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TikTok hat einen für Montag geplanten Prozess in Alabama durch einen Vergleich abgewendet: mindestens 100 Millionen Dollar, unter bestimmten Bedingungen bis zu 300 Millionen Dollar, fällig binnen 45 Tagen. Als Gegenleistung begrenzt die Plattform die tägliche Nutzungszeit für Minderjährige auf zwei Stunden; laut der Pressemitteilung der Alabama-Generalstaatsanwaltschaft kommen zudem wiederkehrende Nutzungspausen nach 15, 60 und 90 Minuten, eine Zugangssperre zwischen Mitternacht und sechs Uhr sowie ein nicht personalisierbarer Inhalte-Feed für Jugendliche hinzu. Klagen von mehr als einem Dutzend weiterer US-Bundesstaaten bleiben unberührt.

Dieses Verfahren ist von dem bereits berichteten 400-Millionen-Dollar-Vergleich mit dem US-Justizministerium wegen Kinderdatenschutz-Verstößen zu unterscheiden – wie im bisherigen Bericht dargestellt ging es dort um Accounts von Kindern unter 13 Jahren. Alabama hatte TikTok seit April 2025 stattdessen mangelhaften Schutz vor Social-Media-Sucht vorgeworfen, unter anderem ein an Spielautomaten erinnerndes Design und die Anzeige sensibler Inhalte gegenüber als Minderjährige registrierten Ermittlern. Diese Vorwürfe stammen aus der Klageschrift und sind nicht unabhängig verifiziert; TikTok hatte sie zurückgewiesen.

Offen bleibt, wie TikTok und ByteDance sich offiziell zu diesem Vergleich äußern, unter welchen Bedingungen die Zahlung auf bis zu 300 Millionen Dollar steigen könnte und wie es mit den Klagen weiterer US-Bundesstaaten weitergeht.

Vergleich kurz vor Prozessbeginn

TikTok hat einen für Montag angesetzten Prozess in Montgomery, Alabama, in letzter Minute durch einen Vergleich abgewendet. Wie die Generalstaatsanwaltschaft des US-Bundesstaats mitteilte, zahlt das Unternehmen mindestens 100 Millionen Dollar – unter bestimmten, in der Mitteilung nicht näher spezifizierten Bedingungen kann die Summe auf bis zu 300 Millionen Dollar steigen. Die Mindestzahlung ist laut Generalstaatsanwalt Steve Marshall binnen 45 Tagen fällig. Der Vergleich betrifft ausschließlich das Verfahren Alabamas; Klagen von mehr als einem Dutzend weiterer US-Bundesstaaten gegen TikTok laufen den vorliegenden Quellen zufolge unverändert weiter.

Neue Nutzungsbeschränkungen für Jugendliche

Kern der Einigung sind Zugeständnisse bei der Plattformgestaltung für minderjährige Nutzer: eine tägliche Nutzungsobergrenze von zwei Stunden ist übereinstimmend in allen eingesehenen Quellen dokumentiert. Die Pressemitteilung der Alabama-Generalstaatsanwaltschaft nennt darüber hinaus weitere technische Maßnahmen, die in den Agenturberichten von Die Presse und ORF nicht im Detail auftauchen: wiederkehrende Nutzungspausen nach 15, 60 und 90 Minuten ununterbrochener Nutzung, eine Sperre von Zugang und Benachrichtigungen zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens sowie die Möglichkeit für Jugendliche, einen nicht personalisierten Inhalte-Feed einzustellen. Wie diese Vorgaben technisch kontrolliert und durchgesetzt werden, ist offen.

Ein eigenständiges Verfahren – nicht der Kinderdatenschutz-Fall

Der Alabama-Vergleich ist von dem bereits berichteten, im August 2026 geschlossenen 400-Millionen-Dollar-Vergleich zwischen TikTok und dem US-Justizministerium zu unterscheiden: Dort ging es um mutmaßliche Verstöße gegen US-Kinderdatenschutzrecht, weil die Plattform Kindern unter 13 Jahren angeblich das Anlegen von Accounts ohne elterliche Zustimmung ermöglicht habe – wie im bisherigen Bericht dargestellt. Im hier vorliegenden Fall klagte stattdessen der Bundesstaat Alabama seit April 2025 gegen TikTok und dessen Mutterkonzern ByteDance wegen mutmaßlich mangelhaften Schutzes Minderjähriger vor Social-Media-Sucht. Die Klage wirft TikTok vor, Jugendliche mit einem an Spielautomaten erinnernden Design zur Nutzung zu verleiten; als 13- bis 15-Jährige registrierte Ermittler sollen unter anderem Inhalte zu Suizid, Selbstverletzung, Essstörungen, Alkohol und Sex angezeigt bekommen haben. Zudem soll TikTok Eltern über bestehende Schutzfunktionen getäuscht haben. Diese Darstellungen stammen aus der Klageschrift und sind nicht unabhängig verifiziert; TikTok hatte sie zurückgewiesen und sich unter anderem auf ein US-Bundesgesetz berufen, das Plattformen von einer Haftung für nutzergenerierte Inhalte entbindet.

Offene Punkte und Einordnung

Eine eigene Stellungnahme von TikTok oder ByteDance speziell zu diesem Vergleich liegt in den eingesehenen Quellen nicht vor. Offen bleibt auch, unter welchen konkreten Bedingungen sich die Zahlung von 100 auf bis zu 300 Millionen Dollar erhöhen könnte. Laut Die Presse und ORF wurden im Jahr 2026 bereits Meta als Betreiber von Instagram und Facebook sowie YouTube in vergleichbaren US-Verfahren zu Strafzahlungen verurteilt – Details zu den jeweiligen Verfahren nennen die vorliegenden Quellen jedoch nicht. Der Fall reiht sich damit in eine wachsende Zahl rechtlicher Auseinandersetzungen großer Plattformen um den Schutz Minderjähriger in den USA ein, deren Ausgang für die übrigen anhängigen Bundesstaaten-Klagen gegen TikTok noch nicht absehbar ist.