EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist zu einem zweitägigen Besuch nach Grönland gereist und am Sonntag in der Hauptstadt Nuuk eingetroffen, wo sie vom grönländischen Ministerpräsidenten Jens-Frederik Nielsen und der dänischen Regierungschefin Mette Frederiksen empfangen wurde. Von der Leyen sprach von einer „einzigartigen Partnerschaft“ und bezeichnete die Beziehung zwischen EU und Grönland als familiär; Nielsen betonte laut mittlerweile auch österreichischen Medienberichten die enge Freundschaft und Partnerschaft, auf der man aufbauen wolle.
Nach übereinstimmenden internationalen Medienberichten kündigte sie während des Besuchs rund 200 Millionen Euro an zusätzlicher EU-Förderung für 2026 und 2027 an, unter anderem für kritische Rohstoffe, erneuerbare Energie und Satellitenverbindungen. Für Montag ist die Unterzeichnung einer neuen gemeinsamen Erklärung von EU, Grönland und Dänemark sowie der Start eines Satelliten-Projekts geplant; im EU-Budget für 2028 bis 2034 soll die Grönland-Förderung auf rund 530 Millionen Euro steigen.
Hintergrund des Besuchs sind die wiederholten Ansprüche von US-Präsident Donald Trump auf die rohstoffreiche, autonome dänische Insel mit rund 57.000 Einwohnern. Ob sich die USA an eine im Jänner vermittelte NATO-Absprache zur arktischen Sicherheit weiter gebunden fühlen und wie Washington auf die neuen EU-Zusagen sowie die für Montag geplante Erklärung reagiert, ist weiterhin offen.
Was passiert ist
Ursula von der Leyen ist am Sonntag zu einem zweitägigen Besuch in der grönländischen Hauptstadt Nuuk eingetroffen. Empfangen wurde die EU-Kommissionspräsidentin vom grönländischen Ministerpräsidenten Jens-Frederik Nielsen sowie der dänischen Regierungschefin Mette Frederiksen. Nielsen sprach bei einem gemeinsamen Pressetermin von einer engen Freundschaft und einer Partnerschaft, auf der man weiter aufbauen wolle – eine Formulierung, die inzwischen auch von mehreren österreichischen Medien übereinstimmend wiedergegeben wird. Von der Leyen selbst schrieb zu ihrer Ankunft in sozialen Netzwerken, es gehe darum, eine „einzigartige Partnerschaft“ zu festigen, und bezeichnete die Beziehung als familiär. Erster gemeinsamer Programmpunkt der drei Politiker war eine Bootstour durch die arktische Landschaft.
Die angekündigten Fördermittel und die geplante Erklärung
Nach übereinstimmenden internationalen Medienberichten kündigte von der Leyen während des Besuchs zusätzliche EU-Förderung von rund 200 Millionen Euro für die Jahre 2026 und 2027 an. Das Geld soll unter anderem in Projekte zu kritischen Rohstoffen, erneuerbarer Energie, Unterseekabeln, Satellitenverbindungen und Rechenzentren fließen, ein Teil ist direkt für die grönländische Verwaltung vorgesehen. Auch österreichische Medien berichteten inzwischen über ein Finanzpaket „erheblichen Umfangs“, das von der Leyen am Sonntag in Nuuk in Aussicht gestellt habe, ohne die genaue Summe in eigenen Worten zu nennen. Für Montag ist zudem die Unterzeichnung einer neuen gemeinsamen Erklärung von EU, Grönland und Dänemark geplant, im Rahmen derer beim grönländischen Telekombetreiber Tusass auch ein ausgebautes Satelliten-Konnektivitätsprojekt gestartet werden soll. Darüber hinaus hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die direkte Förderung Grönlands im nächsten mehrjährigen EU-Budget von 2028 bis 2034 auf rund 530 Millionen Euro nahezu zu verdoppeln.
Der geopolitische Hintergrund
Der Besuch findet vor dem Hintergrund anhaltender Ansprüche von US-Präsident Donald Trump auf Grönland statt. Trump hatte zuletzt im Juli seine Forderung erneuert, die USA sollten Kontrolle über die autonome dänische Insel erhalten, und dies mit Sicherheitsinteressen sowie aus seiner Sicht unzureichenden Fähigkeiten Dänemarks begründet, Grönland vor Russland und China zu schützen; mehrere Medien, darunter nun auch Die Presse, ordnen diese erneute Forderung dem NATO-Gipfel in der Türkei im Juli zu. Grönland zählt rund 57.000 Einwohner und verfügt über umfangreiche Vorkommen kritischer Rohstoffe, deren Erschließung durch das schmelzende Eis und neue Schifffahrtsrouten zunehmend erleichtert wird. Laut einem auf Agenturmeldungen gestützten Kurier-Bericht brachte Trump seine Grönland-Forderung zuletzt auch mit der laufenden Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa in Verbindung: Die USA könnten ihren Beitrag zur Abschreckung Russlands demnach zurückfahren, sollte keine aus ihrer Sicht zufriedenstellende Vereinbarung zu Grönland zustande kommen. Laut demselben Bericht bleibt zudem unklar, ob sich Trump noch an eine im Jänner von NATO-Generalsekretär Mark Rutte vermittelte Absprache der sieben arktischen NATO-Staaten gebunden sieht. Nicht näher genannten NATO-Kreisen zufolge könnten die USA zudem ihre Militärpräsenz auf Grönland ausweiten und ein Mitspracherecht bei bestimmten Investitionen erhalten – diese beiden Angaben stammen aus nur einer Quelle und sind unabhängig nicht bestätigt.
Was unklar bleibt
Offen ist, ob die Unterzeichnung der EU-Grönland-Erklärung am Montag tatsächlich wie angekündigt stattfindet und wie sie im Detail ausformuliert sein wird. Ebenso unklar ist, wie die USA und Präsident Trump auf die neuen EU-Zusagen reagieren werden und ob sich die kolportierten NATO-Angaben zu einer möglichen Ausweitung der US-Militärpräsenz auf Grönland bestätigen. Eine aktuelle, eigene Stellungnahme der US-Regierung zu diesem konkreten Besuch lag zum Zeitpunkt der Berichterstattung weiterhin nicht vor; auch eine offizielle Pressemitteilung der EU-Kommission zum genauen Umfang und zur Aufschlüsselung des Finanzpakets wurde bislang nicht eigenständig eingesehen.


