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Eine unabhängige UN-Untersuchungskommission für den Iran sieht in einem Bericht an den UNO-Menschenrechtsrat in Genf hinreichende Gründe für die Annahme, dass zwei US-Luftangriffe aus dem Februar 2026 Kriegsverbrechen darstellen: ein Angriff auf eine Mädchenschule in Minab mit je nach Quelle rund 150 bis 168 Toten sowie ein Angriff auf einen Sportkomplex im Ort Lamerd mit 22 Toten, bei dem laut Kommission Munition mit Wolfram-Splittern zum Einsatz kam. Das US-Zentralkommando CENTCOM hatte einen eigenen Angriff auf Lamerd bereits im März 2026 offiziell bestritten und die Explosion einer iranischen Rakete zugeschrieben – ein Widerspruch, der in den vorliegenden Quellen ungeklärt bleibt.

Das Weiße Haus wies den Bericht über Sprecherin Anna Kelly scharf zurück: Der UNO-Menschenrechtsrat habe „nichts für die Menschenrechte erreicht“, der Iran sei die einzige Partei im Konflikt, die Kriegsverbrechen begangen habe. Das US-Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab und verwies auf eine eigene, noch laufende Untersuchung der beiden Luftangriffe. Eine offizielle iranische Reaktion auf den Bericht oder auf die Zurückweisung durch das Weiße Haus liegt bislang nicht vor.

Gleichzeitig wirft die Kommission iranischen Sicherheitskräften Verbrechen gegen die Menschlichkeit bei der Niederschlagung von Massenprotesten Anfang 2026 vor, mit laut einer nicht näher genannten Menschenrechtsorganisation mindestens 221 getöteten Kindern. Wie der UNO-Menschenrechtsrat mit dem Bericht weiter umgeht und wie Iran offiziell reagiert, ist offen.

Was passiert ist

Eine unabhängige Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für den Iran hat einen Bericht vorgelegt, der dem UNO-Menschenrechtsrat in Genf zur Beratung übergeben werden soll. Darin kommt die Kommission laut einer Pressemitteilung des UN-Menschenrechtsbüros OHCHR zu dem Schluss, dass zwei US-Luftangriffe aus der frühen Phase des Kriegs zwischen den USA, Israel und dem Iran im Februar 2026 als Kriegsverbrechen eingestuft werden könnten. Gleichzeitig wirft die Kommission der iranischen Führung Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung vor. Über den Bericht berichteten am 17. September 2026 unter anderem ORF, Der Standard, Die Presse und die Kleine Zeitung übereinstimmend. Einen Tag später reagierte das Weiße Haus mit einer scharfen Zurückweisung des Berichts.

Die zwei untersuchten Luftangriffe

Im Zentrum des Berichts stehen zwei Vorfälle. Bei einem Angriff auf eine Mädchenschule in Minab im Süden des Landes wurden nach offiziellen iranischen Angaben 168 Schülerinnen getötet, die Kommission selbst spricht unter Berufung auf unabhängige Berichte von mindestens 157 Toten; eine OHCHR-Zusammenfassung nennt wiederum mehr als 150 Getötete, darunter rund 120 Mädchen und Buben. Die Kommission wirft den USA vor, den Angriff im Bewusstsein eines erheblichen Risikos für ein ziviles Ziel angeordnet und dabei fahrlässig gehandelt zu haben. Beim zweiten Vorfall, einem Angriff auf einen Sportkomplex im Ort Lamerd in der Provinz Fars, wurden nach offiziellen Angaben 22 Menschen getötet. Die Kommission geht davon aus, dass dabei eine Rakete mit Wolfram-Schrapnellen über bewohntem Gebiet detonierte. Das US-Zentralkommando CENTCOM hatte bereits im März 2026 in einer eigenen Erklärung bestritten, an jenem Tag Ziele in Lamerd angegriffen zu haben, und die Explosion stattdessen einer iranischen Rakete zugeschrieben. Zu beiden Vorfällen blieben laut Bericht Anfragen der Kommission an das US-Militär unbeantwortet.

