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Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) hat in einem Interview mit der Kleinen Zeitung und der Presse bekräftigt, dass digitale Endgeräte an Österreichs Schulen künftig später ausgegeben werden als bisher. Er begründet den Kurswechsel damit, dass frühe und lange Bildschirmzeit bei Kindern aus seiner Sicht mit sinkenden Grundkompetenzen und Belastungen für die psychosoziale Gesundheit zusammenhänge. Skandinavische Länder, lange Vorbild für frühe Digitalisierung in Schulen, hätten diesen Kurs mittlerweile ebenfalls revidiert.

Anlass des Gesprächs waren auch die steigenden Ausgaben für private Nachhilfe: Laut dem AK-Nachhilfebarometer 2026 erhalten 32 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Österreich Nachhilfe, Familien geben dafür zusammen rund 144 Millionen Euro pro Jahr aus. Wiederkehr sieht darin ein Alarmsignal und will, dass Lernbegleitung stärker in der Schule selbst stattfindet, statt privat organisiert zu werden.

Offen bleibt, auf welche konkrete Studienlage sich der Minister beim behaupteten Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und Grundkompetenzen stützt und welche skandinavischen Länder mit welchen Maßnahmen genau gemeint sind. Auch der vollständige Fahrplan der späteren Geräteausgabe ist aus dem Interview allein nicht restlos ersichtlich.

Was Wiederkehr sagt

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) hat in einem am 29. und 30. August 2026 veröffentlichten Interview mit Die Presse und der Kleinen Zeitung, geführt von Journalist Oliver Pink, seine bildungspolitische Linie erläutert. Zentrale Aussage: „Es gab eine Zeit, da hieß es: digital je früher, umso besser. Das gilt nicht mehr“, so Wiederkehr wörtlich. Digitale Endgeräte zu früh an Kinder auszugeben, führe – wenn schlecht begleitet – nicht zu besseren, sondern zu schlechteren Lernerfolgen.

Kurswechsel bei digitalen Endgeräten

Laut Wiederkehr sollen digitale Endgeräte an Schulen künftig nicht mehr im Alter von zehn, sondern erst mit zwölf Jahren ausgegeben werden. Das deckt sich mit einer bereits im Juni 2026 vom Bildungsministerium bekanntgegebenen Verschiebung der schulischen Geräteinitiative: Laptops und Tablets sollen ab dem Schuljahr 2027/28 nicht mehr zu Beginn der fünften, sondern erst im zweiten Semester der sechsten Schulstufe verteilt werden, wie mehrere Medien damals unabhängig berichteten. Begründet wurde der Schritt mit internationalen Studien und der Einschätzung, dass jüngere Kinder digitale Geräte noch nicht ausreichend selbstreguliert nutzen könnten. Zugleich betont Wiederkehr, das sei kein Widerspruch zu mehr Digitalisierung insgesamt: Das Fach Digitale Grundbildung bleibe bestehen, Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen sollten aber zuerst mit Büchern statt Tablets vermittelt werden.

Nachhilfe-Ausgaben als Ausgangspunkt

Anlass für das Interview waren unter anderem die aktuellen Zahlen zum Nachhilfebedarf: Laut dem AK-Nachhilfebarometer 2026 erhalten 32 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Österreich Nachhilfe, drei Viertel der Kinder lernen der Erhebung zufolge zusätzlich mit ihren Eltern. Insgesamt geben Familien dafür rund 144 Millionen Euro pro Jahr aus – eine Größenordnung, die auch in weiteren, von der AK unabhängigen Medienberichten bestätigt wird. Wiederkehr wertet den hohen Nachhilfebedarf als schlechtes Zeichen und will, dass Lernbegleitung stärker in den regulären Unterricht verlagert wird, statt privat organisiert zu werden.

Was unklar bleibt

Auf welche konkrete Studienlage sich Wiederkehr stützt, wenn er von einer „klaren Evidenz“ für den Zusammenhang zwischen früher Bildschirmzeit und sinkenden Grundkompetenzen spricht, nennt er im Interview nicht näher. Ebenso bleibt offen, welche skandinavischen Länder mit welchen konkreten Maßnahmen ihre frühere Digitalisierungsstrategie revidiert haben – der Minister spricht nur allgemein von einem Umdenken. Auch zu Gewalt an Schulen und zum erlaubten Umfang von Künstlicher Intelligenz im Unterricht sollte sich Wiederkehr laut Ankündigung des Interviews äußern, der vorliegende Textauszug bricht an dieser Stelle jedoch ab.

Einordnung

Die Aussagen stammen ausschließlich aus einem Interview mit dem zuständigen Minister selbst; eine zweite, unabhängige politische oder fachliche Stimme – etwa aus der Bildungsforschung, von Lehrer- oder Elternvertretungen oder der Opposition – liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor. Die zentralen Fakten zu den Nachhilfeausgaben und zur bereits laufenden Verschiebung der Geräteausgabe sind durch mehrere voneinander unabhängige Quellen gedeckt. Die kausalen Einschätzungen des Ministers zu Bildschirmzeit und Grundkompetenzen beruhen dagegen bislang allein auf seiner eigenen Darstellung im Interview.