Der Waldbrand, der am 22. Juli bei Saumos nahe Bordeaux ausgebrochen war, hat sich bis zum 26. Juli auf rund 42.000 Hektar im Département Gironde und weitere rund 3.600 Hektar im Département Landes ausgeweitet. Die Flammen waren zuletzt nur noch rund 15 Kilometer von den Grenzen des rund eine Million Einwohner zählenden Großraums Bordeaux entfernt und entwickelten zeitweise einen sogenannten Pyrocumulonimbus – eine Rauchwolke, die eigene Winde erzeugt und das Feuer besonders unberechenbar macht. Eine Evakuierung des Großraums selbst steht laut dessen Bürgermeister weiterhin nicht infrage, ein Stand, der laut einem Bericht vom 27. Juli unverändert blieb; in der Nacht auf Sonntag wurden aber rund 55.000 weitere Menschen westlich und südwestlich der Stadt zur Evakuierung aufgefordert, womit im Département Gironde insgesamt rund 220.000 Menschen betroffen sind. Auch im Département Var wurde wegen aufkommenden Mistralwinds vorsorglich evakuiert.
In Spanien hatte bereits ab dem 23. Juli ein Großbrand westlich von Madrid in der Sierra Oeste zur Evakuierung der Ortschaft Aldea del Fresno geführt. Angesichts der beispiellosen Brände im Großraum Madrid und nahe Valencia rief die spanische Regierung am Wochenende für Madrid und die Region Ávila einen „Notstand von nationaler Tragweite“ aus – laut dem Sender RTVE das erste Mal, dass dies in Spanien wegen Waldbränden geschieht. Ministerpräsident Sánchez sprach von „schwierigen Stunden“, sah aber auch positive Entwicklungen in der Brandbekämpfung. In Madrid und Valencia wurden rund 75.000 Menschen evakuiert – diese Zahl bestätigen inzwischen zwei unabhängige Berichte.
Die Brände beschränken sich inzwischen nicht mehr auf Frankreich und Spanien: Auf Sardinien musste ein von Ordensschwestern geführtes Seniorenheim nahe Cagliari evakuiert werden, in Kalabrien erhebt die Zivilschutzbehörde den bislang unbestätigten Vorwurf, Brandstifter hätten lebende Katzen als Brandbeschleuniger missbraucht. Die Gesamtzahl der in Südeuropa vor den Flammen geflohenen oder evakuierten Menschen ist von rund 160.000 (25. Juli) über rund 270.000 (26. Juli) auf mittlerweile mehr als 300.000 (Stand 27. Juli) gestiegen; ein einzelner Bericht vom 26. Juli hatte sogar von über 350.000 gesprochen, was sich mit den übrigen Zahlen nicht in Einklang bringen lässt. Bereits Anfang Juli waren bei einem Waldbrand nahe Los Gallardos in Almería mindestens 13 Menschen gestorben; jener Brand gilt inzwischen als weitgehend unter Kontrolle. Wie sich die Lage bei Bordeaux und in Spanien weiterentwickelt und ob es weitere Opfer gibt, ist derzeit offen.
Was bei Bordeaux passiert
Der Waldbrand, der am 22. Juli in der Ortschaft Saumos bei Bordeaux ausgebrochen war, hat sich bis zum Wochenende erheblich ausgeweitet. Ursprünglich waren rund 3.500 Urlauber von einem Campingplatz sowie rund 700 Anrainer aus zwei Ortsteilen von Le Porge evakuiert worden, während rund 500 Feuerwehrleute mit Löschflugzeugen und schwerem Gerät gegen die Flammen auf zunächst rund 800 Hektar kämpften. Bis Sonntag, 26. Juli, wuchs die betroffene Fläche allein im Département Gironde auf rund 42.000 Hektar, im benachbarten Département Landes wurden zusätzlich rund 3.600 Hektar Land vernichtet.
Die Flammen waren am Sonntag nur noch rund 15 Kilometer von den Grenzen des rund eine Million Einwohner zählenden Großraums Bordeaux entfernt. Der französische Innenminister Laurent Nuñez bezeichnete die Lage vor den Toren der Stadt als „sehr ungünstig“ und sprach von einer „weiteren schwierigen Nacht an der Waldbrandfront“. Laut Feuerwehrangaben entwickelte der Brand zeitweise einen sogenannten Pyrocumulonimbus – eine gewaltige Rauchwolke, die eigene Winde erzeugen kann und ein Feuer dadurch besonders unberechenbar macht; dadurch habe der Brand in der Nacht wieder an Intensität zugenommen und sich unkontrolliert in Richtung des Großraums ausgebreitet.
