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Österreichs Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner hat am 26. Juli 2026 bei den Salzburger Festspielen die griechische Tourismusministerin Olga Kefalogianni getroffen. Laut einer Aussendung des Wirtschaftsministeriums ging es bei den bilateralen Gesprächen unter anderem um die Sicherung von Fachkräften im Tourismus, Ganzjahrestourismus und Bergtourismus – auf Basis eines seit September 2022 bestehenden Kooperationsabkommens zwischen beiden Ländern.

Ein Leitartikel des Kurier bringt das Treffen mit der Anwerbung griechischen Tourismuspersonals in Verbindung und schreibt, dass der Branche jährlich mehrere Tausend Arbeitskräfte fehlen. Als Grund nennt der Kommentar schlechte Arbeitsbedingungen: In der niedrigsten Kollektivvertrags-Lohnstufe würden für 40 Wochenstunden netto 1.645 Euro bezahlt, die Gewerkschaft vida habe wiederholt Schwarzarbeit, Übergriffe und sexuelle Belästigung in der Branche kritisiert, etwa bei einer Pressekonferenz im Mai 2026.

Ob es tatsächlich ein neues, konkretes Rekrutierungsprogramm gibt, das ab der kommenden Skisaison mehr griechisches Personal nach Österreich bringen soll, bestätigt die offizielle Aussendung nicht – der Kurier selbst formuliert dies im Konjunktiv. Belastbare Zahlen zum Fachkräftemangel und zu den Vorwürfen der Gewerkschaft liegen uns nicht in geprüfter Form vor.

Treffen bei den Salzburger Festspielen

Österreichs Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner hat am Sonntag, dem 26. Juli 2026, die griechische Tourismusministerin Olga Kefalogianni in Salzburg empfangen. Gemeinsam besuchten die beiden Regierungsvertreterinnen eine Aufführung der Salzburger Festspiele, im Vorfeld und im Anschluss standen laut einer Aussendung des österreichischen Wirtschaftsministeriums bilaterale Arbeitsgespräche auf dem Programm. Im Mittelpunkt standen demnach der Arbeitsmarkt und die Fachkräftesicherung im Tourismus, daneben Ganzjahrestourismus, nachhaltige Destinationsentwicklung, Bergtourismus sowie touristische Aus- und Weiterbildung.

Grundlage der Zusammenarbeit ist ein im September 2022 zwischen dem österreichischen Wirtschaftsministerium und dem griechischen Tourismusministerium unterzeichnetes Memorandum of Understanding, das unter anderem Destinationsmanagement, Tourismusstatistik, Digitalisierung, Produktentwicklung und Arbeitsvermittlung umfasst. Zehetner betonte laut der Aussendung, Österreich und Griechenland seien „zwei starke Tourismusländer“, die vor vergleichbaren Herausforderungen stünden – darunter der internationale Wettbewerb um Fachkräfte und die Verlängerung der Saison.

Hintergrund: Personalmangel und Arbeitsbedingungen im Tourismus

Dass Fachkräfte im heimischen Tourismus fehlen, ist keine neue Debatte. Ein Leitartikel des Kurier beziffert die jährliche Lücke auf mehrere Tausend Arbeitskräfte und verweist zugleich auf sinkende Zahlen bei Lehrlingen und Absolventen von Tourismusschulen. Als Ursache nennt der Kommentar vergleichsweise schlechte Arbeitsbedingungen: Für eine Vollzeitstelle mit 40 Wochenstunden werde in der niedrigsten Lohnstufe des Kollektivvertrags netto 1.645 Euro bezahlt. Diese Angaben stammen aus einer einzelnen journalistischen Quelle; unabhängig geprüfte Statistiken dazu liegen uns nicht vor.

Der Kommentar verweist zudem auf Berichte der Gewerkschaft vida über Schwarzarbeit, Übergriffe und sexuelle Belästigung in der Branche. Tatsächlich hatte vida bereits im Mai 2026 laut einer eigenen Presseaussendung zu einer Pressekonferenz unter dem Titel „Tourismusboom ohne Beschäftigte: Warum dem Aushängeschild Österreichs seine Mitarbeiter:innen ausgehen“ geladen, bei der auf solche Missstände aufmerksam gemacht werden sollte; auch ein Bericht des ORF Burgenland thematisierte gewerkschaftliche Kritik an den Arbeitsbedingungen im Tourismus. Konkrete, von uns geprüfte Fallzahlen zu den einzelnen Vorwürfen liegen jedoch nicht vor – bei einem Thema, das Vorwürfe zu sexueller Belästigung und Ausbeutung berührt, behandeln wir die Angaben entsprechend zurückhaltend.

Was die offizielle Quelle zur Griechenland-Kooperation sagt – und was nicht

Die Aussendung des Wirtschaftsministeriums nennt die Fachkräftesicherung als eines von mehreren Gesprächsthemen des Treffens, enthält aber keine Angaben zu einem eigenständigen, neuen Rekrutierungsprogramm, zu einem Zeitplan oder zu einer angestrebten Zahl anzuwerbender Arbeitskräfte. Die im Kurier-Leitartikel aufgestellte Behauptung, wonach „demnächst“ dank einer Kooperation die Rekrutierung von Personal in Griechenland beginnen solle und es in der kommenden Skisaison mehr griechisches Personal in Hotels und auf Skihütten geben „könnte“, wird durch die offizielle Quelle nicht bestätigt. Der Kommentar selbst formuliert diesen Punkt im Konjunktiv.

Ob es sich um ein konkretes neues Vorhaben handelt oder die Aussage allein auf das seit 2022 bestehende Kooperationsabkommen gestützt ist, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht klären.

Einordnung

Der Kurier-Kommentar zieht eine historische Parallele zur Anwerbung von Arbeitskräften aus Jugoslawien und der Türkei in den 1960er- und 70er-Jahren, als Österreich für schlecht entlohnte und anstrengende Tätigkeiten auf ausländische Arbeitskräfte setzte. Diese Einordnung ist eine journalistische Bewertung des Kommentars und keine amtliche Aussage. Die Aussendung des Wirtschaftsministeriums wiederum stellt die Kooperation mit Griechenland positiv als Antwort auf gemeinsame Herausforderungen zweier „starker Tourismusländer“ dar. Beide Perspektiven liegen vor, eine unabhängige Einschätzung etwa von Branchenverbänden oder der griechischen Regierung zu den kritisierten Arbeitsbedingungen fehlt bislang.

Was unklar bleibt

Offen bleibt, ob und in welcher konkreten Form ein neues Anwerbeprogramm für griechisches Tourismuspersonal existiert, wie viele Arbeitskräfte in welchem Zeitraum betroffen wären und welche belastbaren aktuellen Zahlen zum Fachkräftemangel sowie zu den vida-Vorwürfen tatsächlich vorliegen. Auch Stellungnahmen von Branchenvertretungen und der griechischen Seite zu den Arbeitsbedingungen stehen bislang aus.