Die Wespensaison in Österreich steuert Ende August auf ihren jahreszeitlichen Höhepunkt zu. Die Tiere haben ihre Larven bereits mit Proteinen versorgt und suchen nun vermehrt Süßes wie Kuchen oder Säfte. Für Menschen mit Insektengiftallergie kann ein Stich laut dem Grazer Allergologen Gunter Sturm “potenziell lebensgefährlich” sein – eine Gefahr, die oft unterschätzt werde. Aktuell rät er bekannten Allergikern zusätzlich, wenn möglich nicht im Freien zu essen und über eine Immuntherapie nachzudenken.
Laut einer eigenen Auswertung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) starben zwischen 2016 und 2025 in Österreich 68 Menschen nach Kontakt mit Bienen, Wespen oder Hornissen, im Schnitt rund sieben pro Jahr; 2024 war mit 13 Fällen das bisher schwerste Jahr. Von 2015 bis 2024 wurden zudem 9.617 Menschen stationär wegen Insektenstichen behandelt. Erst kürzlich starb ein 32-Jähriger in Oberösterreich nach einem Hornissenstich, mutmaßlich ohne griffbereiten Adrenalin-Pen.
Sturm verweist auf eine Immuntherapie mit nach seiner Einschätzung fast hundertprozentiger Erfolgsrate, die von der Krankenkasse übernommen wird. Wie belastbar diese Zahl unabhängig belegt ist und wie genau Hitze und Trockenheit die diesjährige Wespenpopulation beeinflusst haben, lässt sich aus den vorliegenden Quellen weiterhin nicht abschließend klären.
Was passiert ist
Die österreichische Wespensaison steuert laut mehreren übereinstimmenden Medienberichten Ende August auf ihren jahreszeitlichen Höhepunkt zu. Während Wespen im Frühsommer vor allem auf Fleisch aus sind, um ihre Larven mit Proteinen zu versorgen, sind die Larven mittlerweile versorgt – die Tiere suchen jetzt verstärkt nach Süßem: Kuchen, Säfte und andere zuckerhaltige Getränke. Grund dafür ist der eigene Energiebedarf der ausgewachsenen Wespen. Zwei Arten nähern sich dabei besonders häufig dem Menschen: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe, deren Populationen laut Expertenangaben derzeit besonders groß sind.
Gunter Sturm, Leiter des Allergieambulatoriums am Reumannplatz in Wien-Favoriten und der Forschungsgruppe Klinische Allergologie an der Universitätshautklinik Graz, ordnet die Situation als saisonal typisch, aber ernst zu nehmen ein: Ein Stich könne für Menschen mit Insektengiftallergie “potenziell lebensgefährlich” sein – eine Gefahr, die seiner Einschätzung nach oft unterschätzt werde. Eine am 30. August erschienene weitere Fassung der Kleine Zeitung sowie eine erneute Aufgreifung durch Die Presse bestätigen diese Einschätzung unverändert.
Was die Zahlen zeigen
Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) hat eigene Auswertungen zu Todesfällen und Spitalsaufnahmen durch Insektenstiche veröffentlicht. Demnach starben zwischen 2016 und 2025 in Österreich 68 Menschen nach Kontakt mit Bienen, Wespen oder Hornissen – im Mittel rund sieben pro Jahr. Den bisherigen Höchstwert verzeichnete das Jahr 2024 mit 13 Todesfällen, für 2025 wurden sieben Fälle registriert.
Parallel dazu weist die Spitalsentlassungsstatistik aus, dass von 2015 bis 2024 österreichweit 9.617 Personen nach Vergiftungen durch Insekten, Spinnen und ähnliche Tiere stationär behandelt wurden – durchschnittlich fast 1.000 Fälle pro Jahr, mit 1.041 Fällen im Jahr 2024. Erst kürzlich starb in Oberösterreich ein 32-Jähriger nach einem Hornissenstich; laut Berichten dürfte er seinen Adrenalin-Pen nicht griffbereit gehabt haben, ein direkter ursächlicher Nachweis dafür liegt in den Berichten aber nicht vor.
Einschätzung des Experten
Sturm verweist auf eine spezifische Immuntherapie, mit der Betroffene innerhalb weniger Wochen einen weitgehenden Schutz aufbauen könnten. Nach seiner Einschätzung liegt die Erfolgsrate bei “fast 100 Prozent”, die Kosten würden von der Krankenkasse übernommen. Der Ablauf sieht laut Sturm zunächst sieben wöchentliche Aufdosierungs-Impfungen vor, gefolgt von einer drei- bis fünfjährigen Erhaltungsphase mit monatlicher Auffrischung. Ein Adrenalin-Pen im Notfallset sei dagegen immer nur eine Notlösung, aber besser als nichts.
Aktuell, auf dem Höhepunkt der Saison, rät Sturm bekannten Allergikern zusätzlich, wenn möglich nicht im Freien zu essen und über eine Immuntherapie nachzudenken, um das Risiko eines Stichs zu verringern. Eine Allergie gegen Insektengift könne zudem frühestens nach einem zweiten Stich auftreten: Wer noch nie gestochen wurde, könne noch keine entsprechende Allergie entwickelt haben. Wespen- und Hornissengift seien einander chemisch relativ ähnlich, ein Hornissenstich sei entgegen verbreiteter Annahmen nicht gefährlicher als ein Wespenstich. Bienengift habe eine etwas höhere Giftdosis.
Was unklar bleibt
Die als Ursache genannten heurigen Witterungsbedingungen – Hitze und Trockenheit als Treiber besonders großer Wespenpopulationen – stützen sich in den vorliegenden Berichten weiterhin allein auf die Einschätzung Sturms, nicht auf eine eigenständig geprüfte Datengrundlage. Auch die genannte Erfolgsrate der Immuntherapie ist eine Expertenaussage ohne im Artikel zitierte Studienquelle. Die genauen Umstände des tödlichen Hornissenstichs in Oberösterreich – insbesondere der Zusammenhang mit dem fehlenden Adrenalin-Pen – werden bereits in den Ausgangsquellen als Vermutung formuliert und lassen sich hier nicht weiter absichern. Die am 30. August erschienenen weiteren Fassungen liefern zu keinem dieser offenen Punkte eine unabhängige zweite Quelle.
Einordnung
Es handelt sich um eine saisonale Gesundheits- und Sicherheitswarnung, wie sie zu dieser Jahreszeit regelmäßig erscheint. Die zentralen Zahlen stammen aus einer eigenen Auswertung des KFV und werden von mehreren Medien übereinstimmend wiedergegeben, was die Faktenlage zu den Statistiken vergleichsweise robust macht. Die medizinischen Handlungsempfehlungen beruhen dagegen weiterhin auf der Einschätzung einer einzelnen Fachperson; eine zweite unabhängige medizinische Stimme fehlt auch in den zuletzt hinzugekommenen Quellen.