Eine Evakuierung des Großraums Bordeaux selbst steht laut dessen Bürgermeister Thomas Cazenave weiterhin nicht infrage, da sich das Feuer südlich der Metropolregion befinde und nicht nach Westen vorrücke; bis zur eigentlichen Stadtgrenze seien es noch 25 bis 30 Kilometer. Ein Bericht vom 27. Juli bestätigte, dass dieser Stand zu diesem Zeitpunkt weiterhin galt. In der Nacht auf Sonntag ordnete die Präfektur gleichwohl die vorsorgliche Evakuierung von rund 55.000 weiteren Menschen in mehreren Gemeinden westlich und südwestlich von Bordeaux an – nach dieser Angabe sind im Département Gironde inzwischen insgesamt rund 220.000 Menschen von einer Evakuierungsaufforderung betroffen, rund 140 Wohnhäuser sollen bereits zerstört worden sein. Zur Brandbekämpfung waren laut Innenminister 18 Flugzeuge und Hubschrauber im Einsatz, darunter ein zum Löschflugzeug umgerüsteter Transporter vom Typ A400M.
Auch anderswo in Frankreich bleibt die Lage angespannt: Im Département Var im Südosten wurde wegen aufkommenden Mistralwinds eine weitere Verschlechterung befürchtet, rund 3.000 Menschen wurden dort vorsorglich in Sicherheit gebracht. Der Innenminister verwies zudem auf weitere Brände im Land, etwa auf Korsika, und rief die Bevölkerung landesweit zu „äußerster Wachsamkeit“ auf.
Spanien: Weitere Evakuierungen und erstmals nationaler Notstand
Parallel zur Lage bei Bordeaux hatten spanische Behörden bereits ab dem 23. Juli einen Großbrand westlich von Madrid in der Region Sierra Oeste gemeldet. Betroffen war zunächst die Gemeinde Villa del Prado; die rund 3.500 Einwohner der benachbarten Ortschaft Aldea del Fresno mussten ihre Häuser vorsorglich verlassen. Laut spanischen Medienberichten sollen sich mehrere zunächst getrennte Brandherde – unter anderem bei Villa del Prado, San Martín de Valdeiglesias und Almorox – zu einem Waldbrand zusammengeschlossen haben, der als einer der größten je in der Region Madrid verzeichneten beschrieben wird. Diese Einordnung stammt bislang nur aus spanischsprachigen Quellen und wurde nicht durch eine der sonst genutzten österreichischen Hauptquellen bestätigt.
Angesichts der beispiellosen Brände im Großraum Madrid und nahe Valencia im Osten des Landes rief die spanische Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez am Wochenende für Madrid und die Region Ávila einen „Notstand von nationaler Tragweite“ aus. Laut dem öffentlich-rechtlichen Sender RTVE ist dies das erste Mal, dass ein solcher Schritt in Spanien wegen Waldbränden erfolgt. Sánchez sprach bei einem Besuch in Ávila von „schwierigen Stunden“, die dem Land noch bevorstünden, sah zugleich aber positive Entwicklungen: Die Nacht sei hinsichtlich Brandverlauf, Eindämmung und Löscharbeiten „sehr positiv“ verlaufen. In Madrid und nahe Valencia wurden rund 75.000 Menschen vorsorglich evakuiert – diese Zahl wird inzwischen von zwei unabhängigen Berichten vom 26. und 27. Juli übereinstimmend genannt, ein weiterer Bericht spricht allgemeiner von „Zehntausenden“. Starker Wind könnte die Flammen dort weiter anfachen. Löschflugzeuge aus Italien und Portugal unterstützen die spanischen Einsatzkräfte.
Auch Italien betroffen: Sardinien und Kalabrien
Die Waldbrände beschränken sich inzwischen nicht mehr nur auf Frankreich und Spanien. In der Nähe von Sardiniens Hauptstadt Cagliari musste laut Medienberichten ein von Ordensschwestern geführtes Seniorenheim vorsorglich evakuiert werden; rund zehn Personen, darunter Bewohner, Ordensschwestern und Mitglieder einer bereits zuvor evakuierten Familie, wurden in Sicherheit gebracht. Diese Angabe stützt sich bislang nur auf eine aggregierte Quelle, eine unabhängige Zweitquelle mit denselben Details liegt nicht vor.
In der süditalienischen Region Kalabrien erhob die dortige Zivilschutzbehörde in einem verbreiteten Video zudem den Vorwurf, Brandstifter hätten lebende Katzen mit brennbarem, in Flüssigkeit getränktem Stoff am Schwanz versehen und in Felder geworfen, um gezielt Brände auszulösen. Der Vorwurf ist nach diesem Bericht bislang nicht bestätigt, Ermittlungen dazu laufen noch. Kalabrien ist dabei klar von Sardinien zu unterscheiden – es handelt sich um zwei unterschiedliche, jeweils eigenständig von Waldbränden betroffene italienische Regionen.
