Der deutsche Batteriehersteller Varta hat Insolvenz angemeldet. Die entsprechenden Anträge werden derzeit vom Amtsgericht Stuttgart geprüft, wie eine Gerichtssprecherin bestätigte. Der österreichische Investor Michael Tojner (50 Prozent) und der Sportwagenhersteller Porsche (50 Prozent) waren laut Medienberichten nicht mehr bereit, dem Unternehmen frisches Kapital zuzuschießen. Damit rückt eine zuvor von einer Ad-hoc-Gläubigergruppe um die Deutsche Bank geforderte Zerschlagung näher: Die Gläubiger wollen das profitable Haushaltsbatteriengeschäft übernehmen, während Tojner Interesse am Geschäft mit Mikrobatterien, etwa Knopfzellen für Hörgeräte, angemeldet hat.
Vorausgegangen war ein 2024 abgeschlossenes Sanierungsverfahren, nach dem sich die Lage durch den Verlust eines Großkunden und die Schließung eines Werks in Nördlingen weiter verschärfte; eine Finanzierungslücke von mehr als 110 Millionen Euro wurde bekannt, für 2024 wies Varta einem Bericht zufolge rund 64,5 Millionen Euro Verlust aus. Vorstandschef Michael Ostermann bezeichnete die Insolvenzanmeldung laut mehreren Medien als persönlich schwierigen, aber unausweichlichen Schritt und erklärte, man arbeite daran, möglichst viele der rund 3.260 Arbeitsplätze zu erhalten.
Offen bleiben die genaue Verfahrensform und Zahl der Anträge, eine Stellungnahme von Porsche, der Ausgang von Tojners Rettungsversuch für Teile des Geschäfts sowie das Schicksal der rund 1.800 Arbeitsplätze in der Region Ellwangen/Dischingen. Eine eigene Pressemitteilung von Varta im Volltext liegt bislang nicht vor.
Was passiert ist
Der deutsche Batteriehersteller Varta hat Insolvenz angemeldet. Die entsprechenden Anträge würden derzeit von der zuständigen Richterin geprüft, bestätigte eine Sprecherin des Amtsgerichts Stuttgart mehreren Medien. Michael Tojner, der österreichische Investor, der zu 50 Prozent an Varta beteiligt ist, und der deutsche Sportwagenhersteller Porsche, der die übrigen 50 Prozent hält, waren laut Medienberichten nicht mehr bereit, dem neuerlich in Schieflage geratenen Unternehmen frisches Kapital zuzuschießen.
Varta steht damit, wie bereits zuvor von einer Gläubigergruppe gefordert, vor der Zerschlagung: Die wichtigsten Gläubiger, darunter die Deutsche Bank und mehrere Hedgefonds, wollen das profitable Geschäft mit Haushaltsbatterien übernehmen. Michael Tojner hat seinerseits Interesse am Geschäft mit Mikrobatterien angemeldet, etwa an Knopfzellen für Hörgeräte.
Vorgeschichte: vom frischen Sanierungsfall zum Insolvenzfall
Varta hatte erst im Juli 2024 ein Sanierungsverfahren durchlaufen, in dessen Zuge Alteigentümer weitgehend verdrängt wurden und ein Schuldenschnitt die Verbindlichkeiten deutlich reduzierte. Tojner und Porsche stiegen damals mit frischem Kapital ein und übernahmen gemeinsam das Unternehmen. Seither hat sich die Lage jedoch weiter verschärft: Recherchen mehrerer deutscher Medien zufolge verlor Varta einen wichtigen Großkunden aus dem Elektronikbereich, was zur Schließung eines Werks in Nördlingen führte. Dadurch soll eine Finanzierungslücke von mehr als 110 Millionen Euro entstanden sein. Für 2024 wies das Unternehmen einem Medienbericht zufolge einen Verlust von rund 64,5 Millionen Euro bei einem Umsatz von mehr als 790 Millionen Euro aus.
Vor wenigen Wochen hatte eine Ad-hoc-Gläubigergruppe rund um die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox erstmals öffentlich gemacht, das Haushaltsbatteriegeschäft herauslösen und eine neue Eigentümerstruktur durchsetzen zu wollen. Eine von den Gläubigern in Auftrag gegebene Analyse der Beratungsfirma FTI kam demnach zu dem Schluss, Varta benötige für das laufende Geschäft einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag – Geld, das damals schon fehlte. Mit der nun erfolgten Insolvenzanmeldung hat sich diese Forderung nach Zerschlagung einen entscheidenden Schritt weiterbewegt.
