden können oder ob die meisten von ihnen bereits unter den bestätigten Toten sind, geht aus der vorliegenden Quellenlage nicht hervor; die Schätzung selbst beruht auf einer vagen Quellenzuschreibung („Behörden und Rettungskräfte befürchten“) und wird deshalb zurückhaltend eingestuft.

Geplantes Frühwarnsystem

Als Konsequenz aus der Katastrophe will sich Nepal einem Bericht zufolge, der sich auf nicht namentlich genannte Insider beruft, künftig mit einem neuen Frühwarnsystem besser schützen. In der betroffenen Region sollen demnach seismische Sensoren, Kameras und eine Satellitenverbindung installiert werden, um die Datenübertragung auch bei einem Ausfall der Mobilfunknetze zu sichern – ein solcher Ausfall hatte während der Sturzflut mindestens vier Messstationen lahmgelegt. Die neuen Kameras sollen den Behörden Echtzeitdaten über den Wasserstand liefern, anhand derer künftig SMS-Warnungen versendet werden könnten. Ein offizieller Beschluss, ein Zeitplan oder ein Budget für dieses Vorhaben werden in der Quelle nicht genannt; ob und wann das System tatsächlich umgesetzt wird, ist offen.

Nepal warnt erneut vor weiteren Katastrophen in der Region

Nach den bisherigen Angaben vom 30. August soll Nepal erneut vor weiteren Katastrophen in der Region warnen. Eine kurze Meldung nennt diese Warnung, ohne sie näher zu erläutern: Weder wird eine konkrete Gefahr benannt, noch eine zitierte Person oder Behörde genannt. Ein Zusammenhang mit der bereits zuvor berichteten Gefahr am neu entstandenen Barriere-See beim Fluss Purepu Tsangpo oder mit der früheren Warnung vor einer möglichen zweiten Flutwelle am Fluss Lhende Khola erscheint naheliegend, wird in der vorliegenden Quelle jedoch nicht bestätigt. Auch die aktuelle Quellenlage vom 5. September liefert dazu keine neuen Informationen; der Artikel hält diesen Punkt deshalb weiterhin bewusst offen.

Identifizierung der Toten: Chitwan, DNA-Proben und Gesundheitsrisiken

Der Zustand der geborgenen Leichen erschwert die Identifizierung zunehmend. Im südlich gelegenen Distrikt Chitwan an der Grenze zu Indien – viele Kilometer von der eigentlichen Katastrophenregion entfernt – wurden zunächst 233 von der Flut angeschwemmte Leichen geborgen; bis zum 29. August konnten laut Bezirksverwaltung erst vier davon identifiziert werden. Eine später gefundene, nur einfach belegte Quelle nennt für Chitwan inzwischen 348 geborgene Leichen; ein aktualisierter Identifizierungsstand dazu liegt nicht vor. Die Behörden ordneten an, vor der Bestattung jeweils DNA-Proben von Toten und Überresten zu nehmen und nicht identifizierte Opfer an einem gemeinsamen Ort im nepalesischen Devghat beizusetzen. Unabhängig von möglichen Erregern aus Leichenteilen steigt in den Überflutungsgebieten laut Medienberichten das Risiko etwa für Durchfallerkrankungen und Cholera, etwa durch in Trinkwasserquellen gespülte Fäkalien, beschädigte Latrinen, überflutete Kläranlagen und mangelnde Hygiene in Notunterkünften. Es handelt sich dabei um eine allgemeine Gefahreneinschätzung aus der Medienberichterstattung, nicht um eine formelle Warnung einer benannten Gesundheitsbehörde; ob und in welchem Ausmaß tatsächlich Krankheitsfälle auftreten, ist weiterhin offen.

Nepal bittet um gezielte statt allgemeine Auslandshilfe

Nepals Außenminister Shishir Khanal hatte bereits Ende August erklärt, sein Land habe gezielte statt allgemeine ausländische Hilfe erbeten: vor allem technische Unterstützung bei der Suche nach in Tunneln von Wasserkraftwerken eingeschlossenen Arbeitern – wie sie inzwischen bei den Kraftwerken Trishuli 3A und im Distrikt Rasuwa zu insgesamt drei Rettungen geführt hat –, beim Wiederaufbau von Verkehrsverbindungen sowie bei Identifizierung und Lagerung der Toten. Ein Rettungsteam aus Indien sei eingetroffen, ein weiteres aus China werde erwartet. Bisher erreichten die Rettungskräfte das Katastrophengebiet laut Khanal überwiegend auf dem Landweg, weil das Gelände für Hubschraubereinsätze schwierig ist. Ob und in welchem Umfang diese gezielte Hilfe inzwischen tatsächlich geleistet wurde, geht aus der aktuellen Quellenlage weiterhin nicht hervor.

