Beim Teileinsturz eines Mehrparteienhauses in der Färbergasse in der Wiener Innenstadt ist die 85-jährige Mathematikerin und langjährige TU-Professorin Inge Troch ums Leben gekommen. In der Nacht auf Montag, den 21. September, waren über drei Geschosse hinweg Decken eingestürzt; Troch wurde erst in der Nacht auf Mittwoch nach fast zweitägiger Suche tot aus den Trümmern geborgen. Eine 57-Jährige wurde schwer verletzt, zwei weitere Personen konnten geborgen werden, insgesamt waren zwölf Menschen im Haus gemeldet.
Am Gebäude liefen seit 31. August von der Baupolizei bewilligte Bauarbeiten am Dachgeschoss. Laut Polizeisprecher Markus Dittrich laufen die Ermittlungen zur Unglücksursache „auf Hochtouren“, dem Kurier zufolge geht es dabei um den Verdacht der fahrlässigen Gemeingefährdung. Der Hauseigentümer, eine Immobilienfirma, weist über einen Anwalt jede Mitverantwortung zurück und verweist auf vorliegende Bewilligungen sowie eine plangemäße Bauausführung; ein von ihm beauftragter Sachverständiger soll die Ursache nun eigenständig klären.
Was den Einsturz konkret auslöste, ist bislang nicht geklärt. Offen sind auch das Ergebnis der angeordneten Obduktion, das Ergebnis des Statik-Gutachtens sowie der Ausgang der behördlichen Ermittlungen.
Was passiert ist
In einem Mehrparteienhaus in der Färbergasse in der Wiener Innenstadt sind in der Nacht auf Montag, den 21. September, über drei Geschosse hinweg Decken eingestürzt. Zwölf Menschen waren in dem Haus gemeldet. Eine 57-Jährige stürzte aus dem dritten Stock ab und wurde nach Stunden schwer verletzt aus den Trümmern befreit, zwei weitere Personen konnten geborgen werden. Die Bewohnerinnen und Bewohner wurden vorübergehend in einem Hotel untergebracht.
Eine Bewohnerin, die 85-jährige Inge Troch, wurde zunächst vermisst: Sie befand sich weder unter den Evakuierten noch an ihrem Nebenwohnsitz. Erst in der Nacht auf Mittwoch, den 23. September, wurde sie nach fast zweitägiger Suche unter schwierigen Bedingungen tot aus den Trümmern geborgen, verschüttet unter Mauerteilen und Schutt. Nach Angaben der Polizei geht man davon aus, dass sie beim Einsturz sofort starb. Nach Abschluss der Bergung übergab die Berufsfeuerwehr die Einsatzstelle der Polizei, eine Obduktion wurde angeordnet.
Wer die Tote war
Inge Troch war laut übereinstimmenden Berichten von ORF Wien und Kurier eine der renommiertesten Mathematikerinnen des Landes und langjährige Professorin an der TU Wien. Sie war zudem ein hochrangiges Mitglied der Wiener evangelischen Gemeinde.
Bauarbeiten und Ermittlungen
Fest steht bislang, dass am Gebäude seit 31. August Bauarbeiten liefen: Der Ausbau des Dachgeschosses war von der Baupolizei (MA 37) bewilligt worden. Die Baupolizei war unmittelbar nach dem Einsturz vor Ort, zudem gab es laut Polizeisprecher Markus Dittrich bereits ein Treffen aller Beteiligten, um das weitere Vorgehen abzuklären. „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren“, sagte Dittrich am Donnerstag, den 24. September. Der Kurier berichtet, die Baupolizei ermittle wegen des Verdachts der fahrlässigen Gemeingefährdung. Wer für den Einsturz konkret verantwortlich ist, ist damit noch nicht geklärt – es handelt sich um den Gegenstand laufender Ermittlungen, nicht um ein feststehendes Ergebnis.
Position der Eigentümer
Der Hauseigentümer, eine Immobilienfirma, wies in einem anwaltlichen Schreiben an den ORF Wien Vorwürfe zurück: Man sei „mehr als schockiert“ über den „katastrophalen Unfall“. Für den Bau hätten „sämtliche erforderlichen Bewilligungen“ vorgelegen, die Pläne seien von einem Ziviltechniker freigegeben und die Arbeiten nach einer Prüfung durch die Baupolizei plangemäß durchgeführt worden. Die Eigentümer hätten inzwischen selbst einen gerichtlich zertifizierten Sachverständigen für Statik beauftragt, um die Ursache zu klären, und sich rechtliche Schritte vorbehalten. Diese Darstellung stammt bislang ausschließlich von der Eigentümerseite selbst und ist durch kein unabhängiges Gutachten bestätigt.
Was unklar bleibt
Weiterhin offen ist, was den Einsturz technisch ausgelöst hat und ob dabei Fehler bei Planung, Bewilligung oder Bauausführung eine Rolle spielten. Das Ergebnis der angeordneten Obduktion zur genauen Todesursache liegt ebenso wenig vor wie das Ergebnis des von den Eigentümern beauftragten Statik-Gutachtens. Auch der Ausgang der behördlichen Ermittlungen wegen Verdachts fahrlässiger Gemeingefährdung – und damit die Frage möglicher Verantwortlichkeiten – ist derzeit nicht absehbar.

