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Der 42-jährige Abderrahim Fakir, ein seit über 30 Jahren in Italien lebender Marokkaner, starb am Sonntag in Bologna, nachdem ihn zwei Polizisten während eines Einsatzes mit dem Gesicht nach unten auf den Asphalt gedrückt hatten. Ein von einem Nachbarn gefilmtes Video zeigt, wie Fakir mit gefesselten Händen mehrfach um Hilfe ruft, bevor er sich nicht mehr bewegt. Ein Notarzt stellte vor Ort seinen Tod fest.

Gegen die beiden Polizisten und vier anwesende Sanitäter laufen Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, aufgrund eines neuen Sicherheitsgesetzes der Regierung Meloni aber ohne automatischen Beschuldigtenstatus. Das Obduktionsergebnis zur Todesursache steht noch aus.

In mehreren italienischen Städten kam es zu Protesten, in Bologna eskalierten diese zu Ausschreitungen mit 64 verletzten Einsatzkräften. Meloni sagte Aufklärung zu und verurteilte zugleich Gewalt gegen Polizisten. Amnesty International sprach von erschütternden Bildern und zog Parallelen zu früheren tödlichen Fixierungsfällen in Italien.

Was passiert ist

Der 42-jährige Abderrahim Fakir, ein aus Marokko stammender Unternehmer, der seit mehr als 30 Jahren in Italien lebte, starb am Sonntag in der norditalienischen Stadt Bologna. Die Polizei war zuvor ins Viertel Pilastro gerufen worden, weil ein Mann randaliert haben soll, auf den die Beschreibung Fakirs zutraf. Beim Eintreffen der Beamten soll er gegen einen Streifenwagen geschlagen haben, woraufhin die Polizisten von einer psychischen Ausnahmesituation ausgingen, einen Krankenwagen riefen, Pfefferspray einsetzten und ihn überwältigten. Ein Nachbar filmte, wie zwei Polizisten und ein Anrainer Fakir mehrere Minuten lang mit dem Gesicht nach unten auf den heißen Asphalt drückten, während seine Hände auf dem Rücken gefesselt waren. Mehrfach rief er auf Italienisch um Hilfe, bevor er sich nicht mehr bewegte. Ein vor Ort anwesender Notarzt stellte seinen Tod fest. Das Video verbreitete sich rasch in Italien und darüber hinaus.

Ermittlungen und rechtlicher Rahmen

Gegen die zwei beteiligten Polizisten sowie vier anwesende Sanitäter laufen Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung. Sie werden dabei nicht automatisch als Beschuldigte geführt, sondern zunächst in ein eigenes Vorregister eingetragen – eine Folge eines von der Regierung Meloni beschlossenen neuen Sicherheitsgesetzes, das Einsatzkräften in solchen Fällen eine gesonderte rechtliche Behandlung einräumt. Innenminister Matteo Piantedosi verteidigte dieses Vorgehen laut italienischen Medienberichten als korrekte gesetzliche Einordnung und nicht als „Schutzschild“ für die Beamten. Kritiker, darunter Teile der Opposition, sehen darin dennoch eine Privilegierung von Polizisten gegenüber der sonst üblichen Ermittlungspraxis. Eine Körperkamera eines der Polizisten wurde der Staatsanwaltschaft übergeben, das Ergebnis der angeordneten Obduktion zur Todesursache steht noch aus.

Reaktionen und Proteste

Nach Bekanntwerden des Falls versammelten sich in mehreren italienischen Städten, allen voran in Bologna, Menschen zu Kundgebungen unter Parolen wie „Wahrheit und Gerechtigkeit“. Was zunächst friedlich begann, eskalierte am Abend zu Ausschreitungen: Nach übereinstimmenden Berichten wurden 64 Einsatzkräfte verletzt, zudem kam es zu Sachbeschädigungen und brennenden Fahrzeugen im Bologneser Zentrum. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sprach von einem inakzeptablen Vorfall und sagte zu, die Wahrheit „ohne Nachsicht“ ermitteln zu lassen, verurteilte zugleich aber die Gewalt gegen Einsatzkräfte scharf. Fakirs Familie, die laut Medienberichten schwere Vorwürfe gegen den Polizeieinsatz erhebt, distanzierte sich ihrerseits von den gewalttätigen Ausschreitungen. Amnesty International Italia bezeichnete die Bilder als erschütternd und zog in einer eigenen Stellungnahme Parallelen zu früheren, ebenfalls tödlich endenden Fixierungen durch italienische Polizei- und Ordnungskräfte. Der Erzbischof von Bologna, Kardinal Matteo Zuppi, warnte laut ORF vor einer Instrumentalisierung des Falls und rief zu Dialog statt Hass auf.

Was unklar bleibt

Offen ist weiterhin, welche gesundheitliche oder psychische Vorgeschichte Fakir hatte und ob berichtete Kopf- und Gesichtsverletzungen im Zusammenhang mit dem Einsatz oder anderen Umständen stehen – das Obduktionsergebnis liegt noch nicht vor. Ebenso unklar ist der Ausgang der Vorermittlungen gegen die beiden Polizisten und die vier Sanitäter sowie eine mögliche offizielle Stellungnahme der Questura Bologna zum genauen Ablauf. Wie sich die Proteste in den kommenden Tagen weiterentwickeln und ob es zu weiteren Ausschreitungen kommt, lässt sich aus den vorliegenden Quellen ebenfalls nicht abschließend beurteilen.