Textlänge

US-Präsident Donald Trump hat sich am 28. Juli 2026 im Weißen Haus getroffen – sowohl mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als auch, in einem gesonderten Gespräch, mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Anlass für beide Besuche war die Trauerfeier für den kürzlich verstorbenen US-Senator Lindsey Graham. Das Gespräch mit Netanjahu dauerte laut Trumps Sprecherin Karoline Leavitt rund eineinhalb Stunden; Netanjahu bezeichnete es später als „eines der besten“, die er je mit Trump geführt habe. Bei Selenskyj ging es laut dessen eigener Mitteilung auf X vor allem um Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen in der Ukraine sowie um eine Wiederbelebung diplomatischer Bemühungen zur Beendigung des Kriegs.

Wie es tatsächlich um diese Patriot-Lizenz steht, bleibt allerdings unklar. Trump hatte eine solche Lizenz bereits Anfang Juli beim Nato-Gipfel in Ankara öffentlich in Aussicht gestellt. Nach dem Gespräch am 28. Juli erklärte Selenskyj, Trump habe die Zusage bekräftigt – „er hat zugesagt, uns die Lizenzen zu erteilen“, sagte er in einem Fox-News-Interview. Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge, den die „Kleine Zeitung“ am 31. Juli wiedergab, äußerte sich Trump selbst in einem Telefonat jedoch deutlich zurückhaltender und sprach von einer „sehr außergewöhnlichen Waffe“, bei deren Weitergabe man vorsichtig sein müsse. Dieser Bericht liegt uns nur über die zitierende Zeitung vor, eine unabhängige Bestätigung fehlt ebenso wie eine Auflösung des Widerspruchs zu Selenskyjs Darstellung. Ob und in welchem Umfang die Lizenz tatsächlich zustande kommt, ist damit weiterhin offen.

Auch beim Gespräch mit Netanjahu bleiben Details offen: Im Zentrum stand laut beiden Seiten der Iran und dessen mutmaßliche Nuklearpläne, die Teheran zurückweist. Ob Netanjahu wie berichtet Geheimdienstinformationen zu einer mutmaßlichen Anlage namens „Pickaxe Mountain“ vorlegte, lässt sich aus einer einzelnen, nicht unabhängig bestätigten Quelle nicht sicher sagen. Ein offizielles Protokoll des Weißen Hauses zu beiden Gesprächen liegt nicht vor.

Was am 28. Juli in Washington geschah

US-Präsident Donald Trump hat sich am Dienstag im Weißen Haus getroffen – zunächst mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, in einem gesonderten Gespräch aber auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Das Netanjahu-Gespräch hinter verschlossenen Türen dauerte laut übereinstimmenden Berichten rund eineinhalb Stunden. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt bestätigte das Ende der Begegnung über die Plattform X und bezeichnete sowohl dieses Treffen als auch das kurz zuvor stattgefundene Gespräch mit Selenskyj als „positiv und produktiv“. An beiden Gesprächen nahmen laut Fotos aus dem Weißen Haus auch US-Außenminister Marco Rubio und US-Verteidigungsminister Pete Hegseth teil. Anlass der Doppelvisite in Washington war ein Trauerfall: Sowohl Selenskyj als auch Netanjahu reisten zur Trauerfeier für den kürzlich verstorbenen US-Senator Lindsey Graham an, der sich als Unterstützer sowohl Israels als auch der Ukraine profiliert hatte. Netanjahu meldete sich nach seinem Gespräch mit einer Videobotschaft zu Wort und nannte es „eines der besten Gespräche“, die er je mit Trump geführt habe. Selenskyj wiederum teilte auf X mit, er und Trump hätten „über Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen gesprochen und andere Dinge, die helfen können“, sowie über eine Wiederbelebung diplomatischer Bemühungen um ein Kriegsende. Er zeigte sich „dankbar für die feste Unterstützung“ der USA.

Patriot-Lizenz für die Ukraine: Zusage mit neuen Fragezeichen

Die Ukraine drängt angesichts des nahenden Winters auf eine rasche Stärkung ihrer Luftverteidigung gegen russische Raketenangriffe – und setzt dabei auch auf eine eigene Lizenz zum Bau von Patriot-Abfangraketen. Trump hatte eine solche Lizenz bereits Anfang Juli 2026 beim Nato-Gipfel in Ankara öffentlich in Aussicht gestellt. Nach dem Gespräch am 28. Juli erklärte Selenskyj, unter anderem in einem Interview mit dem Fox-News-Moderator Sean Hannity, Trump habe die Zusage bekräftigt: „Er hat zugesagt, uns die Lizenzen zu erteilen.“ Mehrere österreichische Medien griffen diese Darstellung unter Verweis auf Selenskyj auf. Eine unabhängige Bestätigung durch das Weiße Haus dazu liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor. Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge, den die „Kleine Zeitung“ am 31. Juli wiedergab, klingt Trump selbst allerdings deutlich zurückhaltender: In einem Telefonat habe er erklärt, Patriot sei „eine sehr außergewöhnliche Waffe“, weshalb man vorsichtig sein müsse, „an wen wir Lizenzen vergeben“. Dieser Bericht liegt uns nur über die zitierende Zeitung vor, nicht im Original der „Financial Times“. Ob Trumps Zurückhaltung ein genereller Vorbehalt ist oder sich auf Details wie den Empfängerkreis oder den Zeitplan bezieht, lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht klären – ebenso wenig, wie sich diese Aussage mit Selenskyjs Darstellung einer bereits erfolgten Zusage in Einklang bringen lässt. Der Ausgang der Lizenzfrage bleibt damit offen.

