Das Gesundheitsministerium Nordmazedoniens hat mitgeteilt, dass in dem Balkanstaat in den vergangenen Wochen fünf Menschen an einer Infektion mit dem West-Nil-Virus gestorben sind. Landesweit seien seit Jahresbeginn 43 Fälle registriert worden, der Großteil davon in den vergangenen drei Wochen. In der Infektionsklinik in Skopje würden derzeit rund 20 bis 21 Patienten behandelt, fast täglich kämen neue hinzu. Die Behörden riefen zu Vorsichtsmaßnahmen wie dem Entleeren von Swimmingpools auf.
Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC hält fest, dass seit Jahresbeginn zwölf europäische Länder lokal übertragene Fälle gemeldet haben, darunter neben Nordmazedonien auch Österreich, Deutschland und Griechenland. Die meisten Fälle verzeichnen Italien (311) und Griechenland (157). Für Nordmazedonien nennt die ECDC-Meldung mit 37 Fällen eine niedrigere Zahl als das Ministerium – die Differenz ist ungeklärt.
Offen bleiben Details zu den fünf Todesfällen sowie die weitere Entwicklung bis zum Ende der Mückensaison im Herbst. Einen zugelassenen Impfstoff oder eine spezifische Behandlung gibt es laut Weltgesundheitsorganisation weiterhin nicht.
Was passiert ist
Das Gesundheitsministerium Nordmazedoniens hat mitgeteilt, dass in dem Balkanstaat in den vergangenen Wochen fünf Menschen an einer Infektion mit dem West-Nil-Virus gestorben sind. Landesweit seien seit Jahresbeginn 43 Infektionen festgestellt worden, der Großteil davon in den vergangenen drei Wochen. Anfang August hatten die Behörden für mehrere Gegenden in und um die Hauptstadt Skopje eine West-Nil-Virus-Epidemie erklärt.
Der Leiter der Klinik für Infektionskrankheiten in Skopje, Fadil Cana, beschrieb die Lage in der Einrichtung als angespannt: Fast täglich werde ein Patient neu eingeliefert, aktuell befänden sich rund 20 bis 21 Erkrankte in Behandlung. Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, etwa Swimmingpools zu leeren und tote Vögel zu melden, da diese als mögliche Wirte des Virus gelten. In den vergangenen Wochen wurden am Boden und aus der Luft verstärkt Insektenvernichtungsmittel eingesetzt, vor allem entlang von Bewässerungskanälen und anderen Gewässern.
Ausbreitung in Europa
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hält in seiner wöchentlichen Überwachungsmeldung fest, dass seit Jahresbeginn 2026 insgesamt zwölf europäische Länder lokal übertragene West-Nil-Virus-Fälle registriert haben: neben Nordmazedonien sind das Österreich, Deutschland, die Niederlande, Frankreich, Spanien, Italien, Albanien, Griechenland, Rumänien, Serbien und das Kosovo. Die mit Abstand meisten Fälle verzeichnen laut dieser Zählung Italien mit 311 und Griechenland mit 157 Infektionen. Für Österreich weist die ECDC-Meldung bislang einen einzelnen lokal erworbenen Fall aus.
Die Hochsaison der Übertragungen liegt zwischen Juli und September, wenn Stechmücken in Europa am aktivsten sind. Das Virus wurde erstmals 1937 im West-Nil-Gebiet in Uganda nachgewiesen; ein Großteil der Infektionen verläuft ohne oder mit nur milden Symptomen, weshalb nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Fälle überhaupt erfasst wird. Bei schweren Verläufen drohen grippeähnliche Beschwerden mit Fieber und Zittern bis hin zu Koma sowie, wenn das Virus über die Blutbahn ins Gehirn gelangt, eine lebensbedrohliche Hirnhautentzündung.
Was die Quellen zeigen
Die zentrale Zahl zu den Todesfällen und zur Fallzahl in Nordmazedonien stammt aus einer eigenen Mitteilung des Gesundheitsministeriums, wie sie von zwei österreichischen Medien mit sehr ähnlichem Wortlaut wiedergegeben wurde – ein Hinweis darauf, dass beide auf dieselbe Agenturmeldung zurückgreifen und keine voneinander unabhängige Zweitquelle vorliegt. Auffällig ist zudem, dass die genannten 43 Infektionen von der separat recherchierten ECDC-Wochenmeldung abweichen, die für Nordmazedonien 37 Fälle mit Stand 21. August ausweist. Eine Erklärung für diese Differenz liegt nicht vor, sie dürfte aber mit unterschiedlichen Erhebungsstichtagen oder Meldeverzügen zwischen nationaler Behörde und europäischer Zusammenführung zusammenhängen.
Das West-Nil-Virus war in Nordmazedonien erstmals 2011 nachgewiesen worden; bis Ende des vergangenen Jahres wurden dort insgesamt lediglich 54 Infektionen registriert. Der laut Ministerium besonders heiße Sommer 2026 wird als Faktor für die im Vergleich dazu deutlich verschärfte Lage genannt, ein belastbarer wissenschaftlicher Nachweis für diesen Zusammenhang liegt in den vorliegenden Quellen aber nicht vor.
Was unklar bleibt
Offen ist, wie sich die Diskrepanz zwischen der ministeriellen Zahl von 43 und der ECDC-Zahl von 37 Fällen für Nordmazedonien erklärt. Auch zu den fünf Todesfällen selbst – Alter, Vorerkrankungen, genaues Sterbedatum oder geografische Verteilung – liegen keine Angaben vor. Für Österreich lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht ableiten, wo und unter welchen Umständen der von der ECDC verzeichnete lokale Fall aufgetreten ist. Unklar bleibt außerdem, wie sich Infektions- und Todeszahlen in Nordmazedonien und den übrigen elf betroffenen Ländern bis zum Ende der Mückensaison im Herbst weiterentwickeln.
Einordnung
Für das West-Nil-Virus gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation weder einen zugelassenen Impfstoff für Menschen noch eine gezielte Behandlungsmethode – Betroffene werden symptomatisch versorgt. Die europaweite Zunahme an gemeldeten Regionen mit erstmaligen Fällen und die im Vergleich zu Vorjahren gestiegenen Zahlen in mehreren Ländern deuten laut den vorliegenden Quellen auf eine Ausweitung des Verbreitungsgebiets hin, ohne dass sich daraus eine gesicherte Prognose für die kommenden Wochen ableiten lässt.
