Nach dem ukrainischen Angriff auf zwei russische Ölraffinerien und einem russischen Raketenangriff auf Kiew Mitte Juli 2026 (laut ukrainischem Notdienst 19 Tote) setzte sich der gegenseitige Beschuss in mehreren weiteren Wellen fort. Am 24. Juli griff die Ukraine laut ORF mit Hunderten Drohnen den Onlinehändler Wildberries sowie ein Rüstungsunternehmen an, Russland traf im Gegenzug eine Rüstungsmesse bei Kiew – laut Ukrinform zehn Tote, fast 100 Verletzte – sowie die Stadt Slowjansk, wo laut Gouverneur Filaschkin mindestens fünf Menschen starben und das lettische Honorarkonsulat beschädigt wurde. Der Hauptorganisator der Rüstungsmesse-Veranstaltung wurde inzwischen festgenommen, ihm wird laut Generalstaatsanwalt Krawtschenko Amtspflichtverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.
Am 25. Juli folgte eine weitere Angriffswelle: Laut dem von Russland eingesetzten Gouverneur der besetzten Region Saporischschja starben acht Menschen, darunter zwei Kinder, bei einem nächtlichen Angriff auf ein Feriengelände in Kyryliwka am Asowschen Meer – eine unabhängige Bestätigung dieser Angabe fehlt, da sie ausschließlich von einer russischen Besatzungsbehörde stammt. In der Region Sumy wurden bei einem Drohnenangriff auf den Paketdienst Nowa Poschta laut ukrainischen Angaben drei Fahrer getötet, zwei weitere Menschen starben laut ORF bei Angriffen im Süden der Ukraine. Die Gesamtzahl der Toten dieses Tages bezifferte ORF uneinheitlich mit mindestens 16 beziehungsweise, in einem späteren Bericht, mit mindestens 20. Ukrainische Drohnen trafen zudem eine Ölraffinerie im sibirischen Tjumen, weit im russischen Landesinneren.
In der Nacht auf den 26. Juli griff Russland Kiew laut Bürgermeister Vitali Klitschko erneut mit ballistischen Raketen an; herabstürzende Trümmerteile lösten laut ukrainischer Luftwaffe in mindestens drei Bezirken Brände aus, Augenzeugen hörten mehrfache Explosionen. Berichte über Opfer lagen zum Zeitpunkt der Meldung noch nicht vor.
Was passiert ist
Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer österreichischer Medien hat die Ukraine Mitte Juli 2026 zwei Ölraffinerien auf russischem Staatsgebiet angegriffen – eine in der Region Krasnodar, eine weitere Berichten zufolge rund 1.400 Kilometer von der Frontlinie entfernt. Parallel griff Russland in der Nacht auf den 14. Juli die ukrainische Hauptstadt Kiew mit sechs bis acht ballistischen Raketen an; nach Angaben des ukrainischen Staatlichen Notdienstes wurden dabei 19 Menschen getötet und 61 verletzt.
Zehn Tage später eskalierte der gegenseitige Beschuss erneut: In der Nacht auf Freitag, 24. Juli 2026, griff die Ukraine laut ORF mit Hunderten Drohnen den größten russischen Onlineversandhändler Wildberries sowie ein Rüstungsunternehmen an. Laut Kurier-Bericht wurden bei einem daraufhin in Brand geratenen Wildberries-Lager zwei Menschen getötet. Am Vormittag desselben Tages schlug Russland mehrfach zurück: Im Umland Kiews wurden nach Angaben der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform bei einem Angriff mit einer ballistischen Rakete zehn Menschen getötet und fast 100 verletzt. Umstritten blieb zunächst das genaue Angriffsziel – ein privater Sportkomplex oder ein Übungsgelände einer Rüstungsmesse; mehrere später gefundene, über die Nachrichtenagentur APA an Regionalmedien wie Kleine Zeitung, BVZ, NÖN und SN syndizierte Meldungen nennen inzwischen übereinstimmend die Rüstungsmesse als Ziel. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft unter Ruslan Krawtschenko leitete daraufhin ein Verfahren wegen des Verdachts auf Amtspflichtverletzung bei Organisation und Ausrichtung der Veranstaltung ein und bezeichnete den Angriff als Kriegsverbrechen; laut ukrainischen Behörden wurde der Hauptorganisator der Veranstaltung inzwischen festgenommen, da diese offenbar ohne Abstimmung mit den zuständigen Behörden stattgefunden habe und der nächstgelegene Schutzraum nur rund 100 Meter entfernt und lediglich 34 Quadratmeter groß gewesen sei.
