Das Weltwirtschaftsforum hat am 16. September 2026 seinen jährlichen Bericht zur globalen Geschlechterkluft veröffentlicht. Demnach würde es bei aktuellem Tempo noch rund 120 Jahre dauern, bis weltweit vollständige Geschlechtergleichheit erreicht ist. Als Zäsur gilt die Coronapandemie: Die Zahl der Frauen in politischen Ämtern liegt inzwischen wieder unter dem Niveau von 2006, und in einer Stichprobe von 39 Volkswirtschaften sind nur rund 19 Prozent der Unternehmensspitzen mit Frauen besetzt. Besonders unterrepräsentiert seien Frauen laut Bericht in der KI-Branche entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Island führt die Rangliste zum 17. Mal in Folge an, vor Finnland und Norwegen. Österreich verbesserte sich laut Die Presse und ORF um 16 Plätze auf Rang 40 mit einem Wert von 75,3 Prozent, Deutschland liegt unverändert auf Platz 9 mit 81,7 Prozent. Eine dritte im Rechercheprozess vorliegende Quelle, Kurier, nennt für Österreich hingegen Platz 56 – ein Widerspruch, der sich mit den vorliegenden Quellen nicht auflösen lässt, rechnerisch aber zum Ausgangsrang vor der berichteten Verbesserung passen würde.
Der vollständige WEF-Berichtstext liegt nicht vor; die Zahlen stammen aus übereinstimmender Medienwiedergabe, die sich erkennbar auf dieselbe Agenturmeldung stützt.
Was passiert ist
Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat am 16. September 2026 seinen jährlichen Bericht zur globalen Geschlechterkluft veröffentlicht. Die zentrale Botschaft: Die in den vergangenen zwei Jahrzehnten erkämpften Fortschritte bei der Gleichstellung von Frauen in Führungspositionen sind ins Wanken geraten. Sollte sich das Tempo der Bemühungen nicht beschleunigen, werde es nach WEF-Berechnungen noch rund 120 Jahre dauern, bis weltweit vollständige Geschlechtergleichheit erreicht ist. Als Zäsur nennt der Bericht die Coronapandemie: Danach habe es in mehreren Bereichen Rückschritte gegeben, unter anderem bei der Zahl der Frauen in politischen Ämtern, die inzwischen wieder unter dem Niveau von 2006 liege. WEF-Geschäftsführerin Saadia Zahidi wird mit den Worten zitiert, Gleichstellung sei „eine Grundlage für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit, aber kein Selbstläufer“.
Die zentralen Zahlen
In einer Stichprobe von 39 Volkswirtschaften waren an der Spitze von Vorstand oder Geschäftsführung von Unternehmen nur rund 19 Prozent Frauen vertreten. Weltweit ist zudem die Zahl der Ministerien in Frauenhand gesunken, und der Anteil der von Frauen geführten Ministerien, die als einflussreich gelten, liegt seit 2008 unverändert bei rund zehn Prozent. Besonders ausgeprägt fällt die Unterrepräsentation laut Bericht in der vergleichsweise jungen Industriebranche Künstliche Intelligenz aus: Dort seien Frauen in der Führungsetage und entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Infrastruktur über die Entwicklung von Basismodellen bis zu Anwendungen – noch stärker unterrepräsentiert als in anderen Branchen. In der Gesamtrangliste, die unter anderem Bildung, Gesundheit, wirtschaftliche Teilhabe und politische Repräsentation berücksichtigt, führt Island zum 17. Mal in Folge, gefolgt von Finnland und Norwegen.
Österreich und Deutschland im Ranking
Die Presse und ORF berichten übereinstimmend, Österreich habe sich im aktuellen Ranking um 16 Plätze auf Rang 40 verbessert, mit einem Wert von 75,3 Prozent – zwischen Serbien und Panama platziert. Deutschland liegt laut Die Presse unverändert auf Platz 9 mit einem leicht verbesserten Wert von 81,7 Prozent, die USA sind um fünf Plätze auf Rang 47 zurückgefallen. Allerdings betitelt eine dritte Quelle im vorliegenden Cluster, Kurier, denselben Sachverhalt mit „Österreich nur auf Platz 56“ – ein direkter Widerspruch zur Platzierung 40, den die vorliegenden Quellen nicht auflösen. Rechnerisch ergäbe ein Ausgangsrang von 56 nach einer Verbesserung um 16 Plätze exakt den von Die Presse und ORF genannten Rang 40; ob die Kurier-Schlagzeile diesen Ausgangswert meint oder schlicht einen Fehler enthält, lässt sich ohne Einsicht in den vollständigen Kurier-Artikel oder den WEF-Bericht selbst nicht klären.
Was unklar bleibt
Der WEF-Bericht selbst liegt nicht im Volltext vor; die hier verwendeten Zahlen stammen aus der Wiedergabe durch Die Presse und ORF, die sich beide erkennbar auf dieselbe Agenturmeldung (APA/dpa) stützen. Das erklärt die inhaltliche Übereinstimmung, macht die einzelnen Werte aber nicht unabhängig von einer zweiten Quelle bestätigt. Ungeklärt bleibt insbesondere der Österreich-Rang: Ob 40 oder 56 zutrifft, ist mit den vorliegenden Cluster-Daten nicht sicher zu entscheiden. Auch methodische Details – etwa wie genau die vier Teilindizes gewichtet werden oder wie die WEF-Aussage zur Unterrepräsentation von Frauen in der KI-Branche empirisch unterlegt ist – lassen sich ohne den vollständigen Berichtstext nicht nachvollziehen.

