Am Rande der UNO-Generaldebatte in New York haben sich Deutschlands Außenminister Johann Wadephul und Russlands Außenminister Sergej Lawrow zu einem rund 20-minütigen Gespräch getroffen, das mit einem Handschlag endete – dem ersten bilateralen Außenminister-Treffen beider Länder seit Beginn des russischen Angriffskriegs 2022. Laut russischer Darstellung über Außenamtssprecherin Maria Sacharowa, einem Bericht unter Berufung auf deutsche Delegationskreise sowie Lawrows eigenen, später von dpa wiedergegebenen Angaben ging die Initiative von deutscher Seite aus, die Bitte sei erst tags zuvor „in letzter Minute“ erfolgt; eine offizielle deutsche Bestätigung dazu fehlt weiterhin.
Zum Gesprächsinhalt gaben beide Seiten zunächst öffentlich nichts bekannt, eine gemeinsame Pressekonferenz fand nicht statt. Ein einzelner, anonym gestützter Bericht will erfahren haben, Wadephul habe Lawrow zum Ende der „Eskalation“ gegenüber Deutschland, Europa und der Nato aufgefordert und auf eine Getreideexport-Vereinbarung übers Schwarze Meer gedrängt – unbestätigt und ohne unabhängige Zweitquelle. Im Nachgang äußerte sich Lawrow gegenüber Journalisten laut mehreren, auf derselben Agenturmeldung beruhenden Berichten abschätzig zu dem Treffen: Es habe keinen Fortschritt gebracht, Wadephul hätte ihn sinngemäß auch einfach anrufen können; zudem habe sich Deutschland mit dem Kommen aus seiner Sicht gewissermaßen selbst erniedrigt.
Das Treffen findet vor dem Hintergrund der stark angespannten Beziehungen seit dem Leipzig-Drohnenvorwurf statt, wie im bisherigen Bericht dazu dargestellt. Es beantwortet keine der dort offenen Fragen zu Ermittlungen oder Sanktionen, sondern ist ein eigenständiger diplomatischer Vorgang. Lawrows abschätzige Reaktion spricht eher gegen eine Deutung als Entspannungssignal; ob es bei diesem einmaligen Kontakt bleibt oder weitere Gespräche folgen, bleibt nach aktuellem Stand offen.
Erstes Außenminister-Treffen seit Kriegsbeginn
Am Rande der UNO-Generaldebatte in New York haben sich Deutschlands Außenminister Johann Wadephul und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow zu einem direkten Gespräch getroffen. Es fand in einem Besprechungsraum der russischen Delegation im UNO-Gebäude statt, dauerte rund 20 Minuten und endete mit einem Handschlag beider Minister. Damit kam es erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 wieder zu einem bilateralen Kontakt auf dieser Ebene – zuvor waren deutsche und russische Regierungsvertreter zwar bei internationalen Treffen gemeinsam anwesend, direkte Gespräche der Außenminister blieben jedoch aus.
Wer initiierte das Treffen? Lawrow spricht von „letzter Minute“
Wer das Treffen anregte, wird unterschiedlich dargestellt: Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, ließ über die Nachrichtenagentur TASS mitteilen, die deutsche Seite habe darum gebeten. Ein Bericht von t-online unter Berufung auf „deutsche Delegationskreise“ stützt diese Version tendenziell, wonach Russland zunächst Gesprächsbereitschaft signalisiert und Wadephul daraufhin eingewilligt habe. Nach dem Treffen wurde laut mehreren, auf derselben Agenturmeldung beruhenden Berichten auch Lawrow selbst gegenüber Journalisten konkreter: Demnach habe Deutschland das Gespräch erst tags zuvor „in letzter Minute“ erbeten. Eine offizielle Bestätigung oder Einordnung durch das Auswärtige Amt selbst liegt weiterhin nicht vor.
Lawrows Reaktion: „Hätte auch anrufen können“
Anders als unmittelbar nach dem Treffen, als beide Seiten öffentlich schwiegen, äußerte sich Lawrow später gegenüber Journalisten abschätzig zu dem Gespräch. Laut mehreren Portalen, die sich auf dieselbe Agenturmeldung stützen, sagte er sinngemäß, das Gespräch habe nichts Neues gebracht, und Wadephul hätte ihn auch einfach anrufen und auf seine Erklärung verweisen können. Zudem sei bei ihm der Eindruck entstanden, die deutsche Seite habe sich mit dem Kommen gewissermaßen selbst erniedrigt. Eine unabhängige Zweitquelle oder ein Wortlaut-Transkript dieser Äußerungen liegt nicht vor; die Angabe stützt sich auf eine einzelne Agenturmeldung, die mehrfach unverändert übernommen wurde.
Was laut Berichten besprochen wurde – und was offen bleibt
Zum eigentlichen Gesprächsinhalt gaben beide Seiten öffentlich wenig preis, eine gemeinsame Pressekonferenz oder Erklärung gab es nicht. Der bereits erwähnte t-online-Bericht will aus deutschen Delegationskreisen erfahren haben, Wadephul habe Lawrow aufgefordert, „den gefährlichen Weg der Eskalation“ gegenüber Deutschland, Europa und der Nato zu verlassen, und zudem auf eine Vereinbarung zu Getreideexporten über das Schwarze Meer gedrängt. Diese Angaben stammen aus einer einzelnen, anonym gehaltenen Quelle und wurden von keiner weiteren Stelle unabhängig bestätigt – sie sind daher als unbestätigter Bericht und nicht als gesicherter Gesprächsverlauf zu behandeln.
Vorgeschichte: angespannte Beziehungen seit dem Leipzig-Vorwurf
Das Treffen findet vor dem Hintergrund massiv verschlechterter deutsch-russischer Beziehungen statt: Wie im bisherigen Bericht zum Fall Leipzig/Halle dargestellt, hatte die Bundesregierung Russland Anfang September für einen versuchten Drohnenanschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich gemacht, Sanktionsmaßnahmen angekündigt und den russischen Botschafter einbestellt – Moskau wies dies zurück und schloss im Gegenzug unter anderem die Goethe-Institute im Land. Wadephul selbst hatte erst kurz vor dem New-York-Treffen bei einer Sicherheitsratssitzung von einer „neuen Stufe“ russischer hybrider Angriffe gesprochen.
Einordnung
Das Treffen beantwortet keine der aus dem Leipzig-Fall offenen Fragen zu Ermittlungen, EU-Sanktionspaket oder der Identifizierung eines mutmaßlichen Verdächtigen – es handelt sich um einen eigenständigen diplomatischen Vorgang am Rande der UN-Generaldebatte. Lawrows nachträgliche, öffentlich abschätzige Reaktion spricht eher gegen die Deutung des Treffens als Entspannungssignal, lässt aber ebenfalls keinen belastbaren Schluss auf die weitere Entwicklung zu: Ob es bei diesem einmaligen, öffentlich kaum diplomatisch gewürdigten Kontakt bleibt oder sich daraus weitere Gespräche ergeben, während der Konfrontationskurs auf beiden Seiten unverändert fortbesteht, lässt sich nach aktuellem Stand nicht abschätzen.