Barriere-See: Risiko laut China zuletzt gesunken, Vorgeschichte bleibt unklar

Die Gefahr einer erneuten Flutwelle war nach chinesischen Angaben vom 29. August zuletzt etwas gesunken. Der durch Geröllmassen entstandene See am Fluss Purepu Tsangpo sei geschrumpft, teilten chinesische Behörden mit; Satellitenaufnahmen deuteten darauf hin, dass das Wasser langsam abfließe, berichtete der staatliche Sender CCTV unter Berufung auf das Ministerium für Wasserressourcen. Diese Einschätzung steht allerdings neben einer älteren Meldung: Ein Bericht der indischen Nachrichtenagentur ANI/The Tribune hatte bereits für den 28. August einen teilweisen Durchbruch desselben Sees gemeldet, in dessen Folge Menschen im nepalesischen Trishuli-Gebiet erneut evakuiert wurden. Wie sich diese frühere Meldung zur berichteten Verkleinerung des Sees und dem als gesunken eingeschätzten Risiko genau verhält, lässt sich aus den vorliegenden Quellen weiterhin nicht eindeutig klären; auch die aktuelle Quellenlage vom 5. September liefert dazu keine Aktualisierung.

Rettungseinsatz und internationale Hilfe

Mehr als 5000 Rettungskräfte von Armee und Polizei sind in Nepal im Einsatz. China entsandte zusätzlich ein Flugzeug mit 111 Feuerwehr-Experten aus Sichuan und Peking zum Flughafen Tingri; von dort benötigen die Helfer mit dem Auto fünf bis sechs Stunden bis zum überfluteten Grenzübergang Gyirong. China hatte zuvor nach eigenen Angaben mindestens 574 Rettungskräfte an den Grenzübergängen eingesetzt, Indien erklärte, eng mit Kathmandu zusammenzuarbeiten, und Südkorea kündigte ein Schnellreaktionsteam an; hinzu kommen ein indisches und ein bald erwartetes chinesisches Team. Dass zehn Tage nach der Flut noch immer Menschen lebend aus Trümmern und Tunneln geborgen werden, zeigt, dass die Such- und Rettungsarbeiten in den betroffenen Gebieten weiterhin andauern. International laufen zudem mehrere Nothilfemaßnahmen: Die USA sagten Nepal einem Medienbericht zufolge 500.000 US-Dollar an Nothilfe zu, wobei dazu bislang nur eine Schlagzeile ohne gelesenen Volltext vorliegt. Die Hilfsorganisation CARE erklärte in einer Presseaussendung, sie bereite ebenfalls Nothilfe für die Betroffenen vor, und rief zu Spenden auf. Die Organisation Jugend Eine Welt unterstützt laut eigener Presseaussendung ihren Don-Bosco-Projektpartner in Nepal vor Ort bei der Nothilfe; benötigt würden vor allem Lebensmittel, Trinkwasser, Medikamente, Kleidung, Decken und Notunterkünfte sowie in weiterer Folge Hilfe beim Wiederaufbau.

Ursache geklärt: Gletscherabbruch statt Erdbeben

Die zuvor offene Ursachenfrage ist aus Sicht der US-Erdbebenwarte USGS geklärt. Die Behörde hatte zunächst ein Erdbeben der Stärke 4,4 nahe der Grenze zwischen Nepal und China gemeldet und diese Einschätzung später auf ein seismisches Ereignis der Stärke 5,2 korrigiert. Am 27. August erklärte die USGS schließlich, weitere Analysen hätten ergeben, dass es sich dabei nicht um ein Erdbeben gehandelt habe, sondern um einen Gletscherabbruch mit anschließender Eis- und Gerölllawine, die die Sturzflut auslöste. Mehrere spätere Kurzmeldungen bestätigen diese Einordnung erneut und datieren den auslösenden Gletscherabbruch auf den 26. August.