Der Weg zur Insolvenz
Laut mehreren deutschen Medien war die Insolvenzanmeldung in den Tagen zuvor bereits absehbar: Trotz intensiver Gespräche fand sich niemand, der das benötigte zusätzliche Kapital bereitstellen wollte. Vorstandschef Michael Ostermann äußerte sich nach der Anmeldung mit einer Erklärung, die mehrere Redaktionen wortgleich beziehungsweise sinngemäß wiedergeben: Der Schritt sei „unausweichlich“ und treffe ihn persönlich, das Unternehmen habe in den vergangenen Quartalen große Herausforderungen bewältigen müssen. Man arbeite mit aller Kraft daran, möglichst viele der rund 3.260 Arbeitsplätze im Konzern zu erhalten und eine tragfähige Fortführung zu ermöglichen.
Eine im Volltext eingesehene eigene Pressemitteilung von Varta selbst liegt bislang nicht vor – die Angaben stammen aus der Wiedergabe durch mehrere voneinander unabhängige Medien.
Was die Quellen zeigen
ORF, DER STANDARD, Kurier, Die Presse, t-online, Handelsblatt und Berliner Zeitung berichten inhaltlich übereinstimmend über die Insolvenzanmeldung und die Bestätigung durch das Amtsgericht Stuttgart. Der Kern – Insolvenzanmeldung, Prüfung durch das Gericht, 50/50-Beteiligung von Tojner und Porsche, Übernahmeinteresse der Gläubiger am Haushaltsbatteriegeschäft – gilt damit als belastbar. Weniger gesichert bleiben Details wie die genaue Zahl der gestellten Anträge und die exakte Verfahrensform, da hierzu bislang keine eigene Gerichtsmitteilung oder Varta-Pressemitteilung im Volltext vorliegt, sondern nur indirekte Zitate in der Medienberichterstattung.
Tojners Position und die geplante Aufteilung
Tojner hatte bereits vor der Insolvenzanmeldung laut einem Bericht des Portals vienna.at erklärt, der Schritt sei absehbar gewesen, und über seine Beteiligungsgesellschaft Montana versucht, Teile des Geschäfts – etwa Mikrobatterien, Solutions, Varta Innovation Graz und eine rumänische Tochtergesellschaft – aus dem Verfahren herauszulösen. Die aktuelle Berichterstattung bestätigt nun zusätzlich, dass Tojner konkret Interesse am Geschäft mit Mikrobatterien angemeldet hat, etwa an Knopfzellen für Hörgeräte. Eine direkte, ausführliche Stellungnahme Tojners selbst zur Insolvenzanmeldung liegt aber weiterhin nicht vor.
Was unklar bleibt
Offen ist, wie das Insolvenzverfahren konkret ablaufen wird, insbesondere ob und in welcher Form eine Eigenverwaltung zum Tragen kommt, und wie viele einzelne Anträge tatsächlich gestellt wurden. Eine Stellungnahme der Porsche AG liegt weiterhin nicht vor. Auch der Ausgang von Tojners angekündigtem Versuch, Teile des Geschäfts herauszulösen, ist derzeit nicht absehbar. Wie viele der rund 3.260 Arbeitsplätze konzernweit und der zuvor genannten rund 1.800 Arbeitsplätze in der Region Ellwangen/Dischingen tatsächlich erhalten bleiben, ist ebenfalls offen. Der vollständige Wortlaut der Gerichtsbestätigung sowie einer etwaigen eigenen Varta-Mitteilung liegen nicht öffentlich im Volltext vor, sondern nur in Zitaten und Zusammenfassungen der Medienberichterstattung.
Einordnung
Der Fall zeigt, wie schnell ein erst ein Jahr zuvor abgeschlossenes Sanierungsverfahren durch den Wegfall eines einzelnen Großkunden und anhaltenden Kapitalmangel in eine Insolvenz münden kann. Für Österreich ist die Causa auch deshalb relevant, weil mit Michael Tojner ein heimischer Unternehmer zur Hälfte am Konzern beteiligt ist und nun um den Erhalt zumindest einzelner Geschäftsteile – insbesondere des Mikrobatteriengeschäfts – kämpft. Wie das Insolvenzverfahren und die parallel laufenden Verhandlungen der Gläubiger ausgehen, dürfte über das Schicksal Tausender Arbeitsplätze in Deutschland mitentscheiden.