Wachsende Evakuiertenzahlen in Südeuropa
Die Ereignisse bei Bordeaux, Madrid und in Italien reihen sich in einen bereits intensiven Waldbrandsommer in Südeuropa ein. Die Gesamtzahl der in Frankreich und Spanien vor den Bränden geflohenen oder evakuierten Menschen ist im Verlauf des Wochenendes rasch weiter gestiegen: Nach mehreren übereinstimmenden Medienberichten waren am 25. Juli bereits mehr als 160.000 Menschen evakuiert worden – Anfang der Woche war noch von rund 90.000 die Rede. Am 26. Juli nannten mehrere Berichte übereinstimmend rund 270.000 Betroffene, am 27. Juli meldete ein weiterer Bericht bereits mehr als 300.000 Menschen. Ein einzelner Bericht vom 26. Juli hatte darüber hinaus sogar von mehr als 350.000 Menschen gesprochen; diese Abweichung lässt sich mit den vorliegenden Quellen nicht auflösen, eine nachvollziehbare gemeinsame Berechnungsgrundlage für die verschiedenen Zahlen liegt nicht vor.
Bereits Anfang Juli hatte ein Waldbrand nahe Los Gallardos in der Provinz Almería mindestens 13 Todesopfer gefordert, rund 7.000 Hektar Land brannten nieder; dieser Brand gilt inzwischen als weitgehend unter Kontrolle, an den betroffenen Orten laufen Wiederaufbaumaßnahmen.
Was die Quellen zeigen
Die zentralen Entwicklungen – die auf 15 Kilometer an den Großraum Bordeaux herangerückte Brandfront, die rund 42.000 zerstörten Hektar in der Gironde, die vom Bürgermeister weiterhin ausgeschlossene Evakuierung des Großraums selbst, der erstmals wegen Waldbränden ausgerufene spanische Notstand sowie die rund 75.000 Evakuierten in Spanien – werden jeweils von mindestens zwei unabhängigen Medien übereinstimmend berichtet, die sich auf Aussagen von Behördenvertretern beziehungsweise auf den Sender RTVE stützen. Auch der Anstieg der Gesamtevakuiertenzahl in Südeuropa von rund 160.000 über 270.000 auf mehr als 300.000 wird inzwischen von mehreren unabhängigen Medien als Trend bestätigt. Einzelangaben wie die zusätzlichen 55.000 Evakuierten bei Bordeaux, die rund 140 zerstörten Häuser, der abweichende Wert von über 350.000 Evakuierten sowie die Vorfälle in Sardinien und Kalabrien beruhen dagegen weiterhin nur auf einer Quelle beziehungsweise einer nicht unabhängig geprüften Angabe und werden entsprechend vorsichtiger eingeordnet. Eine gezielte Suche nach amtlichen Primärquellen – etwa einer Pressemitteilung der Präfektur Gironde oder dem Wortlaut des spanischen Notstandsdekrets – ergab in Suchergebnissen ähnliche Zahlen, die zugrunde liegenden Seiten wurden für diesen Artikel aber nicht direkt eingesehen und daher nicht als eigene Quelle herangezogen.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, wie weit sich der Brand bei Bordeaux seit dem 27. Juli tatsächlich ausgeweitet hat und ob die Zusage, den Großraum nicht evakuieren zu müssen, weiter Bestand hat. Auch die genaue Gesamtzahl der Evakuierten in Frankreich und Spanien lässt sich mit den vorliegenden Quellen nicht abschließend klären: Während sich mehrere Berichte inzwischen auf einen Wert von mehr als 300.000 zubewegen, steht ein Einzelwert von über 350.000 weiterhin unerklärt im Raum. Unklar ist zudem weiterhin die Brandursache in Saumos, ob der Madrider Großbrand tatsächlich aus mehreren Einzelfeuern entstand und der größte je in der Region verzeichnete ist, sowie ob es in den vergangenen Tagen weitere Verletzte oder Todesopfer gab. Beim Vorwurf aus Kalabrien, Katzen seien als Brandbeschleuniger missbraucht worden, steht der Ausgang der Ermittlungen noch aus; auch das genaue Ausmaß der Betroffenheit Sardiniens und weiterer italienischer Regionen ist mit den vorliegenden Quellen nicht zu beziffern.
Einordnung
Die Ereignisse reihen sich in eine Serie von Hitze- und Waldbrandereignissen ein, die West- und Südeuropa in diesem Sommer wiederholt getroffen haben. Neue Nachrichten hatte bereits über eine Hitzewelle Mitte Juli berichtet, in deren Zuge mehrere französische Atomreaktoren gedrosselt oder abgeschaltet und ein Waldbrand nahe Fontainebleau gemeldet worden waren, sowie in einem eigenen Artikel über die parallele Ausweitung der Evakuierungen im Département Gironde auf über 200.000 Menschen und ein Todesopfer in Spanien. Die auf rund 42.000 Hektar angewachsene Fläche in der Gironde, der erstmals wegen Waldbränden ausgerufene spanische Notstand sowie die bis zum 27. Juli auf mehr als 300.000 gestiegene Gesamtzahl der Betroffenen in Südeuropa zeigen, dass sich die Lage über mehrere Länder hinweg weiter verschärft, statt sich zu stabilisieren.