Wer betroffen ist: Pilgerreise, Augenzeugenberichte und internationale Reaktionen

Einem Medienbericht zufolge befanden sich viele der Opfer und Vermissten auf einer Pilgerreise zum Berg Kailash in Tibet, der unter anderem im Hinduismus und Buddhismus als heilig gilt. Überlebende schilderten dramatische Szenen: Ein Mann berichtete, er habe versucht, seine Frau vor der heranrückenden Schlammlawine auf eine Terrasse in Sicherheit zu bringen, sie sei jedoch vom Schlamm mitgerissen worden. Der Chef eines Tourismusunternehmens beschrieb nach einem Hubschrauberflug über das betroffene Gebiet, es gebe dort keine Siedlungen mehr. US-Präsident Donald Trump äußerte sich öffentlich zum Ausmaß der Flut und bezeichnete sie als brutal und in ihrer Zerstörungskraft beispiellos – so etwas habe noch niemand gesehen. Diese Schilderungen und Äußerungen sind einzelne, öffentlich gemachte Aussagen und keine unabhängig verifizierte Gesamtbilanz des Ausmaßes der Zerstörung.

Was unklar bleibt

Offen bleibt, ob sich die von einem einzelnen, neueren Bericht genannte höhere Opferzahl von 1.344 Toten und rund 4.900 Vermissten in Nepal durch weitere Quellen bestätigt, und wie viele der befürchteten rund 900 in Kraftwerkstunneln eingeschlossenen Menschen noch lebend geborgen werden können. Unklar ist auch, welche der mittlerweile mehreren, teils widersprüchlichen Vermisstenzahlen zutrifft. Weiterhin ungeklärt ist, welche konkrete Gefahr Nepal mit seiner Ende August ausgesprochenen Warnung vor „weiteren Katastrophen in der Region“ meint, ob die geschätzte Schadenssumme von mindestens 2,56 Milliarden Dollar durch eine unabhängige Stelle bestätigt wird, und ob das einem Insider-Bericht zufolge geplante Frühwarnsystem tatsächlich in der beschriebenen Form umgesetzt wird. Offen bleibt zudem, wie sich die am 28. August gemeldete Teilbruch-Meldung zum Barriere-See mit der späteren, chinesischen Einschätzung eines gesunkenen Risikos verträgt, ob es in den Flutgebieten zu einem messbaren Anstieg von Cholera- oder anderen Infektionsfällen kommt, und ob die von Nepal erbetene gezielte Auslandshilfe tatsächlich im angekündigten Umfang geleistet wird.

Einordnung

Das Grenzgebiet am Fluss Bhote Koshi gilt als besonders anfällig für Sturzfluten: Bereits im Vorjahr waren dort mindestens neun Menschen bei einer vergleichbaren Flut ums Leben gekommen. Dass sich die Opfer- und Vermisstenzahlen innerhalb weniger Tage mehrfach und teils sprunghaft verändert haben – Tote von rund 9 über 72–98, 162–165, 469–472, 538/543, 616–626, 750, 1.127/1.143, 1.259/rund 1.280 bis nun auf 1.344 laut einem einzelnen Bericht, Vermisste von fast 1500 über rund 1400/1535, mehr als 2.500 und 4.858 bis hin zu den zuletzt genannten, widersprüchlichen Werten von rund 5.624, „mehr als 4200“ bzw. rund 4.900 –, ist bei Katastrophen dieser Größenordnung nicht ungewöhnlich, macht aber deutlich, warum einzelne Zwischenstände weiterhin vorsichtig neben den jeweils aktuellsten, namentlich zurechenbaren Behördenangaben eingeordnet werden sollten. Die wiederholten Rettungen – zuletzt die Frau aus Betrawati und der chinesische Staatsbürger aus dem Tunnel in Rasuwa, zuvor die beiden Arbeiter aus dem Kraftwerk Trishuli 3A – gehören zu den wenigen gut belegten, eindeutig positiven Entwicklungen in dieser Berichterstattung; sie ändern jedoch nichts an der weiterhin sehr hohen Zahl an Toten und Vermissten sowie an der Befürchtung, dass noch immer mehrere hundert Menschen in vergleichbaren Tunneln eingeschlossen sein könnten. Auch die Angaben zum Barriere-See und zur Schadenshöhe lassen sich aus den vorliegenden Quellen nicht zu einer vollständig stimmigen Gesamtbilanz zusammenfügen; die weiterhin unspezifische Warnung Nepals vor weiteren Katastrophen, die auf anonyme Insider gestützte Meldung zum geplanten Frühwarnsystem sowie die neueste, nur einfach belegte Opferzahl bleiben Punkte, die bewusst zurückhaltend eingeordnet werden. Eine abschließende, unabhängig konsolidierte Bewertung der Ereignisse, der Opferzahlen und der Schäden steht weiterhin aus.