Reaktion des Weißen Hauses und des Pentagon

Das Weiße Haus reagierte mit deutlicher Kritik auf den Bericht. Sprecherin Anna Kelly erklärte laut übereinstimmenden Medienberichten, der UNO-Menschenrechtsrat habe „nichts für die Menschenrechte erreicht“, und bezeichnete den Iran als die einzige Partei im aktuellen Konflikt, die Kriegsverbrechen begangen habe. Ein Vertreter des US-Außenministeriums warf dem Rat laut einem Bericht des US-Senders CNBC zudem vor, antiamerikanische Rhetorik und Antisemitismus zu verbreiten und repressive Regime zu beschönigen – diese Aussage liegt bislang nur über eine einzige eingesehene Quelle vor. Das US-Verteidigungsministerium selbst lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht der Kommission ab, verwies dabei aber zugleich auf eine eigene, separate Untersuchung der beiden Luftangriffe, die nach eigenen Angaben noch andauere. Damit lassen sich zunächst widersprüchlich wirkende Formulierungen österreichischer Medien – „lehnte eine Stellungnahme ab“ einerseits, „die Untersuchung dauert an“ andererseits – offenbar auf ein und dieselbe Pentagon-Aussage zurückführen. Eine offizielle iranische Reaktion auf den Bericht oder auf die Zurückweisung durch das Weiße Haus liegt in den vorliegenden Quellen weiterhin nicht vor.

Vorwürfe gegen Irans Sicherheitskräfte

Der Bericht richtet sich nicht nur gegen die USA. Die Kommission dokumentiert nach eigenen Angaben schwere Menschenrechtsverstöße iranischer Sicherheitskräfte im Zuge der Niederschlagung von Massenprotesten Anfang 2026 sowie bei der anschließenden Verfolgung Demonstrierender durch die Justiz. Sicherheitskräfte hätten demnach sowohl mit scharfer Munition von Dächern auf Protestierende geschossen als auch mit Luftgewehren teils gezielt auf Augenpartien gezielt. Unter Berufung auf eine Menschenrechtsorganisation, die im vorliegenden Bericht nicht namentlich genannt wird, spricht die Kommission von mindestens 221 getöteten Kindern im Zuge der Proteste.

Was unklar bleibt

Mehrere Details lassen sich aus den vorliegenden Quellen nicht abschließend klären. Die Opferzahlen zum Schulangriff in Minab schwanken je nach Quelle zwischen rund 150 und 168 – welche Zahl zutrifft und wie viele der Getöteten Kinder waren, bleibt offen. Beim Angriff auf Lamerd stehen sich die Einschätzung der Kommission und die offizielle Gegendarstellung von CENTCOM unvereinbar gegenüber, ohne dass eine unabhängige Prüfung der eingesetzten Munition vorliegt. Auch die Identität der von der Kommission zitierten Menschenrechtsorganisation zur Zahl von 221 getöteten Kindern bleibt unbenannt. Zum eigenen, laut Pentagon noch laufenden US-Untersuchungsverfahren zu den beiden Luftangriffen liegen bislang keine Ergebnisse oder ein Veröffentlichungstermin vor. Und schließlich fehlt in den vorliegenden Quellen jede offizielle Reaktion der iranischen Regierung – weder auf die gegen sie erhobenen Vorwürfe der Verbrechen gegen die Menschlichkeit noch auf die Zurückweisung des Berichts durch das Weiße Haus.

Einordnung

Der Bericht reiht sich in eine Serie von UN-Untersuchungen zu mutmaßlichen Kriegsverbrechen in aktuellen Konflikten ein – „Neue Nachrichten“ hat im Juli 2026 bereits über einen Bericht des UN-Menschenrechtsbüros zu möglichen Kriegsverbrechen Israels im Libanon berichtet. Die nun untersuchten Luftangriffe fallen zudem in die Frühphase jenes Kriegs zwischen den USA, Israel und dem Iran rund um die Straße von Hormus, der im weiteren Verlauf des Jahres auch zu den in „Neue Nachrichten“ beschriebenen Öl- und Gaspreisausschlägen beigetragen hat. Der aktuelle Bericht bewertet ausdrücklich nur zwei von mehreren Vorfällen des Kriegs und trifft keine abschließende juristische Feststellung – die Einstufung als Kriegsverbrechen ist eine Einschätzung der Kommission, keine gerichtliche Entscheidung. Die scharfe Zurückweisung durch das Weiße Haus zeigt zugleich, dass die US-Regierung dem Bericht politisch keine Legitimität zuerkennt und die Verantwortung für Kriegsverbrechen im Konflikt allein dem Iran zuschreibt – eine Position, die dem Kommissionsbefund direkt entgegensteht, ohne ihn mit eigenen, öffentlich zugänglichen Belegen zu widerlegen.