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Ein Pariser Ermittlungsrichter hat nächtliche Dopingkontrollen bei den Tour-de-France-Spitzenfahrern Tadej Pogačar und Jonas Vingegaard genehmigt. Die Anfrage kam von der International Testing Agency (ITA); getestet wurde in der Nacht von 18. auf 19. Juli, Vingegaard gegen 2 Uhr, Pogačar gegen 5 Uhr, zwischen zwei Bergetappen. Die Pariser Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass entsprechende Richter über solche Anträge entscheiden können. Laut „L’Equipe“ war es die erste Anwendung einer bereits 2015 eingeführten französischen Rechtsgrundlage für nächtliche Kontrollen.

Die ITA betonte, die Kontrollen ließen keinen Rückschluss auf einen Verdacht gegen die Fahrer zu, und stützte sich nach Angaben von Vingegaards Team Visma auf eine Anordnung oder Genehmigung der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD. Wenig später wurde auch das gesamte Team Red Bull-Bora-hansgrohe nachts getestet. Im Peloton sorgte das Vorgehen für Kritik, während andere Stimmen strengere Kontrollen befürworten.

Unklar bleibt, welche konkreten Verdachtsmomente vorlagen und ob Vingegaards Sturz mit gebrochenem Schlüsselbein und Tour-Ausscheiden – laut einem Bericht – ursächlich mit der kurzen Nacht zusammenhängt; er selbst wollte dazu nicht spekulieren.

Was passiert ist

Ein Pariser Ermittlungsrichter hat nächtliche Dopingkontrollen bei den beiden Spitzenfahrern der Tour de France 2026, Tadej Pogačar und Jonas Vingegaard, genehmigt. Die Anfrage ging von der International Testing Agency (ITA) aus, jenem Verband, an den der Radsport-Weltverband UCI sein Anti-Doping-Programm seit 2021 delegiert hat. In der Nacht von 18. auf 19. Juli wurde Vingegaard nach eigenen Angaben gegen 2 Uhr geweckt, Pogačar erhielt gegen 5 Uhr Besuch der Kontrolleure – jeweils zwischen zwei schweren Bergetappen. Die Pariser Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass für Freiheits- und Haftangelegenheiten zuständige Richter auch über Anträge auf nächtliche Anti-Doping-Kontrollen entscheiden.

Was die Quellen zeigen

Laut der französischen Sportzeitung „L’Equipe“ handelt es sich um die erste Anwendung einer bereits 2015 ins französische Recht eingeführten Bestimmung, die solche nächtlichen Kontrollen unter richterlicher Aufsicht ermöglicht. Nach dem Reglement, auf das sich mehrere Berichte beziehen, braucht es dafür „ernsthafte und konkrete Verdachtsmomente“ gegen den betroffenen Fahrer sowie ein Risiko, dass Beweise verloren gehen könnten. Die ITA erklärte, bei der Wahl des Kontrollzeitpunkts würden „eine Reihe relevanter Faktoren und Informationen“ berücksichtigt, betonte aber zugleich, dies dürfe nicht als Beleg für einen Regelverstoß oder Verdacht gegen einen Fahrer gewertet werden. Nach Angaben des Teams Visma von Vingegaard erfolgten die Kontrollen auf Anweisung oder mit Genehmigung der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD. Wenige Tage später wurde nach übereinstimmenden Berichten auch das gesamte Team Red Bull-Bora-hansgrohe von Pogačar in der Nacht kontrolliert – ein Hinweis darauf, dass es sich nicht um eine einmalige, ausschließlich auf die beiden Gesamtklassement-Spitzenreiter zugeschnittene Maßnahme handelte.

Reaktionen und Debatte

Die Kontrollen lösten unter den Fahrern deutlichen Unmut aus. Mehrere Berichte zitieren Kritik aus dem Peloton, wonach es unzumutbar sei, Athletinnen und Athleten mitten in der Nacht während laufender Bergetappen zu wecken. Gegenstimmen kommen unter anderem vom Teamchef von EF Education-EasyPost, Jonathan Vaughters, der selbst ein früheres Dopinggeständnis abgelegt hat: Nächtliche Tests hätten frühere Doping-Praktiken im Feld deutlich früher aufdecken können. Auch aus dem Umfeld des wegen Dopings gesperrten früheren Radprofis Lance Armstrong kam laut Berichten eine Wortmeldung zu dem Thema – die genauen Inhalte liegen uns nicht in Primärform vor. Vingegaard selbst wollte sich zu den Umständen seines Sturzes, bei dem er sich laut einem Bericht das Schlüsselbein brach und in der Folge aus dem Rennen ausschied, öffentlich nicht spekulativ äußern.

Was unklar bleibt

Offen bleibt, welche konkreten Verdachtsmomente die ITA zu ihrem Antrag bewogen haben – weder die Agentur noch das Gericht haben dazu Details veröffentlicht. Ebenso unklar ist, ob und wie der Sturz Vingegaards ursächlich mit der kurzen Nacht zusammenhängt; diese Verbindung wird in einem Teil der Berichterstattung nahegelegt, aber von Vingegaard selbst nicht bestätigt. Eine ausführliche eigene Stellungnahme von Pogačar oder seinem Team zu den Kontrollen liegt uns ebenfalls nicht vor, ebenso wenig eine offizielle Erklärung der UCI oder der AFLD selbst.

Einordnung

Der Fall markiert einen seltenen Präzedenzfall im Anti-Doping-Recht: Erstmals griff ein französisches Gericht offenbar auf die seit über einem Jahrzehnt bestehende gesetzliche Möglichkeit zurück, nächtliche Kontrollen richterlich abzusegnen. Das wirft grundsätzliche Fragen zur Abwägung zwischen effektiver Dopingbekämpfung und Erholungs- sowie Persönlichkeitsrechten der Athletinnen und Athleten auf – eine Debatte, die durch die prominente Betroffenheit der beiden Gesamtklassement-Anführer der laufenden Tour de France zusätzlich an Öffentlichkeit gewinnt.