In der ostukrainischen Stadt Slowjansk wurden am selben Tag laut dem Gouverneur der Region Donezk, Wadym Filaschkin, bei einem Angriff mit Gleitbomben mindestens fünf Menschen getötet und neun weitere verletzt. Zehn private Wohnhäuser, eine Fabrik sowie das Gebäude des lettischen Honorarkonsulats wurden beschädigt; nach Angaben des lettischen Außenministeriums wurden zwei Konsulatsmitarbeiter verletzt. Russland meldete zudem den Beschuss dreier ukrainischer Häfen – Odessa, Mykolajiw und Ismajil an der Donau –, der ukrainische Stromversorger Ukrenerho berichtete von Schäden an Energieanlagen in fünf Regionen.
Am 25. Juli 2026 setzte sich der wechselseitige Beschuss fort. Laut dem von Russland eingesetzten Gouverneur der besetzten Region Saporischschja, Jewhenij Balyzkyj, starben acht Menschen, darunter zwei Kinder, bei einem nächtlichen Angriff auf ein Feriengelände in Kyryliwka am Asowschen Meer. In der Region Sumy wurden bei einem Drohnenangriff auf den privaten Paketdienst Nowa Poschta laut ukrainischen Angaben drei Fahrer getötet, zwei weitere Menschen starben laut ORF bei Angriffen im Süden der Ukraine. Die Gesamtzahl der Toten dieses Tages bezifferte ORF uneinheitlich: Eine Meldung sprach von mindestens 16, eine spätere vom Folgetag von mindestens 20 Toten. Auf ukrainischer Seite trafen Drohnen laut ORF zudem eine Ölraffinerie in der sibirischen Region Tjumen – eines der bislang am weitesten von der Front entfernten Ziele ukrainischer Angriffe.
In der Nacht auf Sonntag, den 26. Juli 2026, griff Russland Kiew laut Bürgermeister Vitali Klitschko erneut mit ballistischen Raketen an. Nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte lösten herabstürzende Trümmerteile in mindestens drei Bezirken der Hauptstadt Brände aus, Augenzeugen hörten mehrfache Explosionen. Berichte über Opfer lagen zum Zeitpunkt der ersten Meldung noch nicht vor.
Was die Quellen zeigen
Die vorliegenden Berichte von Die Presse, Kurier, ORF, DER STANDARD, news.at sowie den APA-Regionalmedien stammen überwiegend aus österreichischen Medienhäusern und stützen sich erkennbar auf Agentur- beziehungsweise Behördenberichterstattung aus dem Kriegsgebiet, nicht auf eigene Vor-Ort-Recherche. Zur Angriffswelle vom 24. Juli liegt ein ausführlicher ORF-Bericht vor, der ukrainische Behörden-, Regierungs- und Agenturangaben (Ukrinform, UNIAN, Gouverneur Filaschkin, Generalstaatsanwalt Krawtschenko) bündelt; eine zusätzliche, breiter syndizierte Meldung bestätigt seither Grunddaten dieses Angriffs (ballistische Rakete, Rüstungsmesse als Ziel, ungefähre Opferzahl). Zusätzlich fanden sich eine Erklärung des lettischen Außenministeriums sowie mehrere internationale Medienberichte zur von der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas angekündigten Reaktion.
Für die neue Welle vom 25./26. Juli stammen die Angaben ausschließlich aus mehreren separaten ORF-Meldungen sowie einem Bericht von Die Presse. Bemerkenswert ist dabei, dass die Opferzahl zum Angriff auf das Feriengelände in Kyryliwka ausschließlich von einer durch Russland eingesetzten Besatzungsbehörde im besetzten Teil der Region Saporischschja stammt – einer Quelle, deren Unabhängigkeit selbst infrage steht, da sie Teil der russischen Kriegspartei ist. Für die Brände in Kiew in der Nacht auf den 26. Juli liegt bislang nur ein einzelner ORF-Bericht vor, der sich auf den Kiewer Bürgermeister und die ukrainische Luftwaffe stützt; eine zweite, unabhängige Medienquelle dazu wurde nicht gefunden. Auffällig ist zudem, dass ORF selbst für den 25. Juli innerhalb weniger Stunden zwei unterschiedliche Gesamtopferzahlen (16 beziehungsweise 20) veröffentlichte, ohne die Differenz zu erläutern.
