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Eine Studie der TU Graz beziffert erstmals österreichweit den gesamten Parkflächenverbrauch: 13,6 Millionen Stellplätze beanspruchen zusammen rund 31.700 Hektar Fläche – etwa so viel wie die Fläche des Neusiedler Sees oder die zweieinhalbfache Fläche des Grazer Stadtgebiets. Erarbeitet hat die Studie „Parking Space Insight“ ein Team um Michael Cik vom Institut für Straßen- und Verkehrswesen der TU Graz, das dafür Daten aus OpenStreetMap, digitalen Landschaftsmodellen, Mobilfunkdaten und der Plattform GIP kombinierte.

Besonders flächenintensiv sind ebenerdige Parkplätze abseits der Straße: Sie stellen rund drei Viertel aller Stellplätze, beanspruchen aber über 91 Prozent der Gesamtfläche. Parkhäuser und Tiefgaragen sind deutlich effizienter und kommen mit nur 2,4 Prozent der Fläche bei zwölf Prozent der Stellplätze aus. Im Städtevergleich liegt die Dichte in Graz (0,74 Stellplätze pro Einwohner) und Wien (0,67) klar über jener von Barcelona (0,48) und Paris (0,35) – laut Studienautoren auch eine Folge verpflichtender Stellplatzvorgaben in österreichischen Bauordnungen.

Offen bleiben methodische Details der Erhebung sowie Reaktionen von Politik und Raumplanung auf die Ergebnisse.

Was die Studie zeigt

Parkende Autos beanspruchen in Österreich eine Fläche von rund 31.700 Hektar – das entspricht nach Berechnungen der Studienautoren etwa der zweieinhalbfachen Fläche des Grazer Stadtgebiets oder nahezu der gesamten Fläche des Neusiedler Sees. Das ist das zentrale Ergebnis der Studie „Parking Space Insight“ (PSI), die ein Team um Michael Cik vom Institut für Straßen- und Verkehrswesen der TU Graz erarbeitet hat und die die TU Graz per Aussendung präsentierte. Erfasst wurden dabei 13,6 Millionen Stellplätze im gesamten Bundesgebiet.

Den größten Anteil an dieser Fläche haben mit Abstand ebenerdige, nicht gestapelte Parkplätze abseits des öffentlichen Straßenraums: Sie machen rund drei Viertel aller Stellplätze aus, benötigen dabei aber mehr als 91 Prozent der gesamten Parkfläche – rund 29.000 der 31.700 Hektar. Parkhäuser, Tiefgaragen und private Garagen sind dagegen deutlich flächeneffizienter: Sie stellen zwölf Prozent der Stellplätze bereit, kommen dabei aber mit nur rund 2,4 Prozent der Gesamtfläche aus. Rund zehn Prozent der Stellplätze liegen direkt am Rand öffentlicher Straßen.

Wie die Daten zustande kamen

Laut TU Graz wurde beim Parkraummanagement bislang häufig mit Schätzungen oder unvollständigen Datensätzen gearbeitet. Für die PSI-Studie kombinierte das Team ein neu entwickeltes Analyseverfahren mit mehreren Datenquellen: freizugängliche Straßenkarten wie OpenStreetMap, digitale Landschaftsmodelle, anonymisierte Mobilfunkdaten, Echtzeitnutzungsdaten sowie die Graphenintegrationsplattform GIP. Ziel war laut den Studienautoren eine österreichweit einheitliche, belastbare Datengrundlage für eine objektive Analyse des Stellplatzangebots – als Alternative zu bisherigen Einzelschätzungen einzelner Städte oder Regionen.

Österreich im europäischen Vergleich

Im internationalen Vergleich fällt die hohe Parkplatzdichte in Österreich auf. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl kommen in Graz 0,74 Stellplätze pro Kopf zusammen, in Wien sind es 0,67. Barcelona liegt mit 0,48 und Paris mit 0,35 Stellplätzen pro Einwohner deutlich darunter. Die Studienautoren erklären die Unterschiede zum einen mit einer restriktiveren Parkraum- und Verkehrspolitik in Paris und Barcelona, zum anderen mit historischen Gründen: Graz ist weniger dicht bebaut und hat mehr Einfamilien- und Reihenhausgebiete mit privaten Stellplätzen, Wien ist stärker von dichter Gründerzeitbebauung geprägt, während Paris und Barcelona größtenteils vor der Massenmotorisierung entstanden und daher von vornherein weniger Platz für Autos boten.

Als weiteren Faktor nennen die Studienautoren österreichische Bauordnungen und Raumordnungsgesetze, die bei Neubauten auch dort, wo öffentliche Verkehrsmittel verfügbar sind, lange verpflichtende Mindest-Stellplatzzahlen vorschrieben. Diese Vorgaben seien erst in den vergangenen Jahren in einzelnen Städten schrittweise gelockert worden – welche konkreten Regelungen das betrifft, benennen die vorliegenden Quellen nicht im Detail.

Was unklar bleibt

Zur Studie selbst liegen bislang nur Zahlen und Zitate aus einer Aussendung der TU Graz vor, wie sie mehrere Medien wiedergegeben haben; eine vollständige wissenschaftliche Publikation mit methodischen Details – etwa zu Fehlermargen, Stichprobenverfahren oder dem genauen Erhebungszeitraum – wurde bislang nicht eingesehen. Ebenso fehlen bisher Stellungnahmen von Verkehrsministerium, Städten, Raumordnungsverbänden oder Umweltorganisationen zu den Ergebnissen. Offen ist zudem, ob und wie die neuen Daten in künftige Reformen von Bauordnungen oder kommunalem Parkraummanagement einfließen.