Österreichs Weinernte 2026 fällt laut Weinbauverband mit voraussichtlich 1,7 Millionen Hektolitern so gering aus wie zuletzt 2010 – ein Minus von 28 Prozent gegenüber dem Schnitt der Jahre 2021 bis 2025. Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager machte bei der Ernte-Pressekonferenz am 10. September die Rekordtrockenheit dafür verantwortlich, besonders betroffen sei mit bis zu 40 Prozent Rückgang das Weinviertel. Auch die Apfelernte bricht laut einer AMA-Hochrechnung ein: Statt 192.627 Tonnen wie 2025 werden heuer nur rund 125.000 Tonnen erwartet.
Ein Versorgungsproblem sieht der Weinbauverband dennoch nicht, weil Mengenreserven aus dem starken Jahrgang 2025 vorhanden seien. Während Weißwein preislich stabil bleibe, kämpfe die Branche beim Rotwein mit einem europäischen Überschuss. Der Verband will deshalb wie Frankreich und Deutschland auf die EU-Agrarkrisenreserve zurückgreifen und mehrere Millionen Liter Rotwein zu Industriealkohol verarbeiten lassen; Gespräche mit dem Landwirtschaftsministerium laufen dazu.
Offen bleibt, wie diese Verhandlungen ausgehen und wie sich die Ernteausfälle im internationalen Vergleich einordnen lassen. Die vorliegenden Einschätzungen stammen bislang überwiegend von der Branchenvertretung selbst.
Was passiert ist
Österreichs Winzerinnen und Winzer rechnen heuer mit einer deutlich geringeren Weinernte als in den Vorjahren. Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager bezifferte die erwartete Menge bei der traditionellen Ernte-Pressekonferenz am 10. September in Wien mit rund 1,7 Millionen Hektolitern. Das liegt um 28 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2025 und wäre die geringste Erntemenge seit 2010. Im Vorjahr, das als nahezu rekordträchtig galt, waren es noch rund 2,6 Millionen Hektoliter. Als Ursache nannte Schmuckenschlager die extreme Trockenheit, die zu kleinen Beeren und damit weniger Saft geführt habe. Die Hauptlese hat in Niederösterreich, der Steiermark und Wien bereits Anfang September begonnen, ungewöhnlich früh im Vergleich zu früheren Jahrgängen.
Was die Zahlen zeigen
Besonders betroffen ist laut Weinbauverband der Osten Österreichs: Im Weinviertel wird ein Mengenrückgang von bis zu 40 Prozent erwartet. Kleine Beeren bedeuten zwar weniger Saft, aber laut Schmuckenschlager eine höhere Konzentration wertgebender Inhaltsstoffe – der Verband erwartet deshalb besonders aromatische und ausdrucksstarke Weine. Auch bei einer zweiten heimischen Kultur schlägt die Trockenheit durch: Die Agrarmarkt Austria (AMA) rechnet laut eigener Hochrechnung mit einer Apfelernte von rund 125.000 Tonnen – mehr als ein Drittel weniger als die 192.627 Tonnen des Jahres 2025. Die Früchte fallen der AMA zufolge kleiner aus, sollen aber wegen der hohen Sonneneinstrahlung eine gute Aromaausbildung aufweisen.
Marktlage und Reaktion der Branche
Ein akutes Versorgungsproblem sieht der Weinbauverband trotz der geringeren Erntemenge nicht, da man auf Mengenreserven aus dem starken Weinjahr 2025 zurückgreifen könne. Beim Weißwein sei die Preisentwicklung stabil, beim Rotwein hingegen kämpfe die Branche mit einem Überschuss auf europäischer Ebene. Der Weinbauverband will deshalb – nach dem Vorbild Frankreichs und Deutschlands – auf die EU-Agrarkrisenreserve zurückgreifen und 7 bis 10 Millionen Liter überschüssigen Rotwein zu Industriealkohol verarbeiten lassen. Dazu laufen laut Verband derzeit Gespräche mit dem Landwirtschaftsministerium. Auch bei der Apfelernte rechnet die AMA trotz der Ernteeinbußen mit einer stabilen Versorgung des heimischen Marktes und mit stabilen Preisen; im August lag der Großhandelsabgabepreis für Tafeläpfel bei rund 0,97 Euro je Kilogramm.
Was unklar bleibt
Offen ist, wie die Gespräche zwischen Weinbauverband und Landwirtschaftsministerium über die EU-Agrarkrisenreserve ausgehen und wann eine Entscheidung dazu fällt. Ebenso liegt aus den vorliegenden Quellen kein Vergleich vor, wie stark die Weinernten in Frankreich oder Deutschland heuer betroffen sind, obwohl der Verband auf ein ähnliches Vorgehen dieser Länder verweist. Auch Einschätzungen einzelner Winzerinnen und Winzer abseits der Verbandsposition sowie detaillierte meteorologische Daten zur Trockenheit liegen nicht vor.
Einordnung
Die Zahlen stammen unmittelbar von der Standesvertretung der Branche, die naturgemäß ein Interesse an einer bestimmten Lesart der Marktlage hat – etwa an der Betonung von Qualität trotz Mengeneinbußen oder an der Forderung nach der EU-Agrarkrisenreserve. Die Kernzahlen zur Erntemenge selbst wurden von mehreren unabhängigen Medien übereinstimmend aus derselben Pressekonferenz wiedergegeben und gelten damit als gesichert. Einschätzungen zu Marktfolgen, Preisentwicklung und dem geplanten Zugriff auf die EU-Reserve beruhen dagegen bislang ausschließlich auf der Verbandsperspektive.


