Die UN-Vollversammlung hat am 4. September 2026 eine von Togo und der Afrikanischen Union eingebrachte Resolution beschlossen, die zur Nutzung der „Equal Earth“-Weltkarte statt der traditionellen Mercator-Projektion aufruft. 164 Staaten stimmten dafür, einzig die USA dagegen, sechs Länder enthielten sich.
Die 1569 bzw. in ihrer Ursprungsform 1512 auf Gerardus Mercator zurückgehende Mercator-Karte vergrößert Gebiete in hohen Breitengraden künstlich, wodurch etwa Afrika im Vergleich zu Grönland deutlich zu klein wirkt. Die 2018 entwickelte „Equal Earth“-Projektion bildet die tatsächlichen Flächenverhältnisse genauer ab und zeigt Afrika, Lateinamerika, Südasien und Ozeanien größer. Togos Außenminister Robert Dussey betonte, Karten seien nie neutral und könnten falsche Vorstellungen über Generationen festigen.
Die US-Gegenstimme ist bislang nur über internationale Medienberichte bekannt, wonach Washington die Debatte als Ablenkung von Fragen des internationalen Friedens kritisierte. Wie verbindlich und in welchem Zeitrahmen Staaten und Organisationen die Empfehlung umsetzen sollen, bleibt offen.
Was passiert ist
Die UN-Vollversammlung in New York hat am Freitag, den 4. September 2026, eine Resolution beschlossen, die Staaten, internationale Organisationen und in der Folge auch Bildungseinrichtungen dazu aufruft, künftig Weltkarten vom Typ „Equal Earth“ zu verwenden. 164 Mitgliedstaaten stimmten dafür, einzig die USA stimmten dagegen, sechs weitere Staaten enthielten sich der Stimme. Eingebracht wurde die Resolution von Togo gemeinsam mit der Afrikanischen Union.
Mercator versus Equal Earth
Die bisher gebräuchliche Mercator-Projektion geht auf den 1512 in Flandern geborenen Kartografen Gerardus Mercator zurück und wurde ursprünglich für die Seefahrt entwickelt. Sie vergrößert Gebiete in hohen Breitengraden künstlich, wodurch etwa Grönland auf vielen gängigen Karten annähernd so groß erscheint wie Afrika – tatsächlich ist der Kontinent um ein Vielfaches größer. Die „Equal Earth“-Projektion wurde 2018 von einer Gruppe von Geografinnen und Geografen entwickelt, um die tatsächlichen Flächenverhältnisse der Kontinente möglichst genau abzubilden. Dadurch werden Afrika, Lateinamerika, Südasien und Ozeanien im Vergleich zur Mercator-Karte deutlich größer dargestellt.
Positionen in der Debatte
Der togolesische Außenminister Robert Dussey erklärte während der Debatte in der Vollversammlung, Karten prägten das Verständnis der Welt, seien aber niemals neutral. Es bestehe die Gefahr, dass verzerrte Darstellungen ein falsches Bild des Planeten vermittelten und solche Vorstellungen von Generation zu Generation weitergegeben würden. Die Gegenposition der USA ist bislang nur knapp dokumentiert: Internationalen Medienberichten zufolge kritisierte Washington, die Generalversammlung befasse sich mit „Kartenprojekten aus dem 16. Jahrhundert“ und deren Rolle in Debatten über Wiedergutmachung, statt sich Fragen des internationalen Friedens zu widmen. Diese Einordnung stammt aus einer über eine Websuche gefundenen Quelle und wurde nicht im Wortlaut einer offiziellen US-Erklärung geprüft.
Was unklar bleibt
Offen ist, mit welcher Verbindlichkeit und in welchem Zeitrahmen Staaten, Schulen, Kartendienste und internationale Organisationen tatsächlich auf „Equal Earth“ umstellen sollen – die Resolution hat empfehlenden Charakter. Auch welche sechs Staaten sich der Stimme enthielten, geht aus den vorliegenden Quellen nicht hervor. Ebenso wenig lässt sich derzeit abschließend verifizieren, ob und wie große Anbieter von Kartendiensten oder Schulbuchverlage auf den Beschluss reagieren werden.
Einordnung
Die Resolution ist völkerrechtlich nicht bindend, hat aber als deutliches politisches Signal einer breiten Mehrheit der UN-Mitgliedstaaten Gewicht. Die Debatte reiht sich in eine längere Auseinandersetzung darüber ein, wie stark kartografische Konventionen aus der Kolonialzeit globale Wahrnehmungen von Größe und Bedeutung einzelner Weltregionen bis heute prägen. Dass ausgerechnet die USA als einziges Land dagegen stimmten, verleiht der eigentlich technisch anmutenden Kartenfrage eine zusätzliche geopolitische Note.