Der Iran im Zentrum des Gesprächs mit Netanjahu

Nach Angaben mehrerer österreichischer Medien war das Treffen mit Netanjahu das achte persönliche zwischen den beiden seit Trumps erneutem Amtsantritt im Jänner 2025 – zugleich aber das erste seit Februar, also seit vor Beginn des Kriegs zwischen Israel und dem Iran. In der Zwischenzeit hatten Berichte über Spannungen zwischen den beiden immer wieder für Schlagzeilen gesorgt: Israel habe demnach auf eine Fortsetzung militärischer Schritte gegen den Iran gedrängt, während Trump eine diplomatische Lösung bevorzugt habe. Trump selbst nährte diesen Eindruck kurz vor dem Treffen in einem Interview mit Fox News, in dem er andeutete, Netanjahu wolle ihn davon überzeugen, sich nicht vom Iran-Krieg abzuwenden. Inhaltlich stand laut beiden Seiten der Iran im Mittelpunkt: Trump und Netanjahu hätten das gemeinsame Ziel bekräftigt, eine iranische Atombewaffnung zu verhindern – ein Vorwurf, den Teheran seit Jahren zurückweist.

Was unklar bleibt

Zwei zentrale, aber schwächer belegte Punkte prägen die Berichterstattung zu diesem Tag in Washington. Zum einen betrifft das einen mutmaßlichen iranischen Nuklearstandort namens „Pickaxe Mountain“ im Zentraliran: Das US-Boulevardblatt „New York Post“ hatte im Vorfeld unter Berufung auf eine einzelne israelische Quelle berichtet, Netanjahu werde bei dem Treffen entsprechende Geheimdienstinformationen vorlegen. Trump reagierte auf entsprechende Nachfragen ausweichend: Er brauche „Bibi“ nicht, um ihm das zu sagen, Netanjahu wolle nur, dass er „weiterhin involviert“ bleibe. Ob Netanjahu solche Informationen tatsächlich vorlegte und wie belastbar sie sind, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht bestätigen. Zum anderen bleibt offen, wie es tatsächlich um die Patriot-Lizenz für die Ukraine steht: Selenskyjs Aussage einer bereits erfolgten Zusage steht einem über die „Kleine Zeitung“ zitierten „Financial Times“-Bericht gegenüber, wonach Trump selbst noch unentschlossen ist. Beide Darstellungen stammen von direkt beteiligten beziehungsweise nur einfach bestätigten Quellen, eine offizielle, im Wortlaut einsehbare Stellungnahme des Weißen Hauses zu beiden Gesprächen liegt nicht vor.

Einordnung

Die Doppelvisite fällt in eine Phase, in der sowohl Israel als auch die USA vor wichtigen politischen Weichenstellungen stehen: In Israel wird am 27. Oktober ein neues Parlament gewählt, während sich die Ukraine vor dem Winter auf eine mögliche Verschärfung russischer Luftangriffe vorbereitet. Der israelische Nahost-Experte Jonatan Freeman von der Hebräischen Universität Jerusalem wurde von Die Presse mit der Einschätzung zitiert, Hauptziel des Besuchs sei es gewesen, Berichten über eine Abkühlung der Beziehungen zwischen Trump und Netanjahu entgegenzuwirken und nach außen demonstrative Einigkeit zu zeigen. Die Patriot-Lizenzfrage wiederum zeigt exemplarisch, wie unterschiedlich Zusagen Trumps von den jeweils Begünstigten und von ihm selbst dargestellt werden können: Während Kiew die Ankündigung als politischen Erfolg kommuniziert, deuten spätere Trump-Aussagen auf anhaltende interne Abwägungen hin – etwa dazu, welche Staaten Zugang zu einer derart sensiblen Rüstungstechnologie erhalten sollen. Wie belastbar die in Washington demonstrierte Einigkeit in beiden Fällen tatsächlich ist und welche konkreten weiteren Schritte daraus folgen, lässt sich aus den vorliegenden Berichten nicht ableiten.