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Die Österreichische Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation (ÖGPMR) hat bei einer Pressekonferenz am 4. September 2026 in Wien auf steigende Wartezeiten in ihrem Fachbereich hingewiesen. Die mittlere Wartezeit sei von acht Tagen im Jahr 2012 auf 39 Tage im Jahr 2024 gewachsen; eine Stichprobe in Wiener Vertragsinstituten und Ordinationen habe für Ende 2025/Anfang 2026 sogar rund 9,6 Wochen ergeben. Als Hintergrund nannten die Fachleute eine alternde Gesellschaft: Schon jetzt sei mehr als jede fünfte Person in Österreich über 65, bis 2040 solle diese Gruppe auf 2,46 Millionen anwachsen.

Die Fachgesellschaft brachte zudem ein eigenes Hypothesenmodell ins Spiel, wonach verkürzte Krankenstände durch bessere Reha-Versorgung ein jährliches Einsparpotenzial von bis zu 862 Millionen Euro bergen könnten. Als ergänzenden Hebel nannten die Fachleute Telemedizin, mit der Reha-Übungen auch zu Hause begleitet werden könnten.

Alle Zahlen stammen aus der Pressekonferenz der ÖGPMR selbst und wurden bislang nicht unabhängig geprüft; Details zur Methodik der Wiener Stichprobe fehlen ebenso wie eine Stellungnahme von Gesundheitsministerium oder Sozialversicherung.

Was passiert ist

Die Österreichische Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation (ÖGPMR) hat am 4. September 2026 bei einer Pressekonferenz in Wien auf steigende Wartezeiten in ihrem Fachbereich hingewiesen. Physikalische Medizin und Rehabilitation soll Mobilität und Selbstständigkeit von Menschen möglichst lange erhalten oder wiederherstellen – ein Ziel, das laut den Fachleuten durch eine alternde Gesellschaft und einen entsprechend steigenden Bedarf zunehmend unter Druck gerät. Die mittlere Wartezeit sei von acht Tagen im Jahr 2012 auf 39 Tage im Jahr 2024 gewachsen, hieß es von der Fachgesellschaft. Eine Stichprobe in Wiener Vertragsinstituten und Ordinationen habe für Ende 2025 und Anfang 2026 sogar eine durchschnittliche Wartezeit von rund 9,6 Wochen ergeben.

Was die Fachleute vorbringen

Thomas Kienbacher, Facharzt für Physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation im Rehab Zentrum Liesing, wurde in einem Pressestatement mit dem Hinweis zitiert, Wien verfüge zwar über eine flächendeckende und gut erreichbare ambulante Versorgungsstruktur, diese müsse jedoch mit dem Bedarf Schritt halten. Der Grundsatz „ambulant vor stationär“ funktioniere nur, wenn Patientinnen und Patienten ambulante Leistungen zeitgerecht erhielten. ÖGPMR-Seniorpräsident Richard Crevenna verwies auf die demografische Entwicklung: Schon jetzt sei mehr als jede fünfte Person in Österreich 65 Jahre oder älter, gleichzeitig lebten immer mehr Menschen über Jahre mit chronischen Erkrankungen. Die gesundheitspolitische Frage laute deshalb zunehmend nicht mehr nur, wie Krankheiten behandelt, sondern wie verhindert werde, dass sie dauerhaft zu Funktionsverlust, Pflegebedürftigkeit oder Verlust der Arbeitsfähigkeit führten. Laut den bei der Pressekonferenz präsentierten Zahlen hat fast jede zweite Person über 75 Jahre Schwierigkeiten beim Stiegensteigen, rund 45 Prozent beim Gehen; Arthrose soll in dieser Altersgruppe rund 28 Prozent der Männer und 47 Prozent der Frauen betreffen. Bis 2040 werde die Zahl der über 65-Jährigen in Österreich auf 2,46 Millionen steigen, so die Fachgesellschaft.

Ökonomisches Argument und Telemedizin

Roland Celoud, stellvertretender PMR-Bundesfachgruppenobmann in der Österreichischen Ärztekammer, brachte bei der Pressekonferenz ein eigenes Hypothesenmodell der ÖGPMR ins Spiel: Für 2024 weise dieses einen potenziellen Kostendämpfungseffekt von bis zu 862 Millionen Euro pro Jahr durch verkürzte Arbeitsunfähigkeit aus. Eine integrierte Versorgung könne demnach Komplikationen reduzieren, frühere Spitalsentlassungen unterstützen und langfristig Pflegebedürftigkeit verringern. Als ergänzenden Hebel nannten die Fachleute Telemedizin: Sie könne Reha-Übungen auch zu Hause fachlich begleiten, Therapieverläufe kontrollieren und Patientinnen und Patienten zwischen persönlichen Terminen kontinuierlicher betreuen – bei gerade für mobilitätseingeschränkte Menschen kürzeren Wegen.

Was unklar bleibt

Sämtliche in diesem Artikel wiedergegebenen Zahlen – vom langjährigen Wartezeit-Vergleich über die Wiener Stichprobe bis zum 862-Millionen-Euro-Modell – stammen aus der Pressekonferenz der ÖGPMR selbst und wurden bislang nicht unabhängig geprüft oder mit Primärquellen wie Statistik Austria, dem Gesundheitsministerium oder der Sozialversicherung abgeglichen. Wie die Wiener Stichprobe methodisch zustande kam, welche Institute sie umfasste und wie lange die Erhebung dauerte, wurde nicht näher ausgeführt. Auch das Kostendämpfungsmodell wird von den Fachleuten selbst als „Hypothesenmodell“ bezeichnet, ohne dass dessen Berechnungsgrundlage öffentlich einsehbar wäre. Eine Stellungnahme des Gesundheitsministeriums, der Sozialversicherung oder unabhängiger Fachleute zu den Wartezeiten liegt in den ausgewerteten Medienberichten nicht vor.

Einordnung

Die Debatte um Wartezeiten in der ambulanten Versorgung reiht sich in ein breiteres Bild einer alternden Gesellschaft mit steigendem Reha- und Therapiebedarf ein. Kapazitätsengpässe sind dabei kein rein Wiener Phänomen: Auch in anderen Bundesländern wurden zuletzt neue Versorgungsangebote geschaffen, etwa mit einer ab Oktober 2026 geplanten ME/CFS-Ambulanz an der Klinik Oberwart im Burgenland, wie berichtet. Ob und wie die von der ÖGPMR aufgezeigten Engpässe politisch aufgegriffen werden, ist derzeit offen.