Keiner der Berichte enthält eine russische Stellungnahme zu den ukrainischerseits erhobenen Vorwürfen rund um Kiew, Slowjansk und Sumy. Umgekehrt liegt zur russischen Angabe zum Feriengelände-Angriff keine ukrainische oder unabhängige Gegendarstellung vor; auch die russische Angabe zum Beschuss dreier ukrainischer Häfen stammt ausschließlich vom russischen Verteidigungsministerium.
Was unklar bleibt
Offen bleibt weiterhin, wie stark die Ende Mitte Juli angegriffenen Raffinerien sowie die neu getroffene Raffinerie in Tjumen tatsächlich beschädigt wurden. Bei den Opferzahlen aus Kiew (14. Juli: 19 Tote; 24. Juli: zehn Tote, fast 100 Verletzte) und aus Slowjansk (mindestens fünf Tote) handelt es sich durchgehend um Angaben ukrainischer Behörden und Agenturen, die über Medien wiedergegeben, aber nicht unabhängig geprüft wurden. Neu hinzugekommen ist die Angabe von acht Toten, darunter zwei Kindern, beim Angriff auf das Feriengelände in Kyryliwka – diese stammt ausschließlich von einer russischen Besatzungsbehörde in besetztem Gebiet und ist bislang durch keine zweite Quelle bestätigt. Ebenso ungeklärt ist die Diskrepanz zwischen den beiden ORF-Angaben von mindestens 16 beziehungsweise 20 Toten für den 25. Juli, und ob und wie viele Menschen bei den Bränden in Kiew in der Nacht auf den 26. Juli tatsächlich verletzt oder getötet wurden.
Ungeklärt bleibt außerdem, welches der beiden ursprünglich genannten Ziele – Sportkomplex oder Rüstungsmesse-Übungsgelände – bei Kiew am 24. Juli tatsächlich getroffen wurde, auch wenn mehrere Berichte inzwischen die Rüstungsmesse-Version stützen. Zu welchem Ergebnis das Verfahren gegen den festgenommenen Organisator kommt, ist offen, ebenso eine mögliche Stellungnahme des Betroffenen. Auch die Opferzahl beim Wildberries-Angriff (zwei Tote laut Kurier) und beim Nowa-Poschta-Angriff in Sumy (drei Tote) beruhen auf einzelnen Berichten ohne erkennbare Primärquelle. Weiterhin offen sind Details zur konkreten Ausgestaltung der von der EU angekündigten neuen Sanktionen sowie zu Umfang und Zeitplan der für Herbst 2026 angekündigten Manöver der “Koalition der Willigen”.
Einordnung
Die Ereignisse von Mitte bis Ende Juli reihen sich in eine seit Monaten anhaltende wechselseitige Eskalation ein: Die Ukraine greift verstärkt russische Wirtschafts- und Rüstungsinfrastruktur an, Russland reagiert mit Raketen- und Gleitbombenangriffen auf ukrainische Städte – inzwischen praktisch im Tagesrhythmus, mit weiteren Bränden in Kiew in der Nacht auf den 26. Juli. Neu ist mit dem Angriff auf ein Feriengelände im besetzten Teil Saporischschjas eine Konstellation, in der Opferzahlen erstmals ausschließlich von einer durch Russland eingesetzten Besatzungsbehörde stammen – eine Quelle, die weder unabhängig noch neutral ist und deshalb besonders zurückhaltend zu behandeln ist. Mit insgesamt mehreren Dutzend gemeldeten Toten binnen weniger Tage sowie der dokumentierten Beschädigung eines EU-Mitgliedstaats-Konsulatsgebäudes (Lettland) gewinnt der Schlagabtausch weiterhin zusätzliche außenpolitische Brisanz. Da die Kernfakten – dass die jeweiligen Angriffe stattfanden – mittlerweile durch mehrere voneinander unabhängige Berichte gestützt sind, während sämtliche Opferzahlen, das genaue Angriffsziel bei Kiew, die Tagesbilanz vom 25. Juli und die jeweils gegnerische Position weiterhin fehlen oder unbestätigt sind, bleibt bei diesen Details weiterhin Zurückhaltung geboten.

