Nach einer tödlichen Schießerei im Westjordanland haben israelische Soldaten Dutzende Palästinenser aus dem Dorf Tal festgenommen. Bei der Auseinandersetzung am Vortag waren mindestens vier Palästinenser und zwei israelische Soldaten getötet worden. Der Bürgermeister von Tal sprach gegenüber Reuters von etwa 70 Festgenommenen; Hausdurchsuchungen und Armeepatrouillen dauerten an. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte ein „scharfes Vorgehen“ an.
Zum Hergang gibt es widersprüchliche Darstellungen: Die Palästinenserbehörde macht bewaffnete israelische Siedler verantwortlich, die das Dorf hätten angreifen wollen. Das israelische Militär erklärte, einige der beteiligten Zivilisten seien bewaffnet gewesen und beide Seiten hätten das Feuer eröffnet, bevor Soldaten eingriffen. Ärzte ohne Grenzen kritisierte zudem, Soldaten hätten nach der Schießerei ein Krankenhaus in Nablus gestürmt.
Offen bleiben der genaue Auslöser der Gewalt, eine offizielle Bestätigung der Festnahmezahl sowie internationale Reaktionen. Der Vorfall ereignete sich in einem Gebiet, das völkerrechtlich als besetzt gilt und in dem die israelischen Siedlungen von den meisten Staaten als rechtswidrig betrachtet werden.
Was passiert ist
Nach einer tödlichen Auseinandersetzung im Westjordanland haben israelische Soldaten Dutzende Palästinenser festgenommen. Bei einer Schießerei am Vortag waren mindestens vier Palästinenser und zwei israelische Soldaten getötet worden. Die Festnahmen fanden im Dorf Tal statt, das in der sogenannten Zone A liegt – jenem Teil des Westjordanlandes, in dem die Palästinenserbehörde die Verwaltungskontrolle hat und israelischen Zivilisten der Zutritt nach israelischem Recht untersagt ist.
Der Bürgermeister von Tal, Walid Sidan, sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters von etwa 70 Festgenommenen. Hausdurchsuchungen und Armeepatrouillen in dem Ort dauerten demnach an. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte als Reaktion auf den Vorfall ein „scharfes Vorgehen“ an.
Was die Quellen zeigen
Zum Hergang der Schießerei selbst liegen zwei widersprüchliche Darstellungen vor. Die Palästinenserbehörde erklärte, die Gewalt sei von bewaffneten israelischen Siedlern provoziert worden, die das Dorf Tal hätten angreifen wollen. Das israelische Militär bezeichnete die beteiligten israelischen Zivilisten zunächst als Wanderer, räumte später jedoch ein, dass einige von ihnen bewaffnet gewesen seien. Nach Darstellung des Militärs hätten beide Seiten das Feuer eröffnet, bevor Soldaten eingriffen.
Ärzte ohne Grenzen kritisierte in einer eigenen Aussendung, bewaffnete Soldaten hätten nach der Schießerei das Nablus Specialised Hospital gestürmt. Die Organisation ordnete den Vorfall in ein „umfassenderes Muster“ aus Razzien, staatlich geförderter Siedlergewalt und wachsendem Druck auf Zivilbevölkerung und Gesundheitswesen ein.
Was unklar bleibt
Wer die tödliche Schießerei tatsächlich auslöste, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht abschließend klären – Palästinenserbehörde und israelisches Militär widersprechen einander in zentralen Punkten. Auch die genaue Zahl der Festgenommenen stützt sich bislang allein auf die Angabe des Bürgermeisters gegenüber Reuters; eine offizielle israelische Bestätigung fehlt ebenso wie eine detaillierte Stellungnahme der Armee zum Ablauf des Vorfalls im Krankenhaus in Nablus. Offizielle Reaktionen internationaler Institutionen wie UNO, USA oder EU liegen bislang nicht vor.
Einordnung
Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg von 1967 besetzt. Dort leben Hunderttausende israelische Siedler unter Millionen Palästinensern; nahezu alle Staaten und UNO-Gremien betrachten die Siedlungen als völkerrechtswidrig. Der aktuelle Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Ereignisse in der Region ein: Erst kürzlich waren nach einem mutmaßlichen Angriff auf ein CNN-Team vier Siedler festgenommen worden, wie „Neue Nachrichten“ berichtete. Solche Fälle unterstreichen, wie angespannt die Lage im Westjordanland derzeit ist – ohne dass daraus Rückschlüsse auf den hier geschilderten Vorfall in Tal und Nablus zulässig wären.

