Neue Zahlen verschärfen das bereits bekannte Bild der Trockenheit-Krise in der österreichischen Wasserkraft: Verbund beziffert erstmals konkret, dass die zehn Laufkraftwerke an der Drau von Jänner bis August 2026 „weit über ein Drittel“ weniger Strom erzeugt haben als im langjährigen Durchschnitt – in einzelnen Wochen sogar weniger als die Hälfte. Bei KELAG liegt die Stromerzeugung 2026 bislang rund 25 Prozent unter den eigenen Planwerten. Beide Unternehmen sprechen von einer historischen Ausnahmesituation, sehen die Versorgungssicherheit aber weiterhin als gewährleistet an, ohne dass diese Einschätzung bislang unabhängig geprüft wäre.
Parallel dazu bestätigt GeoSphere Austria die außergewöhnliche Ausgangslage: Die vergangenen zwölf Monate waren demnach die trockensten seit Beginn der Messgeschichte 1850, mit rund 72 Prozent der Landesfläche, die von Jänner bis 12. August mehr Trockentage aufwies als in jedem der vorangegangenen 65 Jahre. Das untermauert die Größenordnung der Unternehmensangaben, beantwortet aber nicht die weiterhin offene Frage, ob 2026 auch gesamtösterreichisch das schwächste Wasserkraft-Jahr seit Aufzeichnungsbeginn wird.
Zum Ausgleich der Erzeugungslücke setzt Verbund tagsüber auf Photovoltaik, nachts auf Pumpspeicherkraftwerke wie Malta-Reißeck, das laut Unternehmen auf Knopfdruck den Strom von sechs Donaukraftwerken einspeisen kann; KELAG gleicht über andere Erzeugungsquellen und Importe aus. Dass die Dürre ein europäisches Donau-Problem ist, zeigt ein Bericht des Magazins profil, wonach auch Ungarns Atomkraftwerk mit Kühlwasserknappheit kämpft und die Bevölkerung zum Stromsparen aufgerufen wurde – eine Einzelquellenangabe, die hier nicht unabhängig geprüft wurde. Konkrete Investitionssummen für zusätzliche Speicherkapazität, wie im bisherigen Bericht als offene Frage benannt, nennen die Unternehmen weiterhin nicht.
Vorgeschichte
Dass die anhaltende Trockenheit die österreichische Wasserkraft-Erzeugung 2026 spürbar drückt, ist bereits bekannt: Wie im bisherigen Bericht zur Gewinnentwicklung von Verbund und Energie AG dargestellt, hatte der teilstaatliche Verbund für das erste Halbjahr bereits einen Gewinneinbruch um mehr als ein Drittel gemeldet. Neu sind nun konkretere, auf das laufende Jahr bis August bezogene Produktionszahlen einzelner Sparten sowie eine offizielle klimatologische Einordnung.
Neue Zahlen: Verbund und KELAG mit noch deutlicherem Minus
Der Verbund beziffert erstmals konkret, wie stark die zehn Laufkraftwerke an der Drau von der Trockenheit betroffen sind: Von 1. Jänner bis in den August 2026 hätten diese Anlagen „weit über ein Drittel“ weniger Strom erzeugt als im langjährigen Durchschnitt, sagte Unternehmenssprecher Robert Zechner gegenüber dem ORF. In einzelnen Wochen während der Hitzewellen habe die Erzeugung sogar „weit unter der Hälfte“ des üblichen Werts gelegen. Zechner verweist dabei auf eine ungewöhnlich lange Datenreihe: Die ältesten Drau-Kraftwerke des Verbunds sind seit mehr als 80 Jahren in Betrieb, entsprechend weit reichen die unternehmenseigenen Vergleichswerte zurück – 2026 sei damit das schwächste Jahr der gesamten Erzeugungsgeschichte dieser Anlagen.
Ähnlich das Bild bei KELAG: Der Kärntner Energieversorger liegt mit seiner Stromerzeugung 2026 bislang rund 25 Prozent unter den eigenen Planwerten – ebenfalls eine Folge der geringen Wasserführung. Beide Unternehmen betonen, dass die Versorgungssicherheit derzeit gewährleistet sei; belastbar unabhängig geprüft ist diese Einschätzung bislang nicht.
GeoSphere bestätigt historisches Ausmaß der Trockenheit
Die Unternehmensangaben fallen zusammen mit einer meteorologischen Bestätigung: Laut GeoSphere Austria waren die vergangenen zwölf Monate die trockensten seit Beginn der Messgeschichte 1850 – also seit 176 Jahren. Nach den vorliegenden Daten hatten von 1. Jänner bis 12. August 2026 rund 72 Prozent der österreichischen Landesfläche mehr Trockentage als in jedem der vorangegangenen 65 Jahre. Diese Einordnung betrifft die Niederschlagslage insgesamt und nicht direkt die Stromerzeugung, stützt aber den von Verbund und KELAG geschilderten Befund einer außergewöhnlichen Ausgangslage. Ob 2026 damit auch für die österreichische Wasserkraft insgesamt – über die bereits gemeldeten Verbund- und KELAG-Werte hinaus – tatsächlich das schwächste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn wird, lässt sich daraus weiterhin nicht ableiten; das bleibt, wie im bisherigen Bericht offengelassen, unbeantwortet.
Wie der Ausgleich funktioniert
Zur Kompensation des Erzeugungsausfalls setzt der Verbund laut Zechner tagsüber auf Photovoltaikanlagen, nachts auf große Pumpspeicherkraftwerke als „grüne Batterie“. Als Beispiel nennt er die Kraftwerksgruppe Malta-Reißeck, nach Unternehmensangaben das leistungsstärkste Pumpspeicherkraftwerk Österreichs: Es könne auf Knopfdruck den Strom von sechs Donaukraftwerken ins Netz einspeisen. Bei KELAG wird das Defizit den Angaben zufolge durch andere Erzeugungsquellen und Importe ausgeglichen. Zu konkreten Investitionssummen in zusätzliche Speicherkapazität – eine der im bisherigen Bericht offen gebliebenen Fragen – äußern sich beide Unternehmen in den vorliegenden Meldungen weiterhin nicht.
Die Donau als europäisches Problem
Dass Niedrigwasser derzeit nicht nur Österreich betrifft, zeigt ein Bericht des Magazins profil: Entlang der gesamten Donau drosseln demnach auch andere Länder ihre Wasserkraft- und Kernenergieerzeugung. Laut profil bat Ungarns Regierungschef Péter Magyar die Bevölkerung, abends auf Klimaanlagen zu verzichten, weil das Land mit dem Kühlwasser für sein einziges Atomkraftwerk zu kämpfen habe; auch Reedereien sollen Routen abgesagt haben. Diese Angaben stammen aus einer einzelnen Medienquelle und sind hier nicht unabhängig geprüft. Am Rande berichtet profil zudem von kuriosen Begleiterscheinungen des Niedrigwassers – etwa freigelegten Schiffswracks aus dem Zweiten Weltkrieg in Serbien und Mammutfunden in Bulgarien –, die für die österreichische Energiefrage aber nur Hintergrundfarbe liefern.
