Rund zwei Dutzend ungarische Hochschulen – insgesamt 21 Universitäten – nehmen ab dem Wintersemester 2026/27 wieder am EU-Austauschprogramm Erasmus teil. Das teilte Bildungsministerin Judit Lannert am 4. September 2026 auf Facebook mit. Die Institutionen waren 2022 ausgeschlossen worden, nachdem sie unter der damaligen Regierung von Viktor Orban in privatrechtliche Stiftungen überführt worden waren; die EU-Kommission verwies dabei auf Interessenkonflikte sowie Bedenken zu Rechtsstaatlichkeit und Transparenz.
Die Kehrtwende fällt zusammen mit einem Machtwechsel in Budapest: Bei der Wahl im April 2026 unterlag Orbans Fidesz der oppositionellen Tisza-Partei von Péter Magyar, der im Mai als Ministerpräsident angelobt wurde. Ende Mai vereinbarte Magyar mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Freigabe von rund 16,4 Milliarden Euro an eingefrorenen EU-Geldern; im Gegenzug sagte Ungarn laut mehreren internationalen Medienberichten zu, die Universitätsstiftungen schrittweise aufzulösen.
Offen bleibt, welche Hochschulen im Detail betroffen sind, nach welchem Zeitplan die Stiftungen umgewandelt werden und wie die EU-Kommission die nun erfolgte Rückkehr offiziell kommentiert.
Was passiert ist
Rund zwei Dutzend Hochschulen in Ungarn – insgesamt 21 Universitäten – nehmen ab dem kommenden Wintersemester wieder am EU-Studierendenaustauschprogramm Erasmus teil. Das teilte Bildungsministerin Judit Lannert am 4. September 2026 auf Facebook mit: „Erasmus kehrt an alle ungarischen Universitäten zurück.“ Die betroffenen Institutionen waren 2022 aus dem Programm ausgeschlossen worden und kommen im Zuge der jetzigen Regelung wieder unter staatliche Kontrolle, nachdem sie zuvor in privatrechtliche Stiftungen überführt worden waren.
Hintergrund: Der Ausschluss 2022
Die EU-Kommission hatte die Erasmus-Förderung für die betroffenen Hochschulen ausgesetzt, nachdem unter der damaligen rechtsnationalistischen Regierung von Viktor Orban 21 Universitäten – darunter mehrere der renommiertesten des Landes – in den Besitz von Stiftungen überführt worden waren. In den Vorständen dieser Stiftungen saßen laut übereinstimmenden Medienberichten mehrere mit Orban verbündete Politiker. Die damalige Regierung begründete den Schritt mit einer angestrebten Modernisierung der Hochschulen; Kritiker sahen darin hingegen einen Versuch, den Einfluss der Regierungspartei Fidesz im Bildungsbereich dauerhaft abzusichern. Die EU-Kommission verwies bei der Aussetzung der Förderung auf Interessenkonflikte sowie auf Bedenken zu Rechtsstaatlichkeit und Transparenz.
Politischer Kontext: Regierungswechsel in Budapest
Die jetzige Kehrtwende fällt zusammen mit einem Machtwechsel in Ungarn: Bei der Parlamentswahl im April 2026 unterlag Orbans Fidesz-Partei der oppositionellen Tisza-Partei von Péter Magyar, der im Mai 2026 als Ministerpräsident angelobt wurde. Ende Mai 2026 vereinbarte Magyar bei einem Treffen mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel die Freigabe von rund 16,4 Milliarden Euro an zuvor eingefrorenen EU-Geldern. Im Zuge dieser Einigung sagte Ungarn laut übereinstimmenden internationalen Medienberichten auch zu, die umstrittenen Universitätsstiftungen schrittweise aufzulösen beziehungsweise umzuwandeln – ein Schritt, der nun die Rückkehr ins Erasmus-Programm ermöglicht.
Was unklar bleibt
Offen ist, welche der 21 Hochschulen im Einzelnen betroffen sind und nach welchem konkreten Zeitplan die Stiftungen aufgelöst oder umgewandelt werden. Eine offizielle, direkt zitierte Stellungnahme der EU-Kommission zur nun erfolgten Rückkehr ins Programm liegt nicht vor; ebenso wenig öffentlich dokumentiert ist, wie viele Studierende ab dem Wintersemester tatsächlich an Austauschprogrammen teilnehmen werden oder wie sich die früheren Stiftungsvorstände zur Rückabwicklung positionieren.
Einordnung
Der Fall zeigt, dass der von der EU-Kommission genutzte Hebel – das Aussetzen von Fördergeldern wegen Rechtsstaatlichkeits- und Transparenzbedenken – langfristig Wirkung entfalten kann, auch wenn die eigentliche Kursänderung erst nach einem Regierungswechsel erfolgte. Für Studierende und Hochschulen in Ungarn bedeutet die Rückkehr vor allem wieder Zugang zu Austauschmöglichkeiten, die seit 2022 unterbrochen waren.


