US-Präsident Donald Trump hat über Truth Social angekündigt, Generika-Importe in die USA ab 1. August 2028 für ein Jahr mit 100 Prozent und danach mit 200 Prozent Zoll zu belegen; bis dahin gilt weiterhin ein Zollsatz von null Prozent. Ziel sei es, Generika-Produktion zurück in die USA zu holen.
Der Schweizer Generikakonzern Sandoz reagierte zurückhaltend und verwies auf fehlende Umsetzungsdetails; der Konzern erzielt rund 22 Prozent seines Umsatzes in Nordamerika. Analysten des Researchhauses Bernstein halten die Fristen für kaum realistisch: Freie US-Produktionskapazitäten reichten nicht annähernd aus, um die rund 90 Prozent Generika-Anteil an US-Verschreibungen zu decken, zumal weniger als fünf Prozent der weltweiten Wirkstofffabriken in den USA stehen und Generika nur mit geringen Margen produziert werden.
Offen bleibt, wie die US-Regierung die Maßnahme rechtlich umsetzt, wie EU-Institutionen und Österreich reagieren und welche Folgen für Medikamentenpreise und -versorgung hierzulande drohen könnten. Frühere Kurswechsel bei US-Zollankündigungen mahnen zur Vorsicht bei der Einschätzung der Verbindlichkeit des Zeitplans.
Was passiert ist
US-Präsident Donald Trump hat über seinen eigenen Onlinedienst Truth Social angekündigt, Generika-Medikamente aus dem Ausland künftig mit deutlich höheren Zöllen zu belegen. Konkret sollen alle in die USA eingeführten Generika ab 1. August 2026 zunächst zwei weitere Jahre lang mit null Prozent Zoll belegt bleiben. Ab August 2028 soll der Satz für ein Jahr auf 100 Prozent steigen, danach auf 200 Prozent. Als Begründung nannte Trump das Ziel, Generika-Produktion in die USA zurückzuholen – Unternehmen, die ihre Fertigung nicht in der eingeräumten Frist in die USA verlagern, sollen damit einen Nachteil erleiden.
Was die Quellen zeigen
ORF und Kurier geben Trumps Truth-Social-Formulierung wortgleich wieder, was für ein tatsächlich erfolgtes Statement des Präsidenten spricht. Der Schweizer Generikakonzern Sandoz reagierte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP zurückhaltend: Es sei zu früh, Auswirkungen abzuschätzen, da wesentliche Details zu Umsetzung und Geltungsbereich fehlten. Sandoz erzielt rund 22 Prozent seines Konzernumsatzes in Nordamerika. Analysten des US-Researchhauses Bernstein äußerten sich in einem Kommentar skeptisch zur Umsetzbarkeit: In den USA gebe es zwar freie Produktionskapazitäten, diese reichten aber bei Weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Rund 90 Prozent aller in den USA verschriebenen Medikamente seien Generika, während weniger als fünf Prozent der großen Wirkstofffabriken weltweit in den USA stehen. Da Generika mit sehr geringen Gewinnmargen produziert würden, sei eine erzwungene Verlagerung der Produktion wirtschaftlich kaum rentabel, so die Analysten. Internationale Wirtschaftsmedien wie CNBC und Bloomberg bestätigen Zeitplan und Zollsätze unabhängig von den österreichischen Berichten und ordnen die Ankündigung in Trumps bereits im Frühjahr angekündigte Zölle auf patentgeschützte Markenmedikamente ein; sie verweisen zudem darauf, dass indische Hersteller einem Bericht zufolge einen sehr großen Teil der in den USA verbrauchten Generika liefern.
Was unklar bleibt
Offen ist, über welchen rechtlichen Mechanismus die US-Regierung die angekündigten Zollstufen tatsächlich in Kraft setzen will und ob es dafür noch weiterer Schritte bedarf. Keine der vorliegenden Quellen enthält eine Reaktion von EU-Institutionen oder der österreichischen Bundesregierung, obwohl Generika-Preise und -Versorgung auch für Österreich relevant sind. Ebenso fehlt eine Stellungnahme weiterer großer Generika-Hersteller neben Sandoz. Wie belastbar Trumps Zeitplan letztlich ist, lässt sich angesichts vergangener Kurswechsel bei US-Zollankündigungen nicht abschließend einschätzen.
Einordnung
Die Ankündigung reiht sich in eine Serie von Trumps Zollvorstößen gegenüber der Pharmaindustrie ein, nachdem bereits im Frühjahr Zölle auf patentgeschützte Markenmedikamente angekündigt worden waren. Für Österreich und die EU ist die Entwicklung relevant, weil ein erheblicher Teil der hierzulande verwendeten Generika aus internationaler Produktion stammt und Kostenschübe bei US-Importzöllen mittelfristig auch globale Lieferketten und Preise beeinflussen könnten. Belastbare Aussagen zu konkreten Folgen für den österreichischen Markt lassen die vorliegenden Quellen jedoch nicht zu.

